Osho: Liebe vs. Politik


O

Die Limousine fährt bei der Nervenheilanstalt vor und ein aristokratischer Herr entsteigt ihr. „Bin ich hier richtig bei der Nervenklinik?“, fragt er den Pförtner. „So ist es, mein Herr“, sagt der Pförtner. „Kann man sich hier selber einweisen?“ – „Da bin ich überfragt. Aber warum wollen Sie das?“, fragt der Pförtner. „Nun, die Sache ist die“, sagt der Herr. „Ich bin grad eben einen Stapel meiner alten Liebesbriefe durchgegangen … und mir ist klar geworden, dass ich geisteskrank bin.“

Lest euch nur mal eure alten Liebesbriefe durch, und ihr werdet ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass ihr in die Klapse gehört – euch am besten selbst dort einweisen solltet. Alles, was ihr so Liebe nennt, ist eine Wahnsinnsattacke, ein Fieberanfall, eine Art biochemischer Neurose – jedenfalls keine Liebe. Wie könntet ihr lieben? Zur Liebe kommt es erst aufgrund von Meditation. Wenn man hellwach geworden ist, stellt sich eine neue Lebensqualität ein – die heißt Liebe.

Alles, was ihr im Augenblick Liebe nennt, ist Eifersucht, Konkurrieren, Besitzgier, Wut, Hass. Vielleicht hast du dich selber satt: Du hältst es nicht mehr mit dir selbst aus, also brauchst du jemanden und nennst das dann „Liebe“. Du brauchst irgendjemanden, an den du dich klammern kannst, den du rumkommandieren kannst, den du manipulieren kannst. Das ist Politik und nicht Liebe, da ist das Bedürfnis zu beherrschen und nicht Liebe. Und natürlich führt dieser Weg zur Hölle, natürlich wirst du dadurch nur immer unglücklicher.

aus: Osho, „The Pathless Path“
IEs geht um das identifizierte Bewusstsein. Osho wies des Öfteren auf die beiden „Wege“ Jnana Yoga und Bhakti Yoga bzw. Bewusstheit und Liebe hin und er warnte, wenn ich mich recht erinnere, davor, mit dem Bhakti Yoga zu beginnen. Wer mit der Liebe beginnt, läuft Gefahr, in seinen alten Vorstellungen von Liebe hängen zu bleiben. Außerdem – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Was Bewusstheit betrifft, sind wir relativ wenig vorbelastet bzw. wenn, dann eher negativ vorbelastet, beispielsweise durch Sätze wie: „Kannst du nicht aufpassen, du Tölpel!“ Aufpassen bezog sich dabei in aller Regel auf irgendwelche Dinge und unseren Umgang damit. Dass wir vielleicht auch mal auf uns selbst aufpassen könnten, wurde uns eigentlich eher weniger bis gar nicht gesagt. Und dabei wäre das wahrscheinlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. In den Sechziger-Siebziger-Jahren schwappten von unseren transatlantischen Freunden auch die Fühltherapien herüber, Primärtherapie, Sensitivity-Training, Focusing und dergleichen. Der Akzent sollte vom analytischen Verstand hin zum Fühlen, zum Wahrnehmen verschoben werden. Das ist ja an sich eine feine Sache, wenn es nicht zu einer neuen Polarisierung führt: Hier die kalten Hirnis, da die gefühlsduseligen Heulsusen. Beide Richtungen würden sich durch eine weitgehende Einschränkung der Bewusstheit auszeichnen und letztlich geht es doch um sie und nur um sie, falls es überhaupt um irgendetwas geht, denn reine Bewusstheit geht immer einher mit völliger Absichtslosigkeit. Und das bedeutet vollkommenes Annehmen dessen was ist und insofern schlicht und einfach Liebe.

Die Liebesbriefe, die den aristokratischen Herrn an seinem Verstand zweifeln ließen, waren wohl durchtränkt von seinen Bedürfnissen. Er idealisierte seine jeweils Angebeteten und hoffte von diesen göttergleichen Wesen geliebt, anerkannt, bestätigt, getragen, befriedigt und überhaupt rundum genährt zu werden. Jetzt ist er ein desillusionierter alter Sack und sieht, wie verrückt seine Jugendtorheiten waren. Das eigentliche Zeichen seiner Geisterkrankheit ist aus meiner Sicht jedoch, wie unfähig der Herr ist, seine Jugendtorheiten liebevoll anzunehmen. Gut, es mag sich damals um eine Wahnsinnsattacke, einen Fieberanfall, eine Art biochemischer Neurose gehandelt haben und nicht um Liebe. Zu mehr war er damals einfach nicht fähig gewesen. Aber die Verurteilung seiner Jugendtorheiten zeigt, dass er sich offensichtlich keinen Schritt hin zu mehr Bewusstheit bewegt hat. Jetzt hält er es immer noch nicht mit sich selbst aus, ist aber gleichzeitig ohne jede Hoffnung auf Rettung durch eine liebliche Fee. Für ihn ist das die Hölle. Natürlich ist er damit todunglücklich und immer weniger bereit, das, was er da vorfindet, liebevoll anzunehmen. Aber es geht nun mal immer nur da los, wo ich mich mit meiner Identifikation befinde. In der Hölle, im tiefsten Unglück. Es führt kein Weg da heraus, wenn das nicht angenommen wurde.

T
N

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Osho: Liebe vs. Politik

  1. Brigitte schreibt:

    Soweit ich erinnere, habe ich keinen einzigen Liebesbrief geschrieben. Schade eigentlich😉 Aber ich habe welche bekommen und die waren wunderschön.

    Gefällt mir

  2. robertknoche schreibt:

    Hat dies auf Freiheit, Familie und Recht rebloggt und kommentierte:
    Man muss nicht gleich in eine Nervenheilanstalt, weil man geisteskrank ist. Viele Politiker sind geisteskrank, führen auch danach ihr Amt aus
    und werden noch für ihre Verrückheiten ausgezeichnet und sind
    anerkannt!

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s