Daniel Herbst: Wenn du dich nicht rechtzeitig erhebst, bist du tot.


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Kann sich eine Welle, die eine kleinere Welle bei weitem übersteigt, im Näherkommen zurücknehmen, nur um die kleinere nicht zu ängstigen, sie nicht zu verformen und ihr nicht das Gefühl zu geben, schwach und unbedeutend zu sein? Könnte sich diese größere Welle entschließen, einen Teil von sich selbst auf die kleinere übergehen zu lassen, damit diese sich nicht mehr so klein und machtlos fühlt? Hätte sich die kleinere Welle damit bereits die Kraft verdient, sich als größere Welle selbst zu tragen? Könnte sie das, oder würde sie überschüssige Kraft sofort wieder verlieren und in mehrere noch kleinere Wellen auslaufen? …

Wenn du dich nicht rechtzeitig erhebst, bist du tot.

aus: Daniel Herbst, „Nietzsches Erwachen – Ein Abstieg zur Höhe des Lebens“

SEs gibt kleine Wellen und große Wellen, kleine Berge und große Berge, kleine Menschen und große Menschen. Es gibt aber auch schnelle Läufer und weniger schnelle Läufer, Rechengenies und Leute, die nicht bis drei zählen können, musikalische Menschen und ziemlich unmusikalische Menschen, … wie heißt es in der Lehár-Operette „Das Land des Lächelns“:

Als Gott die Welt erschuf,
war’n alle Menschen gleich,
alle Blumen blühten dort
für uns sowie für euch,
und es gab nicht weiß und gelb
nicht schwarz, nicht arm und reich.
Jedoch im Lauf der Zeit
entschwand der schöne Brauch.
Alle Menschen sind verschieden
und die Sitten auch.

Ich habe keine Ahnung, ob alle Menschen im Sinne des Schreibers je gleich waren, ich habe da meine Zweifel. Sicher ist jedoch, dass sie heute alle verschieden sind und die Sitten auch. Nun gibt es ja nicht erst im Zuge der Globalisierung das Bestreben nicht nur derjenigen „da oben“, sondern genauso derjenigen „da unten“, alle Menschen wieder gleich machen zu wollen.


„Die Ungleichen“ wollen ein Heer von „Gleichen“ schaffen und die „Gleichen“ wollen nicht, dass einer der Ihren ein Ungleicher wird oder gar schon ist. Es scheint fast schon ein kollektiver Zwang zu existieren, Unterschiede zu verleugnen. Gleichzeitig und im Widerspruch zu dieser Tendenz wird Ungleichheit fast schon verklärt. Wer auf dem Siegertreppchen ganz oben steht, ist geradezu ein Gott – jedenfalls für einen kurzen Moment. Und ebenfalls gleichzeitig, versucht jeder ein bisschen ungleicher zu sein als der andere, wodurch sich alle schon wieder ziemlich gleich aussehen lassen. Wer auf das ganze Theater schaut, kann ganz nüchtern feststellen, dass es keine Gleichen gibt. Auch der verzweifelte Versuch der französischen Revolution, mit der Guillotine ÉGALITÈ erzeugen zu wollen, war einfach nur kindisch. Alle Ideale leugnen das, was ist. Goethes „Wer immer strebend sich bemüht …“ erinnert sehr an den Marschallstab, den jeder Soldat angeblich im Tornister hat, oder an den Spruch „Wenn ich das geschafft habe, schaffst du es auch!“ Nein, nicht jeder ist zum Dichterfürsten geboren und nicht jeder zu einem Napoleon. Die Empörung gegen das indische Kastenwesen war und ist im Westen groß, dabei wird übersehen, dass auch wir schon immer ein dem Kastenwesen ähnliches System hatten. Ist das nicht ein prachtvoller, stets einsetzbarer praller Phallus:M„Könnte sich diese größere Welle entschließen, einen Teil von sich selbst auf die kleinere übergehen zu lassen, damit diese sich nicht mehr so klein und machtlos fühlt?“ fragt Daniel Herbst und die Antwort liegt auf der Hand: Es wäre verschwendetes Potenzial.

Vielleicht taucht die Frage auf: Wie ließe sich die menschliche Unterschiedlichkeit zu Nutz und Frommen aller handhaben? Die Herrschaft der Besten? Hatten wir ja schon, diese angeblich Besten. Die Aristokratie unterschied sich in Nichts vom indischen Kastensystem. Die Herrschaft der Weisen? Das hätte wahrscheinlich den Webfehler, dass Weise sich lieber vom Acker machen als zu herrschen. Am besten wäre wohl, wenn alle Menschen weise wären, dann bräuchten wir gar keine Herrschaft. Aber … träum weiter, Nitya!

„Als Gott die Welt erschuf, war’n alle Menschen gleich, …“ sie sind es immer noch, wie immer sie sind. Alle sind sie Manifestationen des Dao. Das Blöde ist, sie wissen es nicht. So’n Pech aber auch!

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4 Antworten zu Daniel Herbst: Wenn du dich nicht rechtzeitig erhebst, bist du tot.

  1. Pingback: Als Gott die Welt erschuf, war’n alle Menschen gleich | BEWUSSTscout - Wege zu Deinem neuen BEWUSSTsein

  2. marcopollovich schreibt:

    „“Könnte sich diese größere Welle entschließen, einen Teil von sich selbst auf die kleinere übergehen zu lassen, damit diese sich nicht mehr so klein und machtlos fühlt?” fragt Daniel Herbst und die Antwort liegt auf der Hand: Es wäre verschwendetes Potenzial.“
    In der Tat wollen kleine Wellen wohl so bleiben wie sie sind. Große Wellen können nur immer größer werden oder groß bleiben, alles andere wäre unnatürlich, und irgendwann wird dann aus der einen oder anderen kleinen Welle vielleicht doch noch eine größere, weil die große Welle sie nicht direkt versucht hat zu schlucken und größer auszuspucken, sondern das geschickter angestellt hat. Subtile Subversion. Verschwendet ist das Potenzial wenn die Mittel unzureichend sind.

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  3. chantaltalia schreibt:

    Grosse Wellen, kleine Wellen. Zum Jahreswechsel wünscht euch allen auch ein bisschen Wellness.🙂
    Chantal

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