Niu-t’ou Fa-jun: der Herz-Geist geht, wohin er will


HDer Herz-Geist ist authentisch.
Unnötig, dem Begehren ein Ende zu setzen.
Die räumliche Natur
Lässt den Herz-Geist gehen, wohin er will.

Weder klar, noch bedeckt,
Weder tiefgehend noch oberflächlich.
Fällt er von Anfang aus der Zeit
Und hat keine Zukunft.

So, nicht unterworfen,
Ist der ursprüngliche Herz-Geist,
Der ursprünglich nicht ist.
Denn Ursprung ist der jetzige Augenblick.

Die Erleuchtung hat immer existiert,
Nicht nötig, sie zu schützen.
Die Qualen haben niemals existiert,
Nicht nötig, sie zu beenden.

aus: Niu-t’ou Fa-jun, „Der Gesang des Herz-Geist (Hsin-ming)

GDazu etwas zu schreiben, ist eigentlich ein Verbrechen. Verbrechen sind allerdings dazu da, begangen zu werden. Buddha soll gesagt haben: „Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.“ (DBU) Seitdem versuchen seine Anhänger sich redlich darum zu bemühen, bessere Menschen aus sich zu machen. Wo das letztlich hinführen kann, können wir in Myanmar sehen. Von wegen friedliche Buddhisten. Immer wenn ein Pol angestrebt wird, rächt sich irgendwann der andere Pol.

Niu-t’ou scheint mit all dem so gar nichts am Hut zu haben. Nicht nötig, Qualen zu beenden, sagt er: Sie haben niemals existiert. Wozu also dem Begehren ein Ende setzen? „Hä?“ werden jetzt viele sagen, „was verzapft denn der Kerl da für einen Schwachsinn? Keine Qualen, kein Leiden – das ganze Elend, das ich überall auf der Welt sehen kann und in dem ich selbst festhänge, bilde ich mir das etwa alles nur ein?“ Gute Frage, könnte man jetzt sagen. Den Schmerz wohl nicht, aber wie ist es mit dem Glaubenssystem hinter dem Schmerz? Ohne Glaubenssystem kein Leiden, ohne Leiden kein Schmerz. Und das so verpönte Begehren? Ich begehre gerade einen Kaffee zu trinken. Was sollte daran verkehrt sein? Und wenn mir der Kaffee ausgegangen ist, werde ich dann nicht leiden? Was für ein Glaubenssystem muss ich wohl haben, um an fehlendem Kaffee zu leiden. (Ich seh mal von den möglichen Entzugserscheinungen eines starken Kaffeetrinkers – wie mir – ab.)

„So, nicht unterworfen, ist der ursprünglicher Herz-Geist, der ursprünglich nicht ist. Denn Ursprung ist der jetzige Augenblick.“ sagt Niu-t’ou. „… der ursprünglich nicht ist.“ Damit meint er wohl, dass er nicht in der Zeit ist. Er ist nicht vielleicht vor Millionen Jahren einmal entstanden, insofern hat er keinen benennbaren Ursprung. Der Ursprung ist der jetzige Augenblick. Und der ist ja auch schon wieder längst vorbei. Haben wir überhaupt ein Wort dafür? Zeitlosigkeit? Ewigkeit? Alles Blabla. Niu-t’ou nennt es „Fällt von Anfang aus der Zeit und hat keine Zukunft“.

Und jetzt hör ich auch schon wieder auf. Ein zunehmendes Unwohlsein zwingt mich geradezu dazu. Ich werde noch einmal ganz leise die wundervollen Zeilen von Niu-t’ou lesen und die Klappe halten. Versprochen.

Z

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