Jed McKenna: alle Gläubigen sind wahnhaft


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Die Bücher, die ich schreibe, enthalten dieselbe Botschaft wie Mortimer J. Adlers Buch [„Wie man ein Buch liest“], nur in einem anderen Bezugsrahmen. Wir können der Tatsache nicht ausweichen, dass ich in diesen Büchern alle Gläubigen als wahnhaft und jeden Glauben als unrichtig bezeichne. Sollte ich mich darin irren, dann bin ich nur einer dieser Laberer, wie Brett sagen würde; habe ich jedoch recht, dann handelt es sich um eine ziemlich vernichtende Anklageschrift gegen sämtliche Glaubenssysteme sowie jeden, der sich ihnen anschließt. Adler sagt:

Falls man nichts weiter sucht als irgendwelche Informationen, mögen sie alle richtig sein, sie sind es jedoch nicht, wenn man nach Aufklärung strebt. Es gibt keinen Königsweg. Der Pfad des wahren Lernens ist mit Steinen übersät, nicht mit Rosen. Jeder, der darauf besteht, den einfacheren Weg zu gehen, endet im Paradies der Narren – als ein mit Büchern vollgestopfter Hohlkopf, belesen, aber unwissend, ein lebenslanger Studienanfänger.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

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In der Klapsmühle begegnen sich ein Arzt und ein Patient. Der Patient zieht an einer Schnur eine Zahnbürste hinter sich her? Fragt der Arzt leutselig: „Na Bruno, wie geht’s denn deinem Fiffi?“ Der Irre weist ihn kopfschüttelnd zurecht: „Aber Herr Doktor, was reden Sie denn da, das ist doch nur meine Zahnbürste!“ Als der etwas verwirrt dreinblickende Arzt wieder verschwunden ist, sagt der Patient zur Zahnbürste: „Na Fiffi, den haben wir aber sauber drangekriegt!“

Das ist einer der üblichen Irrenwitze. Wenn ich so den Predigten unserer Pfarrer zuhöre, kann ich beim besten Willen keinen Unterschied zwischen ihnen und den Irren aus den Irrenwitzen erkennen. Bruno glaubt an seinen Fiffi und die Pfarrer und ihre Anhänger an …

 

Also das tut man nicht, was ich da gerade mache, das schickt sich nicht, das ist vielleicht sogar strafbar. Keine Ahnung. Aber was soll ich machen? Wenn Bruno sagen würde, dass er mich bestrafen wolle, wenn ich seine Zahnbürste für eine Zahnbürste halten würde, dann halte ich seine Zahnbürste immer noch für eine Zahnbürste. Und selbst wenn jemand auf die Idee käme, allen Fiffi-Ungläubigen mit dem Tode zu drohen, ändert das doch nichts daran, das Fiffi einfach nur eine Zahnbürste ist. Also für mich jedenfalls.

Jed McKenna sagt, dass er in seinen Büchern alle Gläubigen als wahnhaft und jeden Glauben als unrichtig bezeichnet. Wird der Wahn etwa dadurch gemildert, dass er wie hier auf dem Filmchen von jemandem repräsentiert wird, der sich einen Talar umgehängt und sich eine ziemlich pompöse Kulisse ausgewählt hat? Ob der Pfarrer nach vollbrachtem Glaubensbekenntnis hinterher sagt: „Na lieber Gott, die haben wir aber wieder sauber drangekriegt!“ Vermutlich nicht, denn im Gegensatz zur Klapsmühle, in der es angeblich im Inneren Irre gibt und außerhalb Normale, wimmeln die Gläubigen sowohl innerhalb wie außerhalb der Glaubenshäuser herum. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen nach § 166 StGB dann strafbar, wenn sie geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Ist also die Zahl der Gläubigen groß genug, dann kann man leicht den öffentlichen Frieden stören, wenn man sich weigert, eine Zahnbürste Fiffi zu nennen. Bruno mit seinem Fiffi ist natürlich ein harmloses Beispiel. Leider sind die Gläubigen außerhalb der offiziellen Klapse ja in allen gesellschaftlichen Belangen unterwegs und da wird die Sache leider weniger harmlos:

Romeo und Julia sind in der Klapse gelandet. Eines Tages springt Romeo einfach in den Pool im Garten und geht unter wie ein Stein. Julia zögert keinen Augenblick, springt hinterher und rettet ihren Romeo. Der Direktor lässt Julia kommen und lobt sie für ihre Tat und eröffnet ihr, dass er sie als geheilt entlassen wird. Dann fügt er allerdings mit traurigem Gesicht hinzu, dass Romeo doch nicht zu retten gewesen sei. Er hätte sich erhängt. Daraufhin sagt Julia: „Das war ich. Er war doch ganz nass. Da hab ich ihn nur zum Trocknen aufgehängt.“

Blöder Witz, ich weiß. Was ich sagen will, ist: Ich stimme Jed McKenna völlig zu, wenn er sagt, dass alle Gläubigen wahnhaft sind und jeder Glaube unrichtig ist. Also das muss doch mal gesagt werden, auch und gerade in der hochheiligen Weihnachtszeit.

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6 Antworten zu Jed McKenna: alle Gläubigen sind wahnhaft

  1. marcopollo schreibt:

    Ich würde es durchaus begrüßen, „Gläubiger“ als Schimpfwort zu verwenden, wenn jemand mal wirklich wieder den Vogel abgeschossen hat, und vielleicht „Schwuler“ oder „Behindert“ aus dem Kontext zu streichen. Ja, das wär was.😆

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  2. Wolf Schneider schreibt:

    Ja, »Gläubiger« ist ein Schimpfwort, und das meine ich jetzt nicht im finanziellen Sinne. Und ich rechne auch die Sprachgläubigen mit dazu. Also auch die Leser dieser Zeilen und aller anderen Zeilen und die Hörer aller Worte, die je mit Sinn gesprochen wurden und noch werden. Und insbesondere diejenigen, die sich von der prägenden Kraft eines solchen Schimpfwortes wie »Gläubiger« faszinieren lassen und dann glauben, damit etwas verstanden zu haben, obwohl das doch nur eine Verstehtrance ist, ein Wahrnehmungstunnel. In diesem Tunnel stehen sie dann, die Gläubigen und glotzen in die Welt hinaus anstatt etwas zu sehen.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Sugata.

      Buddha soll gesagt haben: „Glaubt mir kein einziges Wort von dem, was ich sage, nur weil ich Buddha, eine Autorität für Euch bin. Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!“

      Man könnte ja noch fragen, ob denn dem, was alles selbst erfahren wurde, „geglaubt“ werden solle, oder ob es nicht vielmehr darum geht, auch das jeweils Erfahrene im Augenblick der Erfahrung in Rauch und Asche aufgehen zu lassen.

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      • marcopollo schreibt:

        Natürlich ist es auch genau das. Übers Begriffdenken hinaus zu kommen. Auch über jede Autorität hinaus zu wachsen. Ich spreche nicht von natürlichen Autoritäten, ich denke schon, dass es die gibt. Aber die 08/15-Autorität baut sich wirklich nur auf Worte und Technik/Methode auf, überhaupt: Wie kann man nur herrschen wollen ? Was ist da schief gelaufen ? Nur ein Sklave kann auch herrschen wollen, und zwar um von der anderen Seite der Hörigkeit zu kosten. Solange wir nicht nach innen gehen, werden wir immer einen Nächsten suchen, der uns sagen soll wo´s lang geht, oder dem wir sagen können wo´s lang geht.

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      • Nitya schreibt:

        „Natürlich ist es auch genau das.“

        Das ist ein Glaubenssatz. Hinter diesem Glaubenssatz steht die Überzeugung, wissen zu können. Wir sind es gewohnt, auf Fragen Antworten geben zu sollen. Wie, wenn eine Frage eigentlich nur zum Erkennen des eigenen Nichtwissens führen würde? Sokrates wurde genau deshalb nicht nur durch Übereinstimmung der Menschen, sondern auch durch das Orakel von Apoll für den Weisesten aller (Leute) gehalten.

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      • marcopollo schreibt:

        Ich würde eher meinen, es ist die Gewissheit erfahren zu haben, aka Glaubenssatz, meinetwegen, ja. Ich bin mir da ziemlich sicher, dass es nicht viel zu bereden gibt (ja, dafür bin ich ziemlich unruhig, aber es ist ok für mich). Ich meine: zu wissen, dass man nichts weiß…was ist das nun ? Wissen oder Nicht-Wissen ? Das Wissen vom Nicht-Wissen oder das Nicht-Wissen vom Wissen ? Oder ist das am Ende nicht egal, und man ist wieder nur in Begriffen gelandet ?
        Wenn eine Frage zum Erkennen des eigentlichen Nicht-Wissens führt, dann hatte sie ihre Berechtigung.

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