Osho: Lasst alle eure Idealbilder fallen.

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Man muss sich so erkennen, wie man ist. Lasst alle eure Idealbilder fallen. Sie sind zwar schön, aber giftig. Es sind Wahnvorstellungen, solange du nicht deine Idealvorstellungen von dir aufgibst – die Bilder, die du dir in deiner Ohnmacht ausgemalt hast, um deine Wirklichkeit zu übertünchen, zu maskieren.

Lass alle Masken fallen, sei still, sei leer und schau in dein Wesen – egal wie es ist. Anfangs wird es eine geradezu höllische Erfahrung sein, aber das ist der Preis, den wir zahlen müssen. Wenn du genug Mut hast und wenn du es schaffst durchzuhalten, verzieht sich die Hölle bald, verziehen sich die Wolken und die Sonne scheint im wolkenlosen Blau. Dann bist du in deinem inneren Paradies angelangt.

Hölle und Himmel liegen bei dir. Aber die Hölle ist nur Peripherie, der Himmel ist der innerste Kern. Du bist das Auge des Hurrikans.

Tao zufolge braucht man eigentlich gar nichts zu tun, braucht man nur bis in sein innerstes Wesen vorzudringen.

aus: Osho, „The Pathless Path“
WKürzlich hatten wir ja unser kleines Gekabbel mit dem „Weisen“. Jaggi Vasudev alias Sadhguru, keine Ahnung, ob der ein Weiser ist, er sieht jedenfalls aus wie ein Bilderbuch-Weiser. Osho hat mal gesagt: „… ein paar Finger, die zum Mond zeigen. Bleib nicht an den Fingern hängen. Die Finger erklären nicht den Mond, sie deuten nur an. Die Finger haben nichts mit dem Mond zu tun. Sie mögen lang sein, sie mögen kurz sein, sie mögen künstlerisch sein, sie mögen hässlich sein, sie mögen weiß sein, sie mögen schwarz sein, sie mögen gesund sein, sie mögen krank sein, das hat keine Bedeutung. Sie zeigen einfach nur. Vergiss den Finger und schau zum Mond.“ Sogar einer, der aussieht wie ein Weiser, kann durchaus ein Fingerzeig sein, und jemand, der aussieht wie der Besitzer von Hempels Sofa, auch. Aber niemandem nützt irgendeine Weisheit, es sei denn er ist selbst zu ihr geworden. Jaggi Vasudev kann nur ein Finger sein, der zum Mond zeigt, mehr kann er, mehr kann niemand sein. Ein Finger, der zum Mond zeigt, kann allerdings auch ein Spatz sein, der dir auf den Kopf scheißt. Wir haben eine verhängnisvolle Neigung, Ausschau nach einem Führer zu halten, der uns die ganze Verantwortung für uns selbst abnimmt, indem er uns sagt, wo’s lang geht. Und das muss natürlich ein ganz besonderer Führer sein, am besten jemand, der so weise aussieht wie Jaggi Vasudev.

Osho sagt: „Lass alle Masken fallen, sei still, sei leer und schau in dein Wesen – egal wie es ist. Anfangs wird es eine geradezu höllische Erfahrung sein, aber das ist der Preis, den wir zahlen müssen.“ Das ist ein Fingerzeig, mehr nicht. Das ist (hoffentlich) keine Aufforderung. Denn wer immer diesem Fingerzeig folgt, tut dies auf eigene Gefahr. Osho fährt fort: „Wenn du genug Mut hast und wenn du es schaffst durchzuhalten, verzieht sich die Hölle bald, verziehen sich die Wolken und die Sonne scheint im wolkenlosen Blau. Dann bist du in deinem inneren Paradies angelangt.“ Hätte von einem Juristen stammen können. Wenn sich a) die Hölle nicht verzieht, wenn sich b) die Wolken nicht verziehen und auch c) keine Sonne im wolkenlosen Blau scheinen will und du d) nicht im inneren Paradies angelangt bist, sondern in der Klapsmühle, dann … dann hattest du eben a) nicht genug Mut und hast es b) nicht geschafft durchzuhalten. Es wäre gut, sich das vor Antritt der Reise klar zu machen.

Selbst der so hoffnungsvoll beginnende Schlusssatz endet mit einer Bedingung: „Tao zufolge braucht man eigentlich gar nichts zu tun, braucht man nur bis in sein innerstes Wesen vorzudringen.“ Es gibt eben doch etwas „zu tun“, auch wenn man eigentlich gar nichts zu tun braucht. Man muss in sein innerstes Wesen vordringen. „Vordringen“ klingt sehr kämpferisch und klingt wirklich nach tun. Aber es gibt nicht nur eigentlich, sondern tatsächlich gar nichts zu tun. Für die einen ist das die frohe Botschaft, für die anderen die totale Katastrophe.

S

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3 Antworten zu Osho: Lasst alle eure Idealbilder fallen.

  1. chantaltalia schreibt:

    „….schau in dein Wesen – egal wie es ist.“ sagt Osho.
    Jetzt versteh ich, warum der Mond für unser eigenes Wesen, das Sein, eine Metapher ist. Mal ist er rund und voll erleuchtet, dann geht es mir gut. Mal ist er leer, dann fühle ich mich am Abgrund meines Seins. In mir ist beides. Je mehr ich den Mond und seine Veränderung anschaue, ihn kenne, je mehr verliert er die Bedrohung der Dunkelheit. Im Gegensatz zur Sonne. In die Sonne schauen ist nicht ratsam. Da könnte ich das Augenlicht verlieren. Die Sonne kann mich blenden.
    Darum: der Mond steht für Erhellung.
    Auch wenn die Hölle im Englischen „Hell“ genannt wird. Da soll noch einer draus kommen.🙂
    Eine wunderbare Mondnacht am 25. Dezember wünscht euch allen
    Chantal

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    • Nitya schreibt:

      Ganz schön schwer zu fassen so’n Wesen – jedenfalls das äußere. Osho deutet auf das innerste Wesen bzw das Auge des Hurrikans, das vollkommene Stille bedeutet. Von dort aus lässt sich sogar das äußere Wesen, wie immer es sein mag, freudestrahlend umarmen,

      Liebe Chantal, alles Liebe für die wunderbare Mondnacht und den Rest aller Zeiten!
      Nitya

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