Alan Watts: wie der heilige Michael zum neuen Drachen wird


TAngenommen, wir nehmen die dunkle Seite des Lebens an, das Unbewusste und den Konflikt zwischen dem Unbewussten und dem Ego, so gibt es doch immer noch etwas, was wir damit nicht annehmen – unseren Wunsch, all dem zu entfliehen. Solange nicht dieser Wunsch angenommen wird, ist unsere Annahme immer ein indirekter Fluchtversuch. Hier stoßen wir nochmals auf das Problem vom heiligen Michael mit dem Drachen. Christliche Moral lehrte uns, die dunkle Seite des Lebens dadurch zu überwinden, dass wir sie bekämpfen. Psychologie hätte sie uns überwinden lassen durch Annahme, aber in Wirklichkeit sind dies beides Wege, sie zu überwinden, das heißt, sie loszuwerden und ihr zu entfliehen. Somit ist der Weg der Annahme, der so anders als der Weg des Kämpfens ist, in der Lage, einen neuen Drachen aus dem heiligen Michael zu erschaffen.

aus: Alan Watts, „Die sanfte Befreiung“
DGestern sagte Kodo Sawaki etwas zur Unsinnigkeit absichtsvoller Handlungen. Nun wird natürlich jeder ein Beispiel dafür beibringen können, wie unsinnig es ist, absichtsvolle Handlungen zum Unsinn zu erklären. Ein Maurer benützt ein Lot, Winkel oder Wasserwaage, um sicherzustellen, dass seine Wand auch lotrecht gebaut wird. Für Leute, die es lieben, aus allem ein Rezept zu machen, kann es also ein böses Erwachen geben, wenn sie grundsätzlich alle absichtsvollen Handlungen ablehnen. Da würden sie jede Krähe auslachen:


Es empfiehlt sich also dringend zu verstehen, worum es dem Alan Watts geht, nicht dass der Heilige Michael zum Drachen selbst wird, den er doch unbedingt abmurksen will. Wir erleben das gerade im großen Stil bei den „Vorkämpfern für Freiheit und Gerechtigkeit“, den Heiligen Staaten von Amerika. In ihrem hehren Kampf gegen die Achse des Bösen sind sie zum übelsten Terrorstaat geworden, den man sich vorstellen kann. Nicht ohne Grund gibt es bei uns ein Folterverbot. Dahinter steht die schlichte Einsicht, dass etwa eine folternde Polizei selbst zu einer Verbrecherorganisation geworden ist. Wenn wir uns oben das Augsburger „Turamichele“ angucken, können wir unschwer erkennen, dass dieser Erzengel längst zum Mörder geworden ist. Wenn wir uns das angucken, können wir vielleicht sogar – uns darin entdecken?AWenn jemand mal wieder verrückt genug war, bei mir Therapie machen zu wollen, sagte ich ihm möglicherweise: Da kommt jemand, der an sich arbeiten will. Aber da kommt auch jemand, der ganz bestimmt nichts dergleichen will. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich werde mich ganz hemmungslos mit dem verbünden, der keinen Bock hat.
B

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