Uwe Schade: Ist das Ich stark, ist die Blindheit groß


EMal zerschlägst Du den Stein
Mal zerschlägt er Dich
Du siehst Deine Farbe aus dem übrigen Grau hervorstechen
Doch unterschiedlos ist der Allzusammenhang .

Wird Lebendiges gereizt
Wächst Widerstand oder Begehren
Werden Menschen gereizt
Wächst das Ich
Ist das Ich stark
Ist die Blindheit groß
Und die Zerstörung nimmt kein Ende.
Drum mußten die, die Menschen verändern wollten
Vor ihnen fliehen
Drum wurden die Worte derer,
Die den Menschen etwas Gutes verhießen
Die Quelle endloser Zerstörung –
Weil das Ich gestärkt wurde .

Hast Du etwas im Auge, sieht Dein Auge nicht klar
Hast Du Dein Denken gebunden, ist es unbeweglich
Ist Dein Ich stark
Ist Deine Orientierung schwach .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt

B

Das ist ein interessanter Hinweis: „Ist das Ich stark, ist die Blindheit groß und die Zerstörung nimmt kein Ende. Drum mussten die, die Menschen verändern wollten, vor ihnen fliehen. Drum wurden die Worte derer, die den Menschen etwas Gutes verhießen, die Quelle endloser Zerstörung – weil das Ich gestärkt wurde.“ Was für ein schöner Teufelskreis! Ich spinn mal so’n bisschen vor mich hin. Das sog. Ich oder Ego hat ja nicht primär etwas mit Egoismus zu tun. Es ist eine Vorstellung, die sich mehr oder weniger für den Schöpfer hält, mit der sich das Bewusstsein mehr oder weniger identifiziert hat. Bedeutet die Existenz der Ich-Vorstellung, dass man mit Blindheit geschlagen ist und die Zerstörung kein Ende nimmt? Es kommt auf den Grad meines Glaubens an die Ich-Vorstellung an. Wenn ich sicher bin, dass ich „ich“ bin, und das sind nun mal bedauerlicherweise die meisten Menschen auf der Welt, dann, ja dann ist die Blindheit groß und das Zerstörungspotenzial riesig.

Bei einem differentialdiagnostischen Psychotest, den ich mal gemacht habe, tauchte u.a. auch die Frage auf, ob ich vielleicht mal Depersonalisations- oder Derealisations-Erlebenisse gehabt hätte. Na klar, wenn man das so nennen will, hab ich und nicht nur mit LSD. Und Schwupp, wurde mir das von dem Test als dissoziative Bewusstseinsstörung angekreidet und mir eine schizoide Neurose angehängt. Also Vorsicht, wessen Ich-Vorstellung kein ordentlicher Glaube ist, sondern halt nur eine ulkige Vorstellung, der soll das lieber für sich behalten, sonst landet er noch in der Klapse.

Uwe Schade weist da auch noch auf etwas höchst Interessantes hin: Die Worte derer, die den Menschen etwas Gutes verhießen, wurden die Quelle endloser Zerstörung – weil das Ich gestärkt wurde. Zum Teufel also mit all den Religionsstiftern, Priestern, Gurus, Satsanglehrern oder was da sonst noch so an schizoiden Neurotikern herumkreucht und fleucht? Machen sie mit ihren ego-kränkenden Aussagen nicht alles noch viel schlimmer? Ist doch klar, dass sich das Ego wehren muss, wenn es ständig beleidigt wird. Da muss ich gleich an die Mohammed-Karikaturen denken.

Was sollen die armen Gutes verheißenden Menschen also tun? Die Klappe halten? Das wäre vielleicht lebensrettend. Und vielleicht würden die Egomanen leichter aus ihrem Sumpf krabbeln, wenn sie nicht dauernd ihre Energie darauf richten müssten, gegen ihre Schlaumeier anzustinken. Aber wie das nun mal so ist: Weder die einen noch die anderen haben da eine Wahl.F

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

28 Antworten zu Uwe Schade: Ist das Ich stark, ist die Blindheit groß

  1. Wolf Schneider schreibt:

    Danke für dieses Zitat von Uwe Schade! Wer ist das?

    Gefällt mir

  2. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya,
    Schade, …. das Schreiben ist mir selbst abhanden gekommen. Aber ein Gespür für das, was richtig und authentisch ist, ist geblieben.
    Könnte ja genügen, solange andere die Gabe des Schreibens noch haben. Dein Blog ist ein wunderschöner Lese-Garten, den ich täglich aufsuche.
    Bin ich nun eine blinde Seherin?
    Liebe Grüsse auch an Sugata
    Chantal

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Chatal,

      irgendwie scheinst du dir immer noch ein schlechtes Gewissen zu machen mit der Schreiberei bzw. der Nichtschreiberei? Sag mir nur einen Gund, warum du schreiben solltest, wenn da nichts ist, was du schreiben willst. Wenn du schreiben wolltest, aber nicht schreiben könntest, könnte ich ja nachvollziehen, dass das für dich ein Problem sein könnte, aber wenn es dir genügt, einfach hier zu lesen – wundervoll! Wo soll da ein Problem sein? Ich freu mich, wenn’s dir hier gefällt. Also, weit und breit kein Problem.

      Blinde Seherin? Kannst du mir meine Zukunft voraussagen?😉

      Hab einen entspannten Abend und freu dich deines Lebens!
      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

      Gefällt mir

      • chantaltalia schreibt:

        Lieber Nitya, einfach, dass du mich s p ü r s t , dass ich hier anwesend bin. Oder auch abwesend, spirimässig ausgedrückt.
        Blindheit ist ein Wort für Dummheit, aber ebenso für Weisheit, wenn die Augen geschlossen sind und man unter der Schicht weiter sieht. Es gibt keine Zukunft. Ich sehe einfach deine Weisheit.🙂
        Dir auch
        Abendgrüsse im Halbmond
        Chantal

        Gefällt mir

      • Wolf Schneider schreibt:

        Liebe Chantal, ich s p ü r e dich, und mir hat deine Antwort sehr gut gefallen. He, ho, du bist da, ich bin da, und der Nitya auch. Und er ist weise! So hätte ich das auch genannt – und nenne es so, trotz seines Protestes. LG, Su

        Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        Das mit der die Zukunft vorhersehenden Seherin war natürlich Quatsch mit Käse, wie du dir vermutlich schon gedacht hast, liebe Chantal. Ich erzähl überhaupt viel Quatsch und bin kein bisschen weise. Übrigens die Blinden sind gar nicht so dumm, wie sie vielleicht aussehen. Sie kriegen halt manches nicht so mit. Was meinst du, was ich alles nicht mitkriege. Wir sind wohl alle ziemlich beschränkt – ganz im Sinn des überlieferten Sokrates-Wortes „ich weiß, dass ich ein Nicht-Wissender bin“.

        Einen herzlichen Gruß
        Nitya

        Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        Liebe Chantal,

        ich weiß ja nicht, wie es dieser vorlaute Su geschafft hat, sich dazwischen zu drängeln, aber wo er recht hat, hat er recht. Ich meine die Sache mit S P Ü R E N . Also Steinböcke sind ja mit so intimen Äußerungen eher zurückhaltend, aber natürlich s p ü r e ich dich. Das kann sogar ein Steinbock, sagt’s aber nur, wenn man ihm ein Messer an den Hals hält.

        Was nun meine angebliche Weisheit betrifft: Wer darf mit Fug und Recht behaupten, dass dieser oder jener weise sei? Ich würde sagen: Ein Weiser. Da ein Weiser jedoch keine Ahnung hat von seiner eigenen Weisheit, können wir weder sagen, ob die die Weisheit eines anderen Behauptenden selbst Weise sind, noch ob der als weise Bezeichnete ein Weiser ist. So, wenn das kein klärendes Wort zum Sonntag war. Ick bin janz stolz uff mia.

        Grüß mir diesen Su, wenn er dir über den Weg läuft.

        Herzlichst
        Ni

        Gefällt mir

  3. Marianne schreibt:

    Liebe Chantal, ich s p ü r e dich, und mir hat deine Antwort sehr gut gefallen. He, ho, du bist da, ich bin da, und der Nitya auch. Und er ist weise! So hätte ich das auch genannt – und nenne es so, trotz seines Protestes. LG, Su

    Sag‘ ich hier auch manchmal – aber ganz selten, weil immer gleich Protest kommt: Im Spürbewusstsein ist jemand da oder wie hier gleich mehrere jemands … Manche von denen sind mir vertraut, andere weniger, auch ein Spüren …
    Ma

    Gefällt mir

  4. chantaltalia schreibt:

    Ach tut das gut, sich gespürt zu fühlen… Ihr L i e b e n Marianne, Sugata, hier auf Nitay’s Block. Ja, er ist w e i s e , sonst wären wir nicht hier.🙂
    Bin ja auch eine Steinböckin, und gleich alt, wie Nitya.
    Lieber Nitya, einen guten Rat an dich: Nimm unsere Geschenke an. In unserem Alter setzt man kein Messer mehr an unseren Hals, eher will man uns das Leben verlängern. Was aber auch keine gute Idee ist, was mich wenigstens betreffen sollte.
    Und etwas flüstere ich mir hier selbst ins Ohr. Doch wieder etwas mehr schreiben. Nicht nur in die Stille gehen. Ist schon ein bisschen bequem oder auch feige? Farbe bekennen! Malen tu ich ja auch nicht mehr. Um euch alle mehr zu spüren!!!!¨ Einen Wunsch an mich fürs neue Jahr.
    Seit sonntäglich gegrüsst
    Ch

    Gefällt mir

  5. Nitya schreibt:

    Aaalso, ich war eine ganze Zeit lang mit einer Enneagramm-Vier verheiratet und kenn das also’n bisschen. Das, was für eine Vier ein Geschenk sein mag, ist für eine Neun ein Messer am Hals. Da es ja heute hier ums S P Ü R E N geht, spürt einfach mal eine Enneagramm-Neun in Aktion, wenn sie ein Messer am Hals s p ü r t:

    W

    Ich bin einfach ein ganz gewöhnliches Arschloch. Alles andere nimmt mir die Luft zum Atmen. Dann muss ich schon wieder was sein: WEISE. Was ist denn das? Wie ist denn ein Weiser? Wie muss ich jetzt daherquatschen? Was darf ich noch und was nicht, damit ich am Ende nicht meinen tollen Titel verliere?

    Gefällt mir

  6. chantaltalia schreibt:

    Hollo in die Nacht.
    „Alles andere nimmt mir die Luft zum Atmen. Dann muss ich schon wieder was sein: WEISE. “
    Ja, eine Vier ist verhaftet in Rollen. Sie klammert sich an Rollen, wie ein Affe an seine Banane.
    War mir nicht so bewusst. Da ich mich selbtst oft mit der Rolle von schleichender Demenz identifiziere, habe ich die Weisheit, und den, der sie zu erkennen vorgibt, zu einen Anker gemacht.
    Lieber Nitya, es ist mir eine Herzensanliegen, dass du Luft hast zum Atmen. Dich in deinem eigenen Blog zu strangulieren, wäre doch ein krasser Ausgang.
    Soll ich doch lieber hier das Maul halten?
    Sorry
    Chantal

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      um Gottes willen: Halt bloß nicht dein Maul !!!

      Wie du siehst, weiß ich mich durchaus meiner Haut zu wehren, wenn ich das Gefühl habe, dass es mir zu eng wird. Jede Rolle kann unendlich Spaß machen, wenn sie ganz spielerisch übernommen wird, so wie das Kinder tun, wenn sie Kaufladen spielen oder Braut und Bräutigam. Jede Rolle kann aber auch zum totalenGefängnis werden, wenn sich der Ernst durch die Hintertür einschleicht und die Rolle aufhört eine Rolle zu sein, sondern ein Glaubenssystem. Der Glaube „ich bin dies“ oder „ich bin das“ ist ein Höllentrip.

      Also, liebe Chantal, ich freu mich wirklich, wenn du hier schreibst und wenn wir hier alle ein bisschen herumspielen und -tanzen können. Hauptsache, wir nehmen uns alle nicht so ernst.

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

      Gefällt mir

  7. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya, habe die ganze Nacht fast kein Auge zugedrückt. Am frühen Morgen war dann doch noch ein Traumbild. Ein Mann hing an einer Felswand mit dem Rücken zur Wand, einen 20/30 Meter Abgrund vor sich. Ich suchte Hilfe, aber die kam zu spät, er war inzwischen runtergefallen. Ob er im Traum tot war, weiss ich nicht. Es war mein ehemaliger Chef, der aber in Realität nicht mehr mehr lebt.
    Nun finde ich hier diese befreiende Antwort. Du hast dich nicht in festnageln lassen. Hast mir wieder auf die Sprünge geholfen. Schreiben, zum sich freischaufeln, und sich nicht einbuddeln. Auch nicht mit Weisheit. Jetzt kann ich auch drauf losplappern, wie’s gerade kommt.
    Ein herrliches Enchanté in den Tag
    Ch.

    Gefällt mir

  8. chantaltalia schreibt:

    Liebe Brigitte,
    Der Film, den ich gerade (20:31) verlinkt habe, war falsch. Hier kommt der richtige Link

    Orna Ralston ist eine Schweizer Schamanin.❤

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s