Osho: Ohne „ich will“ bleibst du ein Kamel


O

Ohne „Ich will“ gibt es keine Freiheit! Du bleibst ein Kamel. Und dass du eines bleiben sollst, genau das wollen alle Machthaber – im Religiösen, Politischen, Sozialen. Reine Kamele sollt ihr sein, hässlich, ohne alle Würde, ohne alle Anmut, ohne alle Seele, einfach bereit zu dienen, willige Sklaven zu sein. Der Gedanke an Freiheit ist ihnen nicht einmal in den Sinn gekommen. Und das sind keine philosophischen Aussagen, das sind Wahrheiten.

Ist den Hindus oder den Christen oder den Buddhisten oder den Mohammedanern je der Gedanke an Freiheit gekommen? Nein. Sie alle sagen aus einem Munde: „Alles wurde bereits beschlossen. Wir müssen nur folgen.“ Und alle, die folgen, sind tugendhaft, und alle, die nicht folgen, werden bis in alle Ewigkeit ins Feuer der Hölle fahren.

Meine Brüder, warum bedarf es des Löwen im Geiste? Warum genügt nicht das lastbare Tier, das entsagt und ehrfürchtig ist?

Zarathustra will damit sagen, dass alle eure sogenannten Heiligen nichts anderes sind als vollkommene Kamele. Sie haben Ja gesagt zu den toten Traditionen, den toten Sitten, den toten Schriften, den toten Göttern. Und weil sie vollkommene Kamele sind, werden sie von unvollkommenen Kamelen angebetet. Klar.

aus: Osho, „Zarathustra – ein Gott der tanzen kann“

Anmerkung von Osho:

Erstens also ist es Nietzsches Zarathustra – vergesst das nicht; er hat nichts mit dem originalen Zarathustra zu tun. Und zweitens: Wenn ich darüber spreche, ist es mir egal, was Nietzsche sich dabei gedacht hat – und ich habe auch nicht die geringste Möglichkeit zu wissen, was er sich dabei gedacht hat. So wie er Zarathustra benutzt hat, so benutze ich ihn!

K

Kürzlich hatte ich ein spannendes Gespräch, in dem es um die Frage der Verantwortung ging. Also ich habe ja volles Verständnis dafür, wenn so ein edler Advaitin den Standpunkt vertritt, dass es so etwas wie Verantwortung wohl nicht geben kann. Wo kein Jemand, da auch niemand, der für was auch immer verantwortlich sein kann. Alles geschieht, wie es geschieht, und das war es dann auch schon. Osho sagte selbst einmal: „Eines Tages wird auch dir bewusst werden, dass das alles Unsinn ist. Die Dinge geschehen von selbst. Niemand tut etwas, und niemand kann etwas tun.“ Also bitte, niemand kann etwas tun – wie könnte es da so etwas wie Verantwortung geben?

Der sündengeplagte Mensch atmet erleichtert auf: Wo keine Verantwortung, da keine Sünde; wo keine Sünde, da keine Schuld; wo keine Schuld, da keine Strafe. Gott sei Dank! Ich bin gerettet! Aber dann kommt Osho, dieser Fiesling, um die Ecke und sagt: „Ohne ‚Ich will‘ gibt es keine Freiheit! Du bleibst ein Kamel. Und dass du eines bleiben sollst, genau das wollen alle Machthaber – im Religiösen, Politischen, Sozialen.“ Ha, jetzt hoscht mal wieder dein Dreck im Schächterle. Der Kerl kann sich doch nicht derart widersprechen! „Niemand kann etwas tun“ und „ohne ‚ich will‘ bleibst du ein Kamel!“ Doch, kann er.

Jetzt hast du die Wahl zwischen einem Idioten, der an ein Ich glaubt, und einem Kamel, das an kein Ich glaubt. Na dann – viel Vergnügen!

Aber was kann man schon von einem Kerl erwarten, der fröhlich herumdröhnt: „So wie er [Nietzsche] Zarathustra benutzt hat, so benutze ich [Osho] ihn [Nietzsche]!“ Ein richtiger Schweinehund. – Ich kann nicht verhehlen, dass mir das gut gefällt. Und genauso gefällt mir sein „Ohne ‚Ich will‘ gibt es keine Freiheit! Du bleibst ein Kamel.“ Alles andere ist zwar wahr, aber sterbenslangweilig. Ach ja, das „Ich will“ ist natürlich genau so wahr. Volle Verantwortung, klar doch.
B

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6 Antworten zu Osho: Ohne „ich will“ bleibst du ein Kamel

  1. thomram schreibt:

    Ich lach mich fröhlich kaputt. So wie dir ergeht es mir. Der Osho, dieser liebenswerte Schweinehund! Sagt dies und dann das Gegenteil. Scheinbar das Gegenteil. Und lässt die Jünger schwimmen. Oder nur die eine Hälfte hören. Oder die andere.
    Und das Beste an der Sache ist, dass es ist, wie er es sagt. Da können die Verstandesgläubigen nur den Kopp schüddeln und einen in die Psychi einweisen oder sich selber einweisen lassen.
    LoL

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  3. fredo0 schreibt:

    Also , ich muss mich mal outen … ich hab ja den Herrn Osho nie so ganz ernst genommen , fand seine RollsRoyceNummer zwar extrem klasse , weil so schön entlarvend , aber ansonsten war er mir nicht so interessant .
    Jetzt jedoch , durch Nityas „HinterherZitieren“ komme ich in den Genuss gar vortrefflicher Texte …

    Zum obigen möchte ich sagen … Als ein auch im Advaitadunst „spirituell sozialisierter“ Kerl , hat mir schon immer dieses fatalistische „es kommt wie es kommt“ missfallen ( zumindest in der Version , wie es häufig im Sucher“light“Verständnis wieder mal „zum Stehen kommend“ ver-standen wird.

    Ich meine mich auch an recht deutliche Hinweise von Herrn Ramesh zu erinnern, die ich in etwa so erinnere ( und die auch mein Verständnis weitestgehend wiedergeben ) .

    Ramesh unterschied dabei „Willensimpuls“ von „Kommentar des Resultates“ .
    Der Willensimpuls ist einfach Ausdruck von Programmierung oder von „EigenArt“ wie ich es nenne . Und als solcher „geschieht“ er aus der Persona heraus . Und „muss/sollte“ auch geschehen , da jedes „vermeiden/verdrängen“ eine Blockierung von Natürlichkeit wäre.
    In diesem Kontext möchte ich mal wieder erneut an meinen Lieblingssatz erinnern.
    „Dao fa ziran“ – das Tao erscheint/verwirklicht sich in der Eigennatur (EigenArt) der Objekte (+Subjekt-Objekte). Nix da zu hören von Fatalismus , außer , wenn er halt zur EigenArt einer Persion gehört . Ansonsten wird ein Mensch mit „tätiger, zupackender“ EigenArt dieses „TAO“ stets durch zupackendes , tätiges Agieren „ziran-mässig“ ausdrücken…

    Dies ist keine Aufforderung oder gar Vorschrift , es ist schlichte Beschreibung !

    Das TAO drückt sich einfach stets aus … ( kann nicht anders😉 )Damit ist dieses TAO der „eigentlich“ Handelnde , es be-nutzt nur das Objekt/Subjekt in seiner speziellen Eigenart um im dynamischen Kontext sich in Handlung „auszudrücken“.
    Doch ohne das „tätige“ oder gar kritische , subversive , gestaltende , kämpferische , heilende , oder wie auch immer „eigen-artige“ der jeweiligen Person in ihrer „EigenArt“ würde sich diese „verweigern“ ( und dieses verweigern ist die wahre Quelle des Leidens , denn Leiden ist eigentlich stets Widerstand ) . Wobei ein „verweigern“ auch nur psychologische Illusion wäre … doch hier mal genug des Weiterspinnens …

    Dann jedoch … nach erfolgtem Handeln aus dem (eigenen) „Ziran“ heraus (man verzeihe mir hier die etwas „billige“ Übersetzung dieses komplexen Begriffes ) erfolgt oft das , was Ramesh mit seinem „Kommentar“ im Be-Denken ) meinte.
    Erfolgt Handeln spontan aus der EigenArt heraus bleibt sie gewissermassen „unschuldig“ . Sie geschieht dann , wie sie halt geschieht . ( Damit wird aber nicht ein fatalistisches Opfer-Ding ausgedrückt , wo man selbst nur (willenlos und hilflos ) be-handelt wird von den Geschehnissen „außen“ -sondern eine erfolgreiche Äußerung dieser EigenArt in adäquater (!) Handlung lässt das eigene „innen“ in ein „außen“ treten ( und ist damit voll-kommen = in die Fülle hinzugekommen ) … Damit wird dies „Handeln“ aber bereits in der Spontanität des Sich-Ereignens „frei-gesetzt“ .
    Es erfolgt dann nicht , was Ramesh mit seinem „Willenskommentar“ andeutete … Dieses „hinterher“ denken …. „war es richtig ?“ … „war es genug/falsch/richtig/halbherzig/zu agrressiv/zu passiv/ausreichend/unterwürfig/abschätzig/feige/und und und ????“
    Der Wille „will“ ( unter Nutzung der EigenArt ) und gut ist !!! egal wie sich die Konsequenz dieser Handlung auch anfühlen mag …
    Dein Wille geschehe durch (!) mich . Und damit ist stets gut getan …
    ( auch wenn mich meine dämliche EigenArt womöglich dann als Kompletttrottel erscheinen lässt ) .

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  4. Wolf Schneider schreibt:

    Klasse!!! Mir gefällt es, dass Osho sich hier widerspricht und sein „Ich will“ hinausposaunt und die Unentbehrlichkeit dieses „Ich will“. Das Ego-Bashing ist vom Ausmaß der Verbreitung her die schlimmste aller Seuchen in den diversen spirituellen und religiösen Szene. Auch Osho hat einiges geliefert, was den Ego-Bashern Öl ins Feuer gießt – wenn er die Demut Heuchelnden dann hier (mit Nietzsche) als Kamele bezeichnet und ihnen sein (und Nietzsches) „Ich will“ entgegen brüllt: klasse! Das Ego ZU DURCHSCHAUEN, darum geht es. Und nicht darum, auf dieser so nützlichen Fiktion herumzuprügeln, die immerhin der Baustein aller gesellschaftlichen und kulturellen Konstruktionen ist.

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  5. Marianne schreibt:

    Vielleicht geht es auch einfach nur darum, dass wir uns wieder erlauben, ein ICH zu sein …🙂
    Bei Gurdjieff steigt in den reiferen Phasen der Transformation wieder einer in die „Kutsche“ ein, der die Zügel halten und alle Kräfte bündeln kann, der Wille? Ohne ICH ist das … „will“ machtlos, würde ich sagen!

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  6. fredo0 schreibt:

    ich denke es geht darum , dass ein „Ich“ einfach das „gewollte“ formuliert
    ( und dass es damit quasi kurz „die zügel in der hand“ hat ) …
    dass dann aber das daraus folgende dem freien spiel der kräfte zugehörig gesehen wird ..

    das „ich“ will – als impuls . die resultate geschehen daraus auch ohne ein „ich“ …

    im gefühlten ist es ein freilassen …
    so wie man den papierflieger („ichig“) faltet und in die luft wirft ,
    und sich dann an seinem „freien“ flug einfach nur erfreut .

    in dem was wirkt ( = wirklichkeit ist ) gibt es weder ich noch ego oder selbst …
    das sind lediglich formulierungsversuch im kommentierender erinnerung , die automatisch auftauchen als hildfsmittel dieser erinnerung , und die bei vielen erst sehr lange „ausblenden“ , so dass der eindruck einer beständigkeit und eigenständigen existenz entsteht …
    letztlich auch nix falsch daran … aber halt nur deshalb , weil es auch kein anderes „richtig“ gibt …

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