Ramesh Balsekar: wenn Purusha schläft …


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Das Noumenale und das Phänomenale, das unmanifestierte und das manifestierte Universum, Shiva und Shakti, Purusha und Prakriti, könnte man als die Eltern des Universums bezeichnen, als die ursprünglichen oder polaren Gegensätze -, das eine empfängt das gesamte Potenzial und das andere die Totalität all dessen, was durch die Sinne wahrnehmbar ist. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass sie unterschiedlich zu sein scheinen, doch enthalten sie sich gegenseitig und sind daher nicht tatsächlich unterschiedlich. Sie sind die gegensätzlichen Aspekte dessen, was übrigbliebe von ihrer wechselseitigen Negierung dessen, was wahrnehmbar und vorstellbar ist – DAS, was dem Prozess des Wahrnehmens vorausgeht, oder das, was bereits vorhanden ist, bevor das Bewusstsein erscheint. Entfernt man alles, was zu sein scheint, alles mit den Sinnen Wahrnehmbare, alles, was eine wirksame Reaktion darstellt, wie Vorlieben und Abneigungen -, dann bleibt nur noch reine Subjektivität ohne den geringsten Hauch von Objektivität. …

Die gesamte Vielfalt der Phänomene in dieser Welt hat keine eigene Existenz, denn sie ist lediglich eine Erscheinung innerhalb des Bewusstseins in Bewegung. Vergisst das Bewusstsein in Bewegung seine universelle oder unpersönliche Natur (wenn Purusha schläft) und identifiziert sich schließlich mit jedem der vielfältigen empfindungsfähigen Objekte, dann nehmen diese empfindungsfähigen Objekte eine Pseudo-Subjektivität und ein Gefühl von persönlichem Handeln an (sie übernehmen die Rolle, die Welt zu lenken).

aus: Ramesh S. Balsekar, „Die Bhagavad Gita, eine Auswahl“

SWenn Purusha schläft … dann tanzen die Mäuse auf dem Tisch und übernehmen die Rolle, die Welt zu lenken, wobei sie völlig vergessen haben, wer sie eigentlich sind. Wehe, wenn sie jemand danach fragt: „Wer bist’n du eigentlich?“ Dann gibt’s vermutlich Saures. Und was ist, wenn Purusha wach ist? Tanzen dann die Mäuse immer noch auf dem Tisch mit dem einzigen Unterschied, dass sie jetzt wissen, dass sie nicht sind, was sie zu sein scheinen. Aber wer ist „sie“?

Purusha und Prakriti oder von mir aus Shiva und Shakti „scheinen unterschiedlich zu sein, doch enthalten sie sich gegenseitig und sind daher nicht tatsächlich unterschiedlich.“ Sie sind lediglich zwei konzeptuelle Aspekte ein und desselben. Sie sind eins, so wie die Hitze des Feuers und das Feuer selbst eins sind. Also was ist jetzt mit den Mäusen, wenn Purusha wach ist? Verschwinden dann am Ende die Mäuse und der Rest der Welt? Ist Purushas Schlaf die Voraussetzung für das Erscheinen der Mäuse, sind sie also nichts als Figuren in Purushas Traum? Würde das nicht bedeuten, dass das sog. Erwachen dieser oder jener Maus nichts anderes ist als irgendein Geschehen in Purushas Traum? Wäre es dann nicht sehr verständlich, wenn die Mäuse, die doch alle so sehr an ihrem Überleben hängen, Purusha heimlich einen Schlaftrunk verabreichten, damit er bis in alle Ewigkeit gefälligst weiterschläft? Und solange das so wäre und bliebe, könnten die Mäuse in aller Ruhe an ihrem „Erwachen“ arbeiten?

Ja, und was wäre, wenn Purusha dann doch erwachen würde? Oh, du lieber Augustin …?
F

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