Jos Slabbert: Kommt alles vom Tao?


K Kommt alles vom Tao?
Säuglinge, aufgeschwollen vor Hunger,
ihre Mütter verzweifelt vor Trauer?
Kindersoldaten, die betäubt
Menschenglieder abhacken?
Krieger in der Luft,
welche die Unschuldigen quälen?
Unschuldige Wesen,
den Tod riechend,
aufgereiht für das Schlachtermesser?
Kommt dieses unerschöpfliche Leiden vom Tao?
Und kehren jene kleinen ausgemergelten Leichname
wieder zum Tao zurück?

Wenn wir leer sind,
warum fließt so viel Blut aus uns?
Wenn die Realität nur in meinem Gehirn besteht,
warum stinken Leichname?

Wie kann ich meinen Spiegel putzen,
wenn es Blutflecken auf meinem Mantel gibt?
Wie kann ich mich in der Leere verstecken,
wenn das Leiden so wirklich ist?

Wenn die Realität eine Illusion ist,
warum wird das Geschrei,
das meine Ohren erreicht,
nicht leiser?

Wie kann ich persönlichen Frieden suchen,
wenn Menschen nach Nahrung suchen?

Nur wenn wir
in Harmonie mit dem Tao
leben,
wird Harmonie möglich sein.
Es gibt keinen anderen Weg.
Nur wenn Liebe und Weisheit
im Überfluss
aus der Leere und der Stille fließen,
wird Grausamkeit versagen
und Gnade herrschen.

aus: Jos Slabbert, „Das Tao ist das Tao“

T

Das ist immer wieder ein spannendes Thema. Da fragen die Christen verzweifelt: Wie kann unser aller Vater, wie kann „der liebe Gott“ es zulassen, dass so viel Elend auf seiner Welt existiert, Kriege, Hunger, Verbrechen jeder Art, Naturkatastrophen? Ich hab da so meine Bedenken, ob sie sich letztlich trösten lassen werden mit „Gottes unerklärlichem Ratschluss“. Jos Slabbert sagt: „Nur wenn wir in Harmonie mit dem Tao leben, wird Harmonie möglich sein. Es gibt keinen anderen Weg. Nur wenn Liebe und Weisheit im Überfluss aus der Leere und der Stille fließen, wird Grausamkeit versagen und Gnade herrschen.“

Wird es weniger Kriege, Hunger, Verbrechen jeder Art, Naturkatastrophen geben, wenn ich in Harmonie mit dem Tao lebe? Kann der Jos Slabbert mir das versprechen? Nun, ich würde sagen, bevor der Mensch auf diesem Planeten auftauchte, lebte alles in Harmonie mit dem Tao, es gab Asteroideneinschläge, Vulkanausbrüche, Eiszeiten, Tsunamis und natürlich den Tyrannosaurus rex. Es hatte also alles seine natürliche Ordnung.

RUnd nachdem der Mensch aufgetaucht war, gab es zwar keinen Tyrannosaurus rex mehr, aber im Großen und Ganzen gingen das Fressen und Gefressen-Werden und die Natur-„Katastrophen“ munter weiter. Ich vermute mal, dass der Jos Slabbert nicht das ewige Eiapopeia versprechen, sondern lediglich darauf hinweisen wollte, wie der Einzelne in Harmonie mit der Welt, wie sie nun einmal ist, leben könnte. Normalerweise kennen die Menschen ja nur ein Leben in Bewertungen. Stirbt der Patient eines Arztes, ist das eine verlorene Schlacht. Überhaupt wird der Tod oder der Verlust einer Kostbarkeit regelmäßig als Katastrophe bezeichnet. Dabei ist völlig klar: Ich werde sterben, ein bisschen früher oder später, aber sterben werde ich. Was soll daran eine Katastrophe sein? Überschwemmungen, Feuersbrünste, Kriege usw. hat es schon immer gegeben. Sie scheinen zur natürlichen Ordnung der Dinge zu gehören. Auch dass wir alles tun, sie zu verhindern bzw. ihnen zu entkommen, gehört zu dieser Ordnung und dass wir dabei mal erfolgreich sind und mal nicht. Dies leugnen zu wollen, würde mich auf der Stelle aus meinem Gefühl, in Harmonie mit dem Tao zu sein, katapultieren. Dabei werde ich auch dann in Harmonie mit dem Tao sein – ich werde es nur nicht mehr merken.

W

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Eine Antwort zu Jos Slabbert: Kommt alles vom Tao?

  1. fredo0 schreibt:

    Ich mag ja ganz besonders diese chinesische Geschichte mit dem Bauer seinem Sohn und dem Wildpferd …
    die meisten werden sie kennen, so kann ich sie mir hier ersparen wiederzuerzählen …

    der Konsenz dieser Geschichte ist ja immer bei einem bewerteten Zu(m)Stand(egekommenen) , der dann folgende Kommentar „wer weiß“ des sichtlich von der Weisheit des Tao durchdrungenen Bauern zeugt

    nix bleibt wie es ist … und alles yang beinhaltet bereits in dessen Kulmination das gegenteilige yin … dieser dynamische Wechsel , dies Erkennen von zwangsläufigem Umschwung ins Gegenteilige in der Kulmination einer Wirkung ist die wirkliche Weisheit des Tao(konzeptes) .
    Nicht unbedingt dass da ein sowohl als auch besteht … also Krieg und Frieden . .. oder Wohlleben und Not , und das beides einander bedingt … dies hatte schon viele andere kluge Köpfe der Menschheit bemerkt … Jedoch …dass jegliche Kulmination einer Entwicklung in einem Extrem zwangsläufig zum kollabieren in der jeweiligen Extremheit führt und die Entwicklung dann folgend ins Gegenteilige geschieht … bis auch dies wieder … kulminierend kollabiert … ist die bemerkenswerte Entdeckung der ollen Taoisten .

    damit ist eigentlich das negative des Brandes eines Waldes bereits „relativiert“ , denn kulminiert dieser Brand , in dem alles zu Asche wurde , entsteht daraus die fruchtbarste Zeit für das Biotop.
    Ja es gibt Wälder und Baumarten ( z.B. der Sequoia-Mammut-Baum) dem Vermehrung überhaupt nur mit Hilfe dieser Brandkatastrophe möglich ist .

    es ist auch in der Geschichte der Menschheit erkennbar , das besonders intensiven Kriegszeiten eine ebenso besonders anhaltende Friedenszeit folgt ( z.B. dem 30jährigen Krieg in Europa , der ja fast die Hälfte der Bevölkerung umgebracht hatte ) .
    Auch unsere gerade erlebte jahrzentelange Friedenszeit in Europa ist sicherlich als ausgleichende Folge eines in der Katastrophe 1945 erschütterten Europas ( und Japan ) zu sehen …

    Was heißt nun „in Harmonie mit dem Tao“ ?
    Bedeutet es abgeklärt „über den Wolken“ der Ereignisse zu schweben ?
    Oder bedeutet es in vollem Vertrauen auf den zwangsläufigem Umschwung die volle Reise durch Wellental und Wellenberg genussvoll und mit Freude an der Bewegung ( ! … und nicht nur an irgendeinem Tal oder Berg ) zu absolvieren ?
    Ich denke , dass hier Harmonie nicht mit harmonisch im Sinne von friedvoll zu verstehen ist , sondern eher als harmonisch ausgewogen im Sinne von beides gleichermassen und damit „fair“ enthaltend …
    Und dies beinhaltet ja auch keine Aufforderung oder gar Bedingung für den HomoSapiens …
    Das ewige yin / yang Energieaustauschsprinzip ist das „what makes the world go round“ .
    Ob ich das nun als „harmonisch ausgewogen im dynamischer Entsprechung“ wahrnehme oder nicht , macht an dem Spiel des Yin/Yang nicht den geringsten Unterschied .
    Bei der einen Wellen-Achter-Bahn-Reise kann ich die Reise lediglich geniessen ( und fühle mich in diesem feinen Genuss bestens geborgen ), und sehe dies als feinster Ausdruck größter Lebendigkeit .
    Bei der anderen Wellen-Achter-Bahn-Reise werde ich mich aber als geplagtes Opfer der Willkür dieser Wellen erleben.
    Beide haben dabei nicht nur die gleiche Reise erlebt , sondern sogar die selbe …
    An der Wellen-Achter-Bahn-Reise selbst ändert beides ( kommentierendes ) Erleben ohnehin nix …

    Gefällt mir

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