Linji: Wenn etwas auftaucht, beobachtet es.


BSchüler des Weges, wenn ihr mit dem Dharma übereinstimmen wollt, müsst ihr entschlossen sein. Wenn ihr unsicher und ohne Rückgrat seid, wird das nichts. Ein rissiges Gefäß kann keinen himmlischen Nektar enthalten. Um ein großes Gefäß des Dharma zu sein, dürft ihr euch nicht von den Meinungen anderer täuschen lassen. Macht euch zum Meister von überall: Wo auch immer ihr seid, ist der wahre Ort. Was auch immer von außen kommt, nehmt es niemals an. Euer einer Zweifel ist der Dämon, der sogleich in eure Gedanken dringt. Wenn ein Bodhisattva zweifelt, dann hat der Dämon von Geburt und Tod seinen Vorteil.

Haltet einfach euren Geist vom Suchen ab. Sucht wirklich niemals außerhalb. Wenn etwas auftaucht, beobachtet es. Alles, was ihr tun müsst, ist, an euch selbst zu glauben. Das bedeutet Aktivität im Hier und Jetzt. Daneben gibt es nichts zu tun. Eure eigenen Gedanken erzeugen die drei Daseinsbereiche und werden aufgrund des Gesetzes von Ursache und Wirkung durch die Umstände zu sechs Arten Staub.

Was fehlt in eurer gegenwärtigen Aktivität? In einem Augenblick könnt ihr in Reinheit, in Beschmutzung, in die Pagode Maitreyas oder in die Länder der Drei Augen eintreten. Ihr reist von Ort zu Ort und erkennt, dass sie alle leere Namen sind.

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“
P„Wenn ihr unsicher und ohne Rückgrat seid, wird das nichts. … Alles, was ihr tun müsst, ist, an euch selbst zu glauben.“ Von meinem Vater kenn ich den Spruch: „Ein preußischer Offizier wirft sich nicht in den Dreck!“ Na ja, den hatte er noch aus dem ersten Weltkrieg mitgebracht und mir war er manchmal hilfreich, wenn ich als Jugendlicher angetrunken nach Hause wankte, auch ohne dass ich je ein preußischer Offizier war. Solche komischen Sprüche können ja bisweilen durchaus ihre Wirksamkeit entfalten. Aber das war ganz bestimmt nicht mit dem gemeint, auf das Linji hinweisen wollte. Auch nicht Luthers „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.“ Es geht Linji vermutlich nicht darum, dazu aufzufordern, an die Person zu glauben, für die man sich hält, sondern an das Einzige, auf das immer Verlass ist: an das Sein. An das zu glauben, wäre allerdings ziemlich gaga. Denn warum sollte jemand an etwas glauben, das er ist. Und obwohl dieses Sein nicht zu fassen ist, bedeutet es so etwas wie Rückgrat, wenn jemand in der Gewissheit dieses Seins ruht.

Dann empfiehlt Linji: „Haltet einfach euren Geist vom Suchen ab. Sucht wirklich niemals außerhalb. Wenn etwas auftaucht, beobachtet es.“ Wenn der Geist sucht, „gibt es“ einen Sucher, eine scheinbare Person, die etwas haben will. Wenn einfach beobachtet wird, was auftaucht – ohne Wertung, ohne Einordnung, ohne Kommentar, … die, so sie dennoch auftauchen, ebenfalls einfach beobachtet werden … – verschwindet die scheinbare Person. Wenn etwas auftaucht – damit ist alles, was auftaucht, gemeint. Ein Flugzeug, ein Hund, der Nachbar, genauso wie die Reaktionen darauf: „Im Sommer schwitzen wir, im Winter frieren wir.“ Es ist völlig natürlich, wenn auf einen Eindruck ein Ausdruck erfolgt. Alles befindet sich in wechselseitiger Abhängigkeit. Die Vorstellung von einem Beobachter, der von allem so unberührt bleibt wie eine Filmkamera, ist und bleibt halt das, was sie ist: Eine Vorstellung.W

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Eine Antwort zu Linji: Wenn etwas auftaucht, beobachtet es.

  1. Nitya schreibt:

    WEIN UND LIEBE

    Da nun einmal das Glück den meidet, der Verstand hat,
    Und da man Toren nur im Glücke stets gekannt hat,
    So trink, was den Verstand benimmt, on dann
    Das Glück nicht Sympathie mit deinem Unverstand hat.

    Die Zeit des Frühtrunks rückt heran, o Schenke!
    Zum Weinhaus führ mich hin, wohlan, o Schenke!
    Was fruchtet jetzt noch frommer Rat, sei still,
    Spar deine Sprüche und stoß an, o Schenke!

    Eh´ dich die Sorgen ganz erschlagen haben,
    Sollst du am rosenfarbnen Wein dich laben;
    Du bist ja doch kein Gold, das man verscharrt,
    Um es dann später wieder auszugraben!

    Mit Weltschmerz deine Seele plage nicht!
    Um das, was einmal hin ist, klage nicht!
    An Wein und süßen Lippen lab dein Herz,
    Und in den Wind dein Leben schlage nicht!

    Seit Mond und Venus ihre Bahnen gehn,
    Hat man was Beßres nicht als Wein gesehn.
    Mich wundert´s nur, daß jemand Wein verkauft!
    Was kann er Beßres denn dafür erstehn?

    Der Koran sagt, im Paradies sei Wein
    Der Frommen Lohn und holde Mägdelein. –
    Dann sei schon hier mir Lieb´ und Wein erlaubt,
    Wenn´s droben doch dasselbe nur soll sein!

    Ich trinke nicht aus bloßer Lust am Zechen,
    Noch um des Korans Lehre zu durchbrechen,
    Nur um des Nichtseins kurze Illusion! –
    Das ist der Grund, aus dem die Weisen zechen.

    Der flüssige Rubin, der sich ergießt
    Und lachend aus dem Hals der Flasche fließt,
    Ist eines Herzens Blut -und der Krystall
    Ist eine Träne, die ihn rings umschließt.

    Wenn Du mit meinem Elend Mitleid hast,
    Nimm von der Schulter mir der Sünden Last!
    Verzeih dem Fug, der nach der Schenke strebt,
    Verzeih der Hand, die nach dem Becher faßt!

    Ich nahm mir endlich vor, nüchtern und fromm zu sein,
    Und in mein Herze zog nun voller Friede ein.
    Doch ach! die Frömmigkeit zerschellt´ am ersten Krug,
    Die Nüchternheit ertrank im ersten Becher Wein!

    An jedem Tag nehm´ ich mir vor aufs neue,
    Daß ich das Trinken lasse und bereue;
    Doch nun voll Rosenduft erschienen ist
    Der holde Lenz -bereu´ ich meine Reue.

    Heut ist der holde Tag nicht warm und kalt auch nicht,
    Die Wolke wäscht der Welt ihr Blumenangesicht,
    Ich hör´ die Nachtigall, wie sie zur Rose spricht:
    „Blüh auf und lieb und trink, eh´ dich der Herbstwind bricht.“

    Was dir die Zukunft bringt, das frage nicht,
    Und die vergangne Zeit beklage nicht.
    Allein das Bargeld „Gegenwart“ hat Wert,
    Nach dem, was war und sein wird, frage nicht.

    Mach´s wie die Tulpe, schwing zum Neujahrsfest
    Den Purpurkelch! – und bring des Jahres Rest
    Mit einer tulpenwangigen Maid dahin,
    Eh´ dich des Schicksals Glut verwelken läßt.

    Ein Liederbuch, ein Brot, ein irdner Krug voll Wein,
    Vom Lamm ein Schenkelstück -und dann so ganz allein
    In weiter Flur mit dir, du tulpenwang´ge Maid,
    Ein Sultan möchte wohl an meiner Stelle sein!

    O weh um jenes Herz, in dem kein Feuer brennt
    Das nicht die hehre Glut der Liebessonne kennt;
    Wer einen ganzen Tag ohn´ Liebe hingebracht,
    Tut recht, wenn jenen Tag er ´nen verlornen nennt.

    Wahrhaft Verliebten ist Schön und Häßlich gleich;
    Sie fragen nicht, ob Höll´, ob Himmelreich,
    Ob ihre Kleidung Lumpen oder Samt,
    Ihr Pfühl ein Backstein oder Polster weich.

    Wenn ich einst sterbe, waschet mich mit Wein,
    Ein lust´ges Trinklied soll mein Grablied sein!
    Und wenn am Jüngsten Tag man nach mir fragt,
    So sucht im Staub der Schenke mein Gebein.

    SCHLUSSWORTE

    Ich geh´ dahin und laß die Welt zurück im Streit,
    Und hatt´ von hundert Perlen doch kaum eine aufgereiht. –
    Unausgesprochen blieb so manches tiefe Wort,
    Weil´s doch niemals verstanden hätte meine Zeit.

    Omar, der Zeltmacher, hat von früh bis spät
    An manchem Zelt der Philosophie genäht,
    Bis Schicksals Schere sein Lebensseil ihm kappt
    Und Trödler Tod ihn um ein Nichts ersteht.

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