Osho: Glück ist wie Atmen, ist wie ein schlagendes Herz

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Ein Taoist ist immerzu glücklich, weil er nicht erst auf eine Ursache wartet, auf keine neue Situation wartet, in der er glücklich sein wird. Glück ist wie Atmen, Glück ist wie das schlagende Herz. Glück ist seine Natur und nicht etwas, das ihm widerfährt. Glück ist nicht etwas, das passiert oder nicht passiert, Glück ist etwas, das immer da ist. Er ist voller Glück. Glück ist der Stoff, aus dem die Existenz gemacht ist; und ein Taoist ist einfach in Einklang gefallen mit der Existenz – natürlich ist er dann glücklich. Was er auch tun mag, er tut es glücklich. Sein Glück geht seinem Tun voraus.

Manchmal seid ihr glücklich und manchmal seid ihr unglücklich – weil euer Glück von etwas abhängt. Wenn ihr Erfolg habt, seid ihr glücklich, wenn ihr keinen Erfolg habt, seid ihr unglücklich – euer Glück hängt von einer äußeren Ursache ab. Ihr könnt nicht andauernd singen; und selbst wenn ihr singt, hat euer Singen nicht unbedingt etwas Singendes. Manchmal wird es aus fröhlichem Herzen kommen und manchmal wird es nur hergeleiert, tot und stumpf sein. Manchmal, wenn dein Freund gekommen ist, wenn du eine Geliebte gefunden hast, bist du glücklich. Manchmal, wenn der Freund nicht mehr da ist, die Geliebte verloren ist, bist du unglücklich. Dein Glück ist wie dein Unglück von außen verursacht – es ist kein innerer Strom, nicht etwas, das dir eigen ist. Es wird dir von anderen verliehen und genommen, wird dir von den Umständen geschenkt und fortgenommen. Dies ist nichts wert, denn da bleibst du ein Sklave, bist du kein Herr.

Die Taoisten nennen denjenigen einen Herrn, dessen Glück restlos ihm gehört. Er kann ohne Rücksicht auf die Situation glücklich sein: Jung ist er glücklich, alt ist er glücklich; als Kaiser ist er glücklich, als Bettler ist er glücklich. Sein Gesang ist über alle Umstände erhaben; sein Gesang ist ihm eigen, Singen ist sein natürlicher Rhythmus.

aus: Osho, „The Pathless Path“
GVon Buddha kennen wir den Satz: „Es führt kein Weg zum Glück; Glücklichsein ist der Weg.“ Osho nennt genau dies die Haltung eines Taoisten, d.h. eines Menschen, der einfach mit dem mitfließt, was ist. Warum ist das von immenser auch politischer Bedeutung? Nun, ein Mensch, der nicht glücklich sein kann mit dem, wie es ist, macht sich zwangsläufig auf die Suche nach Umständen, von denen er hofft, dass sie ihn endlich glücklich machen werden. Und so rackert er sich sein Leben lang ab, um diese Umstände für sich zu schaffen. Diese Haltung wird am besten gekennzeichnet durch den Begriff der Gier. Es ist eine grenzenlose Gier, denn auch derjenige, der sich alle seine Wünsche erfüllen konnte, von denen er annahm, dass sein Glück von ihrer Erfüllung abhängt, ist nicht glücklich. Ganz im Gegenteil. Er ist immer unglücklicher geworden, als er sah, dass sein Konzept nicht aufging. Völlig enttäuscht davon, dass seine Mühe nicht belohnt wurde, ist er nur noch ein bösartiges altes Arschloch geworden, das alles tut, um auch seine Mitmenschen unglücklich zu machen.

Vielleicht durchschaut ja jemand diesen unseligen Mechanismus und freundet sich mit Buddhas Erkenntnis an: „Es führt kein Weg zum Glück; Glücklich-Sein ist der Weg.“ Ja, aber wie kann ich glücklich sein? Schon dieses „WIE“ hat alles zerstört. „WIE“ ist der „WEG“. Es führt aber kein Weg zum Glück. Punkt. Es beginnt alles viel früher. Wer ist es denn, der glücklich sein will? Wer ist es denn, der sich unglücklich fühlt? Wer sich hier mit einem schlichten „Na, ich doch!“ begnügt, wird wohl den Rest seines Lebens in seinem Unglückssumpf ausharren müssen.

Osho verweist auf einen entscheidenden Punkt, wenn er von einem Taoisten spricht: „Sein Glück geht seinem Tun voraus.“ Bekannt ist seine Methode aus Poonas Zeiten, Universitätsprofessoren Klos putzen zu lassen. Es gibt ja kaum etwas, was Universitätsprofessoren mehr verabscheuen, als ein Klo zu putzen. Es ist erstens völlig unter ihrer Würde und zweitens stinkt es gewaltig und dann noch … also überhaupt. Osho sagte den illustren Kloputzern zu allem Überfluss noch, dass sie nicht nur die Klos putzen, sondern dass sie es mit liebevoller Hingabe tun sollten. Ich weiß nicht, wie viele kapierten, was sie sich da selbst für ein Geschenk machten, aber bei einigen wird sicher der Groschen gefallen sein. Glück geht dem Tun voraus und ist nicht die Folge irgendeines Tuns. Vielleicht probiert’s ja mal jemand von euch aus? W

 

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2 Antworten zu Osho: Glück ist wie Atmen, ist wie ein schlagendes Herz

  1. fredo0 schreibt:

    Es scheint mir auch verbreiteter Irrtum über den Charakter von Glück zu bestehen .
    Zumeist wird da dieses laute rumorende plärrende „aah wie geil ist das denn“ als Glück verstanden.
    Glück muss in diesem Verständnis quasi stets überwältigend , ja fast schon vergewaltigend , erlebt werden.
    Eventkultur der Moderne at its top .

    Doch fand ich das was Glück (für mich) ist eher fein und still , leicht übersehbar .
    Mitschwingend in den Ereignissen des Tages , es jedoch nicht dominierend.
    So wie ein Hauch von Knoblauch ein Gericht „vollkommen“ macht , zuviel es jedoch „tötet“ .

    Dieses „feine , stille Glück aus schierer Existenz“ ist perfekt anpassend , es gibt den unterschiedlichsten Empfindungen des Tages eine solide kaum bemerkbare Basis , doch es stellt sich nicht selbst zur Schau .
    Die quasi organische Quelle dieses „Glücks“ scheint mir der simple Fluss des Atems zu sein.
    Immer dann , wenn mich die Ereignisse des Tages „davonzuschwemmen“ scheinen , ich also in meiner alltäglichen Aufmerksamkeit diesen Kontakt nicht mehr zu bemerken beginne , senkt sich , fast schon automatisch und ohne bemerkbares Bemühen , diese Aufmerksamkeit kurz in den Fluss des Atems. So kann selbst in bedrängter Lage , sich dieses „Basis-Glück“ wieder selbst „konfigurieren“.

    Einen „feinen“ Atem für euch alle in adventlicher Zeit.

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  2. Giri schreibt:

    Naja, auch bei Buddha meint ja Glück keinen Zustand einer Empfindung sondern:
    „Eben das, das keine Empfindung mehr auftaucht, das nenne ich Glück“.

    Im Taoismus ist dies sicher kein Ziel (Die Idee des Zieles ist ihm wohl eh fremd). Er ist sowieso stark im Yin-Yang-Denken Chinas verwurzelt. Also für ihn ist ein Plus-Zustand nicht ohne einen Minus-Zustand denkbar.
    Daher heisst es auch logischer Weise im Zhuangzi: „Nicht Initiator des Glücks sein, Nicht Einführer des Unglücks sein.“ Beides ist eigentlich das selbe. Das eine ist nicht ohne das andere zu haben.
    Jullien bezeichnet die taoistische Sicht mal sehr schön als „abseits vom Glück.“
    Mein Leben braucht Sonne und Regen. Nur Sonne macht auch nur, das alles vertrocknet. Warum sollte man das wollen?

    Letztlich gibt es aber weder im Buddhismus noch im Daoismus einen Herrn, der glücklich sein kann. Beide sehen Sein und Werden eher als netzwerkartig.

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