Osho: das weibliche PRINZIP nimmt alles in sich auf


OWenn jemand dich schlägt, kontrahierst du, wenn jemand zuschlägt, wehrst du es ab. Die taoistische Kunst besteht aber darin, sich auszudehnen, wenn man einen Schlag erhält. Man nimmt den Angriff an und absorbiert ihn. Wenn jemand dir seine Energie entgegenschleudert, kämpfe nicht gegen sie, sondern nimm sie an. Er gibt dir Energie und du wehrst dich dagegen? Absorbiere sie!

Probiert es aus! Wenn euch einmal jemand schlägt oder boxt, versucht es aufzunehmen und geht mit. Werdet nicht hart, reagiert nicht starr; nehmt es an. Ihr werdet euch wundern! Es wird eine völlig neue Erfahrung sein. Wenn ein Kämpfer die Energie des anderen absorbiert – egal, was dieser an ihn aussendet – dann wird derjenige, der diese Energie aussendet, besieg. Aber nicht, dass der andere ihn besiegt – er besiegt sich selbst. Er wird geschwächt, und dadurch wird er besiegt, und der andere geht mit strahlender Kraft daraus hervor. Jede Handlung kann zur Meditation werden. Sogar mörderische Aktivitäten wie Ringen und Bogenschießen lassen sich in gewaltlose Künste verwandeln. Das ist eine große Revolution.

Das Ego ist hart und männlich, maskulin. Tao hat Vertrauen ins Weibliche. Das Ego ist aggressiv, das Weibliche empfänglich. Tao vertraut in das Empfängliche, in die Kraft des weiblichen Mutterschoßes. Das Ego, männlich und maskulin, ist eher zum Eindringen bereit, als sich selbst durchdringen zu lassen. Das männliche Ego versucht stets, in den anderen einzudringen, ähnlich wie beim Geschlechtsakt. Bei allen Bemühungen des männlichen Egos spielt dieses Eindringen, das Verletzen des anderen, eine Rolle. Und das weibliche Prinzip nimmt es sich auf – wie beim Sex. Die Tendenz lässt sich in allem erkennen.

aus: Osho, „Die Weisheit des Flusses“
BT

Das PRINZIP in der Überschrift hab ich natürlich absichtlich groß geschrieben, es geht um ein Prinzip und nicht um Frauen und Männer. Da muss ich nur an Oshos Kommune in Oregon denken, in der seine Stellvertreterin in Uniform mit einem Colt an der Seite herumspazierte und geradezu ein Schreckensregiment führte bis hin zur Installation einer „Rajneeshismus“ genannten Religion. „Das Ego ist hart und männlich, maskulin.“ Ja, aber das Ego der Frauen nicht minder als das der Männer. Gerade fallen mir die beiden Königinnen Brunhild und Kriemhild ein, die mit ihren Egos keinem männlichen Ego auch nur um ein Jota nachstanden. Das Bild da oben trügt: Auf der einen Seite der brutale Muskelmann und auf der anderen Seite die ganz dem Tanz hingegebene sensible Frau. Was ihre Egos betrifft, unterscheiden sie sich höchstens in der Wahl ihrer Kampfstrategien. Ego ist Ego.

Osho sagt: „Probiert es aus! Wenn euch einmal jemand schlägt oder boxt, versucht es aufzunehmen und geht mit. Werdet nicht hart, reagiert nicht starr; nehmt es an. Ihr werdet euch wundern!“ Ich weiß nicht, ob jemand von euch schon einmal völlig unvorbereitet einen Schlag auf den Solarplexus gekriegt hat. Er kann sofort zu einem Atemstillstand führen, zum Erbrechen, zu Ohnmacht oder sogar zum Tod. Ich würde euch dringend davon abraten, diesen Punkt von Oshos Rat zu befolgen. „Man nimmt den Angriff an und absorbiert ihn.“ Ich weiß nicht, ob Osho sich in seiner Kindheit so viel rumgeprügelt hat wie ich, ich hab bei seinen Empfehlungen da so meine Bedenken.yAber ich kehr mal lieber zu den Prinzipien zurück: Yin und Yang, das Passive, Weiche, Nachgebende, Empfangende und das Aktive, Harte, Standhaltende, Kämpfende. Hier war für mich schon immer ein Widerspruch, den ich nicht auflösen konnte. Vielleicht ist ja unter euch ein oller Chinese, der mir da meinen Geist erhellen kann. Der Widerspruch: Einerseits wird das Tao immer zutiefst mit dem weichen Wasser, das den harten Fels besiegt, in Verbindung gebracht, andererseits mit der Ausgeglichenheit von Yin und Yang.

Ein Beispiel: Ich hatte mich lange Jahre rein vegetarisch ernährt und daran eineinhalb Jahre reine Rohkost gehängt. Ich fror wie ein Schneider. Meine Hände und Füße waren die reinsten Eisklötze. In Erwartung einer heftigen Abwehrreaktion traute ich mich schon gar nicht mehr, einen anderen Menschen zu berühren. Also marschierte ich zu einem Akupunkturarzt. Der sagte mir, ich sei total aus dem Gleichgewicht gekommen, mir würde jede Menge Yang-Energie fehlen. Er empfahl mir, in die nächste Kneipe zu gehen und mir ein großes Steak zu bestellen, was ich dann auch tat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es mir total schmeckte.
HUnserer westlichen Kultur fehlt die Yinseite. Anderen Kulturen fehlt vielleicht die Yangseite. Worum es nach meinem Dafürhalten geht, ist der Ausgleich. Im Augenblick sehe ich in einer ausgesprochenen Yangkultur das Umkippen in ihr Gegenteil: Ich denke da an Merkels Willkommenskultur ohne jede Obergrenze. Das ist für mich ein Phänomen, das auftritt, wenn eine Seite überbetont wurde. Da fängt das Ganze an, völlig irrsinnige Wackeleien zu produzieren. Gleichzeitig schicken wir Tornados nach Syrien. Mit einem ausgewogenen Gleichgewicht hat das für mich absolut nichts zu tun, eher mit aufgeschreckten Hühnern, die in rasender Eile im Zickzackkurs einem nahenden Auto entkommen wollen ud so genau unter die Räder geraten.

 

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2 Antworten zu Osho: das weibliche PRINZIP nimmt alles in sich auf

  1. thomram schreibt:

    Kompliment für diesen Artikel. Der Mensch, der eigenständig denkt.

    Ich mag Osho sehr, diesen liebenswert hinterhältigen alten Sack, der die Leute so oft an der Nase rumgeführt hat. Allein schon seine RR – Komödien erheiterten mich.

    Für mich gilt: Oshos Reden sind Born der Weisheit – jedoch nur für Hörer, welche ihre Eigenverantwortung nicht abgeben, sondern die vom in Weiss gehüllt, hoch thronenden, schmunzelnden Bärtigen empfangenen Samen bewusst in den eigenen Boden stecken und damit das Wachstum desselben beeinflussen.

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