Karl Renz: Alle Fische stinken nach einer Weile …


KIm Traum könntest du sagen, dass das Unpersönliche besser ist als das Persönliche – aber nur im Traum. Denn das, was du bist, ist nichts von beidem. In dem, was du bist, gibt es keinen Unterscheider, der zwischen persönlich und unpersönlich unterscheidet. Und wo es eine Unterscheidung von persönlich und unpersönlich gibt, ist es bereits zu spät. Da beginnt das relative Unterscheiden zwischen besser und nicht so gut, da gibt es Vorteile und Nachteile aller Art. Sie kommen immer zusammen. Sogar Einssein und Trennung tauchen zusammen auf.

Ramana ist einer der wenigen, der sagte: Wo es Einssein gibt, gibt es Zweiheit, augenblicklich. Sie kommen zusammen wie Tag und Nacht. Dann navigierst du dich durch all das hindurch, aber das, was du bist, navigiert niemals durch irgendwas. Das, was durch irgendwas navigiert, ist ein Fischer, der etwas fangen will. Er versucht immer, den dickeren Fisch zu fangen, einen unpersönlichen Fisch, weil er davon ausgeht, dass der unpersönliche Fisch besser schmeckt als der persönliche. Alle Fische stinken nach einer Weile …

aus: Karl Renz, „Am I – I Am“F„Das, was durch irgendwas navigiert“, sagt der Karl, “ ist ein Fischer, der etwas fangen will. Er versucht immer, den dickeren Fisch zu fangen.“ Das Ego ist sein Leben lang auf Schnäppchenjagd. Und klar muss es immer der dickere Fisch sein, dicker als der von seinem Nächsten. Das Ego will haben und zwar möglichst mehr als die anderen haben. Das Ego ist halt bis auf die Knochen ein Kapitalist und sein Credo ist „grenzenloses Wachstum“. Und das spirituelle Ego ist da keinen Deut besser als das eines Mafia-Bosses. Lediglich das Objekt der Begierde ist ein anderes. Bei all den Haien muss man halt gucken, ob man noch irgendwo eine Marktlücke findet und nehmen, was man kriegt.

„Im Traum könntest du sagen, dass das Unpersönliche besser ist als das Persönliche – aber nur im Traum.“ Das Unpersönliche oder das Persönliche – ist ja wurscht, kommt ganz drauf an, wo sich das Ego gerade herumtreibt. Auf einem CSU-Parteitag wird man mit dem Unpersönlichen kaum punkten können, denn schließlich gilt da „Mia san mia!“ Aber im Forum Erwachen könnte man damit immerhin noch einen ganz ordentlichen Platz im Mittelfeld ergattern.

 

„Das, was du bist, ist nichts von beidem“, sagt der Karl. Und was hab ich von diesem „Nichts von beiden“? Nichts natürlich. „Hmm“, sagt der kluge Kopf: „Wenn ich ’nichts von beiden‘ eh bin, dann kann’s mir auch nicht verloren gehen. Dann kann ich genauso gut weiterhin versuchen, den dicksten Fisch an den Haken zu kriegen. Besser den Fisch am Haken als dieses Nichts im Nichts. Da weiß man wenigstens, was man hat. Von wegen „Alle Fische stinken nach einer Weile …“  Man muss sie halt essen, dann stinken sie auch nicht.A

Oder?

 

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9 Antworten zu Karl Renz: Alle Fische stinken nach einer Weile …

  1. thomram schreibt:

    Lächel.
    Danke für die gute Tageseinstimmung.

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  2. Eno Silla schreibt:

    „Man muss sie halt essen, dann stinken sie auch nicht. Oder?“

    Na ja, irgendwann kommen sie doch wieder irgendwo herausgekrochen und dann stinkts meistens ganz fürchterlich, oder?
    „Was hast du denn gegessen?“ fragt ein Suchender.
    „Einen ganz ganz dicken Erleuchtungs-Fisch“ antwortet der Satsanglehrer auf dem Erleuchtungskongress „so dick, dass er alles umfasst und das bin ich!“
    „Das riecht man!“
    Das Dumme ist doch: irgendwem stinkts immer…

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  3. Eno Silla schreibt:

    Grad entdeckt – mit Freude geteilt:

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Eno,

      danke für’s Teilen! Macht richtig Spaß, zu gucken und zu hören.

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,

        ja, ich hab mich da auch sofort zu Hause gefühlt…

        Dieses Gedicht wird erwähnt:

        Geh ich zeitig in die Leere
        Komm ich aus der Leere voll.
        Wenn ich mit dem Nichts verkehre
        Weiß ich wieder, was ich soll.

        Wenn ich liebe, wenn ich fühle
        Ist es eben auch Verschleiß
        Aber dann, in der Kühle
        Werd ich wieder heiß.

        Bert Brecht

        Herzliche Grüße

        Eno

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      • thomram schreibt:

        @ Eno

        Danke.
        Ich stelle dieses B.B. Gedicht mal auf die Startseite.

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    • Brigitte schreibt:

      Hey Eno, ich kenn den Film. Macht Spaß ihn nochmal zu sehen.

      Ich hab auch was für dich oder wen es interessiert. Big Sur ist ein wirklich toller Film. Darin geht es auch um Freiheit, sich selbst finden, wirklich aus sich selbst heraus schöpfen und leben, koste es was es wolle. Inspiration pur.

      Zitat aus dem Film von Henry Miller: „Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo wir unsere Geschäftigkeit betrachten und sagen müssen, sie stinkt, sie ist der Ruin unserer Welt.“

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      • Eno Silla schreibt:

        Liebe Brigitte,

        schön mal wieder was von dir hier zu lesen!
        Diesen Big Sur Film habe ich schon mal gesehen vor langer Zeit. Sehr passend ihn noch einmal anzusehen an diesem grauen Herbsttag. Was für eine Landschaft! Was für schöne Lebensplätze.
        Da würde ich gerne meine Tage mit wandern und übers Meer in den Himmeln schauen verbringen… Aber hier ist es zum Glück auch schön. Wunder sind überall zu finden!
        Jedenfalls wird mich die irrsinnige menschliche Geschäftigkeit nicht mehr davon überzeugen können, sich ihrer anzunehmen. Viel zu sehr habe ich die Kostbarkeit des müßigen Lebens ergründet und schätzen gelernt. Materielle Güter wiegen diesen Schatz (relativ) frei gelebten Lebens niemals auf.

        Liebe Grüße von
        Eno

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  4. Eno Silla schreibt:

    wir können so verdammt schön sein!

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