Jos Slabbert: weder Wahrheiten noch Worte


S
Die Unwissenden
verlieben sich in Worte,
doch
Worte
berühren nicht
das Tao.

Der Weise
verliebt sich in Wahrheiten,
doch
Wahrheiten
erfassen nicht
das Tao.

Der Weise,
in Harmonie mit dem Tao,
braucht weder Worte, noch Wahrheiten,
um Leere
in schweigendem
Umarmen anzunehmen.

aus: Jos Slabbert, „The Way is Tao


Der Unwissende, der Weise und der Weise in Harmonie mit dem Tao: „Der Unwissende“ hat gelernt, was man ihm vorgekaut hat; er ist das, was man einen Gebildeten nennt; er ist jemand der glaubt, alles zu wissen, weil er so viele Wörter in seinem Kopf gespeichert hat, und der es dabei bewenden lässt. „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren.“ Als nächste Kategorie benennt Jos „die Weisen“ und unterscheidet diese Kategorie von der Kategorie „der Weisen in Harmonie mit dem Tao“. Zweierlei Weise also, die sich irgendwie unterscheiden müssen. Der eine Weise scheint nicht in Harmonie mit dem Tao zu sein. Da fragt man sich natürlich, was das für eine Art Weisheit ist, um die es da geht. Meine Vermutung ist, der sog. Weise, der in Wirklichkeit gar kein Weiser ist, predigt Wasser und säuft Wein, während der wahre Weise in Harmonie mit dem Tao lebt, was er sagt. Letzterer ist nicht gespalten in ein Soll und ein Ist wie der sog. Weise, der gerne als Pfaffe oder Moralapostel auftritt. Eigentlich handelt es sich nur um zwei Kategorien: die Kategorie derer, die in Harmonie mit dem Tao leben, und die Kategorie derjenigen, die es nicht tun.

Die sog. Weisen übernehmen zum Beispiel scheinbar von „den Weisen in Harmonie mit dem Tao“ eine Haltung, für die sie den Begriff „Toleranz“ prägen. Diesen Begriff predigen sie alsbald den Unwissenden, die sich diesen Begriff einverleiben und fürderhin glauben, Wissende zu sein. Im Tao Te King heißt es im 2. Kapitel:

Erst seit auf Erden ein jeder weiß
von der Schönheit des Schönen
Gibt es die Hässlichkeit;
Erst seit ein jeder weiß
von der Güte des Guten,
Gibt es das Ungute.
Wahrlich:
Sein und Nichtsein entspringen einander;
Schwer und Leicht bedingen einander;
Lang und Kurz vermessen einander;
Hoch und Tief erzwingen einander.

Ein Weiser in Harmonie mit dem Tao weiß um die Polarität allen Seins und lebt in ihr, ohne sie eines Pols berauben zu wollen. Wer nicht in Harmonie mit dem Tao lebt, muss sich nicht wundern, wenn sich seine ach so hehren Ideale ständig in ihr Gegenteil verkehren. Auch die angeblich so friedfertigen Buddhisten bleiben nicht von dieser Gesetzmäßigkeit verschont.

T


„Der 45-jährige Mönch Ashin Wirathu aus dem Kloster Maseyein in der zentralburmesischen Stadt Mandalay, saß aufgrund seiner Aktionen gegen Muslime neun Jahre im Militärgefängnis. Doch letztes Jahr kam er im Zuge einer Amnestie für politische Gefangene frei. Seine Extremistengruppe nennt sich ganz religionstreu ‚969‘ – nach den neun Tugenden Buddhas, den sechs Tugenden seiner Rechts- und Sittenlehre und den neun Eigenschaften der Sangha, der Mönchsgemeinschaft. Gewalt zählt nicht zu diesen Tugenden. Doch Ashin Wirathu predigt Hass.“ (Quelle)

Der Weise,
in Harmonie mit dem Tao,
braucht weder Worte, noch Wahrheiten,
um Leere
in schweigendem
Umarmen anzunehmen.

 

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2 Antworten zu Jos Slabbert: weder Wahrheiten noch Worte

  1. Eno Silla schreibt:

    Mein erster Schneemann:

    Ein wahrhaft Weis(s)er:
    Ohne Worte
    Ohne Wahrheit
    Taomann

    Gefällt mir

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