Alan Watts: aus Annahme eine Tugend machen?

 

A

Es gibt tatsächlich keine Unterscheidung zwischen unserer normalen, alltäglichen Erfahrung und der Erfahrung des Nirvana oder der spirituellen Freiheit. Aber für einige Menschen ist diese Erfahrung verwirrend, andere hingegen befreit sie. …

Woraus besteht unsere normale, alltägliche Erfahrung? Es ist nicht nur unser Bewusstwerden der äußeren Umstände oder gar solch normaler Aktivitäten wie Spazierengehen, Essen, Schlafen, Atmen und Reden; sie beinhaltet ebenso unser Denken und Fühlen – unsere Ideen, Stimmungen, Wünsche, Leidenschaften und Ängste. In ihrer konkretesten Form ist die normale, alltägliche Erfahrung gerade so, wie Sie sich in diesem Moment fühlen. In gewisser Weise ist der Buddhismus eine ausgesprochene Philosophie und Psychologie des Augenblicks; denn wenn wir gefragt werden, was das Leben ist, und wenn unsere Antwort praktischer und nicht theoretischer Natur sein soll, können wir nichts Besseres tun, als auf den Augenblick zu verweisen. Nur in diesem Augenblick finden wir Realität und Freiheit, denn die Annahme des Lebens bedeutet jetzt und zu jeder Zeit Annahme des gegenwärtigen Augenblicks. Das soll nicht den Eindruck vermitteln, das der psychologische Prozess eine Folge von blitzschnellen Akten der Annahme wäre, als wenn hastige Pfeile abgeschossen werden müssten, bevor der Feind namens „aus der Annahme eine Tugend machen“ die Dinge verdorben hat, indem er uns wieder in den Teufelskreis einbezogen hat. Annahme des Augenblicks heißt, den Augenblick leben zu lassen.

aus: Alan Watts, „Die sanfte Befreiung“BWas geschieht, geschieht – unabhängig davon, ob dieses Geschehen von wem oder was auch immer angenommen wird oder nicht. Insofern wurde bereits alles angenommen. Sobald jedoch die Idee von „mir“ auftaucht, scheint es Annehmen und Nicht-Annehmen zu geben. Auch dies ist ein Geschehen, das sich dadurch auszeichnet, dass es geschieht – unabhängig davon, ob dieses Geschehen von wem oder was auch immer angenommen wird oder nicht. Eine Form der Nicht-Annahme ist, „aus der Annahme eine Tugend“ zu machen, wie Alan Watts das nennt. Das bedeutet, dass Nicht-Annahme erlebt und gleichzeitig verurteilt wird verbunden mit dem festen Vorsatz, sich dazu zu zwingen, das Nicht-Angenommene anzunehmen.G

Ganz schön gagga, gell!

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Alan Watts: aus Annahme eine Tugend machen?

  1. thomram schreibt:

    Ganz prima. Am hübschesten ist die Feststellung, dass das aus dem Annehmen eine Tugend zu machen natürlich eine Form der Nichtannahme ist. Klar erkannt.

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Hübsch ist ein hübsches Wort. So leicht und freundlich. So werden Erkenntnisse nicht in deutscher Art tiefschürfend und schwer, sondern ein Anlass für Heiterkeit.

      Gefällt mir

      • thomram schreibt:

        Der Alexander sagte mal was bei Jo Conrad, das ist für mich ein Schlaglicht: Sagt der Partner zu der Partnerin: „Du Teufelchen.“ Die Andeutung ohne Zeige- oder gar Drohfinger, in Wahrheit liebevoll. Ich nenne es kosmisches Augenzwinkern. Satan gibt’s. Und er tut das Seine im Dienste des Gesamten. Sähe man es ein, müsste man schmunzeln.

        Nö. Ich red nicht immer so wirr, äh gscheid.

        Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s