Alan Watts: Te – die intuitive Erkenntnis, mit dem Tao eins zu sein

 

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Um die taoistische Ausdrucksweise in die buddhistische überzuführen, könnte man sagen, dass te [im Tao te King] die rechte Gesinnung ist, die rechte Lebensführung, ein natürliches Produkt von prajna – die intuitive Erkenntnis, mit dem Tao eins zu sein. Te ist nicht mit siddhi zu verwechseln, so wie die psychosomatische Gymnastik sie pflegt. Trotzdem wird Chuang-tzu von den Hsien-Taoisten oft als Gewährsmann für die Pflege wunderbarer Kräfte zitiert, und zwar aufgrund folgender Stelle:

„Wer den Weg (Tao) versteht, beherrscht mit Sicherheit die Grundprinzipien. Wer die Grundprinzipien beherrscht, meistert mit Sicherheit die Umstände. Und wer die Umstände meistert, dem kann kein Ding Schaden zufügen. Wenn ein Mensch vollkommene Tugend (te) hat, kann kein Feuer ihn brennen, kein Wasser ertränken, Kälte und Hitze können ihm nichts anhaben, Vögel und Tiere können ihn nicht verletzen. „

Er fährt jedoch fort:

„Ich sage nicht, dass er diese Dinge leicht nimmt. Ich meine, dass er zwischen Sicherheit und Gefahr zu unterscheiden weiß, mit Glück oder Unglück zufrieden ist und in seinem Kommen und Gehen Vorsicht walten lässt. Daher kann ihm nichts etwas zuleide tun. „

Mit anderen Worten, er ist nicht aufgrund von Zauberei frei von Leid, sondern weil er sich intelligent und umsichtig verhält.

aus: Alan Watts, „Der Lauf des Wassers“
hAch ja, das hätten „sie“ wohl gern: Einmal mit den Fingern schnippen und der Typ mit dem Hackebeil vor ihnen löst sich in Wohlgefallen auf. Probiert es ggf. lieber nicht aus. Auch der Taoismus blieb nicht davor bewahrt, zur „Religion“ zu mutieren. Schon die Endung „-ismus“ ist völlig daneben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alten Taoisten sich selbst als Taoisten bezeichnet haben. Deutlich wird an diesem Textausschnitt, wie auch hier offensichtlich nach Gewinn gestrebt wurde. „Wenn ein Mensch vollkommene Tugend hat, kann kein Feuer ihn brennen, kein Wasser ertränken, Kälte und Hitze können ihm nichts anhaben, Vögel und Tiere können ihn nicht verletzen.“ Wer vollkommene Tugend hat, kann damit rechnen, dass er absolut unverletzbar geworden ist. Nichts kann ihm etwas anhaben, kein Feuer, kein Wasser, keine Kälte, keine Hitze, keine Tiere, vermutlich auch ein Schwert und kein Pfeil und kein Hackebeil. Das wäre doch wirklich erstrebenswert. Chuang-tzu drückt dann allerdings sehr deutlich aus, dass das alles von ihm nicht gemeint sei. Einerseits sollte jeder vorsichtig sein und auf sich aufpassen, andererseits ist eine Haltung des Zufriedenseins mit allem, was gerade geschieht, ausgesprochen wohltuend für den Seelenfrieden.

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Gestern ist eine Taube mit voller Wucht gegen ein Fenster von mir geknallt. Man konnte hinterher noch einen großen Fettfleck an der Scheibe sehen. Ich dachte nicht, dass die Taube das überlebt haben könnte. Aber sie hat es tatsächlich geschafft, im letzten Moment noch abzudrehen und so den Stoß abzumildern und dann hochzuziehen und sogar noch auf einem Ast an einer der beiden Lärchen zu landen. Dort saß sie, sichtlich mitgenommen und schien sich von ihrem Schock erholen zu wollen. Lange, lange saß sie nur da, bewegte sich manchmal ein bisschen … irgendwann schaute ich wieder nach ihr und sie war weggeflogen. Ich glaube nicht, dass ich das hineininterpretiere: Mir schien, als wäre da eine vollkommene Annahme dessen, was gerade geschehen war. Es fehlten alle Reaktionen, wie man sie bei einem Menschen hätte erwarten können.

Diese Haltung kann nicht vor Feuer oder Wasser, Kälte oder Hitze oder sonst einer Gefahr schützen. Aber sie kann vor dem schützen, was unser Verstand dem Geschehen noch an Vorstellungen hinzufügt.17

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