Osho: die Erkenntnis, dass alles Begehren nichts bringt


OshoWenn du zu einem Yoga-Meister gehst, wird er dir sagen, welche Stellung dir zur Stille verhelfen wird, wie du atmen sollst, welcher Rhythmus am ehesten zu Stille führt, ob du beim Atmen die Augen schließen oder deinen Blick nur auf die Nasenspitze richten sollst … Er wird dir Anweisungen, Hinweise geben, er wird dir eine Wanderkarte in die Hand drücken.

Die Taoisten haben keine Wanderkarten. Sie sagen, dass du dir zwar, wenn du eine bestimmte Stellung ausprobierst und z.B. auf die Nase schaust und in einem bestimmten Rhythmus atmest, eine gewisse Stille aufzwingen kannst, diese dann aber nicht echt sein wird. Sie ist künstlich, sie ist etwas Aufgesetztes, sie ist unecht. Die echte Stille hat nichts mit irgendwelchen Übungen zu tun. Die echte Stille kommt nicht durch Übungen zustande. Zur echten Stille kommt es nur aus Erkenntnis – der Erkenntnis nämlich, dass alles Begehren nichts bringt.

Versucht dies zu verstehen: Im Tao gibt es keine Übungen. Die Taoisten haben nichts zu bieten, was sich mit den Yoga-Sutras des Patanjali vergleichen ließe, haben keine „Acht Wege des Yoga“. Sie verraten dir nicht, welche Stellung, welche Disziplin, was für eine Moral – was du essen oder nicht essen darfst, wann du zu Bett gehen und wann du morgens aufstehen sollst. Sie schreiben dir gar nichts vor, denn sie sagen, dass euch all diese Dinge nur eine falsche, weil erzwungene Erfahrung von Stille vermitteln.

aus: Osho, „The Pathless Path“RIn der Schule hatte ich mal einen Pauker für Lateinisch, Griechisch, Deutsch und Geschichte. Das war so’n richtiger Humanist, der es liebte, irgendwelche klassischen Texte mit großem Pathos zu deklamieren. Ich liebte dagegen meinen gesunden Schulschlaf und so konnte man mich meistens in liegender Stellung antreffen. Dieser Pauker, genannt „Schwolle“ oder Schwollkopf“ hatte eine Vorliebe dafür, mich von Zeit und Zeit in meinem kreativen Ruhezustand zu stören und mich aufzufordern, irgendeine dusselige Textpassage zu übersetzen. Nun konnte ich ja so einem Befehl nicht unmittelbar nachkommen, da ich mich erst noch aus meiner liegenden Position herausarbeiten musste. Das dauerte. Kurz bevor ich einigermaßen in die Vertikale gekommen war, hob Schwolle seine Hand und ließ sie wieder mit einem müden Gestus und dem immer gleichen Spruch sinken: „Klingholz – flatsch!“ Woraufhin ich mich wieder in meine angestammte, liegende Position begab und mich von dieser außerordentlichen Anstrengung erholte. Wen wundert’s, dass mich schon beim Lesen der ersten Zeilen des TAO TE KING ein geradezu ekstatisches Entzücken erfasste.

QIch wollte nie etwas werden. Na ja gut. Ich wollte mal Pilot werden und mit so einer kleinen einmotorigen Kiste zwischen den Südseeinseln einen hoffentlich florierenden Schmuggel mit Whisky betreiben. Ich wäre fast schon zur Bundeswehr gegangen, bloß um diesen verdammten Flugschein zu kriegen. Aber davon hab ich ganz schnell wieder Abstand genommen und so wurde nischt aus der Schmuggelei. Mein Vater ist was geworden und trug so dazu bei, dass ich ganz bestimmt nichts werden wollte. Das war dann auch immer ein Grund für mich, mich nicht allzu sehr mit dem Buddhismus zu beschäftigen. Da sollte man auch immer etwas werden wollen entgegen allen gegenteiligen Beteuerungen der buddhistischen Würdenträger. Aber da hätte ich ja gleich evangelisch bleiben können. Alles derselbe Zirkus.

Die ollen anarchistischen Taoisten und eine Handvoll noch ganz im Tao wurzelnder Ch’an-Heinis, da geht mir richtig das Herz auf. Den Rest kannste in der Pfeife rauchen.

P

 

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2 Antworten zu Osho: die Erkenntnis, dass alles Begehren nichts bringt

  1. fredo0 schreibt:

    Meine Eltern hatte als Nebenerwerb einen kleinen Buchverleih , in dem sich die Nachbarschaft mit Liebesromanen und Western versorgte , und meine Mutter den kleinen Salär in die Haushaltskasse einfließen ließ.
    Ich habe irgendwann mit 12 bis 13 begonnen , diese Bücher (kostenfrei !) zu verschlingen , meist mehrere gleichzeitig parallel ( so lese ich heute noch , wenn ich mal lese ) .
    Alles wurde erlesen , was da Papier und Buchstaben hatte , und eine Geschichte zu formen verstand in meiner Wahrnehmung. ( außer den Liebesromanen . Bis auf 3 bis 4 , die unter Spezialverschluss standen , und bei denen es deftig zur Sache ging , und deren Verschluss ich natürlich baldingst zu umgehen wusste ).
    Erstaunlicherweise befanden sich in dieser MiniBibliothek auch diverse Bücher von Herman Hesse , die dann alsbald zu meinen Favoriten wurden.
    Im Glasperlenspiel trifft nun die Ich-Figur außerhalb seiner Gelehrtenwelt auf einen Freigeist , der nur ein einziges Buch besaß , und auch meinte , dessen wäre es genug … Es war das I-Ging … Ich musste dann dieses Buch einfach haben , und lies es mir zum 14.Geburtstag schenken . Damit waren meine Interessen in Richtung China und Taoismus geöffnet … Dort fand ich in diesem noch recht zarten Alter meine zu mir fein passende Denke … und auch das Objekt meines späteren Studium , was ich aber ob massiver Faulheit nie zum akademischen Abschluß brachte. …
    Alles andere , ob nun Buddhismus oder Sufismus , ob Yoga oder Gnostik oder oder oder fand zwar auch mein neugieriges Interesse , aber mir sind dann immer die für notwendig behaupteten An-Weisungen sauer aufgestoßen … Ob jetzt meiner massiven Faulheit geschuldet oder aber einer intuitiven Vorsicht folgend , wusste ich damals noch nicht zu sagen .
    Jetzt , als oller Sack jenseits der 60 , kann ich nur sagen , das schlichte , das einfache , dass was einfach nur betrachtet ohne jegliche An-weisung sondern aus schierer Neugier aufs Leben selbst heraus , war und ist mir das kostbarste in meinen Tagen und Nächten.

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