links, zwo, drei, vier, links, zwo, drei, vier, …

LEs marschiert sich gut im Viervierteltakt und den Deutschen soll er ja voll im Blut stecken. Dass die Geschichte mit Links anfängt, hat natürlich damit zu tun, dass die ganze Truppe mit demselben Fuß anfängt. „Im Gleichschritt!“ Wie sieht das schließlich aus, wenn jeder mit dem Fuß anfängt, der ihm gerade in den Kram passt! Das „Links“ hat natürlich auch damit zu tun, dass die meisten Leute Rechtshänder sind, also auch Rechtsfüßer. Keine Ahnung, ob das bei allen Leuten so ist oder nur bei den Deutschen und ob es überhaupt stimmt. Rechts wäre dann das Standbein, links das Spielbein und mit dem Spielbein geht’s also los. Das rechte Standbein könnte etwas zu tun haben mit der linken Gehirnhälfte, die wiederum vorzugsweise für logisches Denken zuständig sein soll, während das linke Spielbein etwas zu tun haben könnte mit der rechten Gehirnhälfte, die vorzugsweise für intuitives Fühlen und Kreativität zuständig sein soll.

Aber wie auch immer, der Mensch hat zwei Beine und nicht nur eines. Das gilt es festzuhalten. In Zeiten, in denen man ganz schnell politisch links oder rechts verortet wird, wäre es vielleicht ganz hilfreich, sich daran zu erinnern. Auf einem Bein kann man bestenfalls nur stehen oder bestenfalls ein bisschen herumhüpfen. Also ich brauche selbst zum Stehen schon zwei Beine und demnächst vielleicht sogar ein drittes. „Bist du für die weitere Aufnahme von Flüchtlingen oder nicht?“ Sage ich jetzt „Nein“, bin ich ein Rechter, sage ich jetzt „Ja“, bin ich ein linker Spinner. „Divide et impera!“ Wer sich in diesem Dualismus verfangen hat, hat es wahrlich nicht leicht im Leben und kommt aus diesen blödsinnigen Streitereien, die so überflüssig sind wie ein Kropf, nicht mehr heraus.

Wenn mir überhaupt ein Maßstab in dieser Sache einfällt, dann ist es die Anarchie-Definition des John Henry Mackay: „Ich bin ein Anarchist!“ – „Warum?“ – „Ich will nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!“ Und das ist eine ziemlich subtile Geschichte. Wenn ein Politiker etwa eine Willkommenskultur einfordert, sträuben sich bei mir ob dieser Übergriffigkeit die Nackenhaare. Andererseits gibt es natürlich auch bei einem Anarchisten ein Wir, etwa wenn ein paar Jungs aus Spaß an der Freude zusammenkommen und gemeinsam Musik machen.

W

Nicht jede Gemeinsamkeit beruht auf Zwang und Unterdrückung, aber sie ist immer auch davon bedroht. Manche Menschen schaffen das ja schon ganz alleine, sich zu etwas zu zwingen und sich zu unterdrücken. Aber ohne Freiwilligkeit und Freude, behaupte ich mal, können wir uns alle einsalzen lassen.

Ich muss noch mal auf mein drittes Bein zurückkommen, den Krückstock. Angeschafft hatte ich mir ja so ein drittes Bein, als ich die Treppe runtergesegelt bin und mir dabei mein linkes Fersenbein zertrümmert habe. Das dritte Bein ist gewissermaßen außer Konkurrenz. Es ist nicht links, es ist nicht rechts, es befindet sich jenseits der Polarität. (Also das hinkt jetzt gewaltig, aber mit einer Calcaneusfraktur darf man ja wohl noch ein bisschen hinken.) Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass wir ohne dieses dritte Bein restlos verloren sind. Gefangen im Dualismus unserer Gedanken werden wir immer zutiefst geteilt sein. Dafür brauchen wir nicht einmal irgendwelche Imperialisten; das schaffen wir ganz locker auch allein. Wenn es uns jedoch durch die Gnade des Herrn passieren sollte, dass es uns wie Schuppen von den Augen fällt, dass etwas wahr sein kann und zugleich falsch und beides zugleich sein kann bzw. weder wahr noch falsch, dann … dann … dürfen wir uns eine Kugel Eis spendieren.

E

 

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6 Antworten zu links, zwo, drei, vier, links, zwo, drei, vier, …

  1. Ingeborg schreibt:

    Ich hätte gern Zitrone!

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  2. fredo0 schreibt:

    hauptsache lecker ….

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  3. Elwood schreibt:

    Und wenn mir die Gnade des Herrn nicht zu teil kommt?
    Verpass ich das Eis.
    Verpass es nicht.
    Sowohl als auch.
    Weder noch.
    Ach, was weiß ich…
    Was kümmert’s das Universium…
    Das es mich kümmert’s…..

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