Karl Renz: der absolute Vorteil, keinen Vorteil zu brauchen


K
Wie kann das,
was seiner Natur nach „Selbst“ oder „Nicht-Selbst“ ist,
Samadhi sein?
„Sein“ und „Nicht-Sein“ treffen auf Atman,
das wahre Selbst, nicht zu.
Wie sollte sich in der Einen absoluten Freiheit – in Atman –
Samadhi ereignen?

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita, [1.23]“

HFrage: Was ist der Unterschied zwischen Samadhi und einem augenblicklichen Aha?

Karl: Das Samadhi des Gewahrseins ist ein persönliches Samadhi. Du nimmst es immer noch persönlich, dass du der Bildschirm bist, auf dem nichts passiert und dass sich die Welt von dem, was-du-bist unterscheidet. Es gibt Projekte, Aufgaben, aber du, du bist im Gewahrsein gegründet. Das ist trotzdem ein persönliches Gewahrsein. Der Durst nach dir selbst kann durch dieses persönliche Gewahrsein nicht gelöscht werden. Du kommst wieder zurück und dann bist du so durstig wie zuvor.

Frage: Kann ich wissen, dass das nur ein Samadhi ist?

Karl: Darüber sprechen viele Meister. Sie wissen und sie nehmen für sich in Anspruch, fest in DEM gegründet zu sein. Dann erzählen sie dir, dass du besser dran bist, wenn du ihnen folgst: „Ich kann dich lehren, wie du diesen Ort erreichst.“ Sie geben dir also einen Bezugspunkt und behaupten, dass sie dort zu Hause sind. Sie sprechen von dort aus, und ich glaube ihnen. Es ist authentisch. Aber es ist ein Bezugspunkt und jeder Bezugspunkt ist relativ. Dann sagen sie dir, dass das von Vorteil ist. Ja, es ist ein Vorteil. Ich glaube es. Aber es ist ein relativer oder persönlicher Vorteil. Wenn es dir darum geht, dann los.

Aber ich sitze hier und sage dir, dass der absolute Vorteil, keinen Vorteil zu brauchen, deine Natur ist. Und wenn du einfach bist, was-du-bist, muss nichts getan werden. Aber wenn es dir um einen persönlichen Vorteil geht, dann musst du zu jemandem gehen, der dir den vermitteln kann. Daran liegt mir nichts. – Mein absolutes Interesse gilt – ich hab absolut keine Ahnung!

aus: Karl Renz, „Worry And Be Happy“

R

Osho wurde nicht müde, auf den Unterschied zwischen dem Beobachter, das ist der mit einem Bezugspunkt, und dem reinen Zeugen, der keinen Bezugspunkt kennt, hinzuweisen. Wenn zehn Menschen ihre Wahrnehmung eines Verkehrsunfalls schildern, bekommen wir mit großer Wahrscheinlichkeit zehn unterschiedliche Berichte. Sollten zufällig zehn Überwachungskameras das Geschehen dokumentiert haben, bekommen wir zwar zehn unterschiedliche Perspektiven zu sehen, die jedoch alle dasselbe Geschehen festgehalten haben. Kameras suchen weder einen persönlichen Vorteil noch haben sie überhaupt einen persönlichen Bezugspunkt. Wie Karl könnten sie sagen, dass der absolute Vorteil, keinen Vorteil zu brauchen, ihre Natur ist. Man müsste ihnen also nicht sagen, dass sie auf jeglichen Vorteil verzichten sollten – sie können gar nicht anders, sie kennen einfach keinen persönlichen Vorteil. „‚Sein‘ und ‚Nicht-Sein‘ treffen auf Atman, das wahre Selbst, nicht zu.“ sagt Dattatreya, und damit trifft auch keinerlei Vorteil zu.

Karl Renz sagt: „Du nimmst es immer noch persönlich, dass du der Bildschirm bist, auf dem nichts passiert und dass sich die Welt von dem, was-du-bist unterscheidet.“ Da gibt es zwei, du als Leinwand und das, was da auf dich drauf projiziert wird. Du und die Welt. Und da gibt es diesen Durst nach dir selbst, der durch dieses persönliche Gewahrsein nicht gelöscht werden kann. „Sei wie eine weiße Leinwand, die von nichts berührt wird!“ sagt ein Meister. Wie lange kannst du dir einbilden, eine weiße Leinwand zu sein? Vielleicht kennst du jemanden, der diese Technik ziemlich gut beherrscht. Oft wird dieser Zustand begleitet von einem Bewusstsein großer Erhabenheit. Der Erhabene scheint unverletzlich zu sein. „Sei in der Welt und nicht von der Welt!“ Ja, das ist gut, sehr gut. Der Durst nach dir selbst ist kein bisschen verschwunden.

Und doch ist die ganze Zeit da, was keinen Vorteil erstrebt und keinen Bezugspunkt kennt. Karl bringt es schön auf den Punkt: „Wenn du einfach bist, was-du-bist, muss nichts getan werden.“B

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Karl Renz: der absolute Vorteil, keinen Vorteil zu brauchen

  1. Marianne schreibt:

    Jeden Tag segelt etwas von »nit möööglich!« in meine Mailbox, das ist das Blog von Nitya (Wilhelm Klingholz), das ich abonniert habe. Ich lese das nicht alles, das wäre mir viel zu viel, aber ich klicke jedes Mal rein und freue mich über die eine oder andere Zeile, die ich da finde. Manchmal lese ich einen der Texte auch ganz. Nitya ist der konsequenteste und ausdrucksstärkste spirituelle Anarchist, den ich kenne. Taoist könnte man ihn auch nennen. Alles, wirklich alles dreht sich bei ihm um das eine, die Mystik, das Unsagbare, das er da so beredt umschreibt, dass es eine Lust ist, ihm zuzuhören (innerlich »hört« man ja eine Stimme, während man liest). Wer von euch noch einen Rest von Glauben in sich hat, dass sich »die Wahrheit«, zumal die spirituelle Wahrheit oder irgendein geheimes, esoterisches Wissen sagen lässt: Bitte Nityas Blog abonnieren!

    Quelle: http://connection.de/vor-waehrend-nach-mir/

    Ganz schön viel „Profil“ für eine „leere Leinwand“, finde ich!😀

    Liebe Grüße
    Marianne

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s