Huang-po: die schweigende Einsicht in den eigenen Geist


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Da der Geist Buddha ist, ist der ideale Weg der Vollendung das Entfalten dieses Buddha-Geistes. Vermeide nur begriffliches Denken, das zu Werden und Vergehen führt, zu dem Elend in der Welt der Sinne und zu vielem anderen. Dann brauchst du keine Wege zur Erleuchtung und ähnliches mehr. Darum steht geschrieben:

Was Buddha lehrt, hat nur das eine Ziel:
Des Denkens Raum zu überqueren.
Ist still geworden der Gedanken Spiel,
Was nützen dann noch Buddhas Lehren?

BIn der ganzen Reihe der Patriarchen von Gautama Buddha bis zu Bodhidharma lehrte keiner etwas anderes als den einen Geist, auch das „Einzige Fahrzeug zur Befreiung“ genannt. Darum wirst du, wenn du auch das ganze Weltall durchsuchst, niemals ein anderes Fahrzeug finden. Diese Lehre hat nirgends Zweige noch Blätter, ihre einzige Eigenschaft ist die ewige Wahrheit. Deshalb ist es eine Lehre, die schwer anzunehmen ist. Als Bodhidharma nach China kam und die Königreiche von Liang und Wei erreichte, erlangte nur der ehrwürdige Meister Ko schweigende Einsicht in den eigenen Geist. Sobald ihm dies erklärt wurde, verstand er, dass dieser Geist Buddha ist und der persönliche Geist und Körper nichts sind. Diese Lehre heißt „der Große Weg“. Das wahre Wesen des Großen Weges ist das Leersein von Gegensätzen. Bodhidharma glaubte fest daran, dass er in diesem Leben eins war mit der wirklichen „Substanz“ des Weltalls. Geist und diese Substanz sind nicht im Geringsten voneinander verschieden. Diese „Substanz“ ist Geist; beide sind unmöglich zu trennen. Um dieser Offenbarung willen erhielt er den Titel „Patriarch unserer Schule“. Darum steht geschrieben: „Der Augenblick, in dem die Einheit von Geist und Substanz, die die Wirklichkeit ist, erfahren wird, spottet tatsächlich jeder Beschreibung.“

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Ich muss gerade an ein Gespräch denken, dass ich kürzlich mit einem Freund führte. Es ging u.a., wen wundert’s, auch mal wieder um das Flüchtlingsthema. Mein Freund erzählte mir von einem Bekannten, der sich bei ihm bitter darüber beklagt hätte, dass in unmittelbarer Nähe seines Hauses Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt worden wären. Dies würde seinen Angaben nach für ihn bedeuten, dass der Wert seines Haus stark gesunken wäre. Mein Freund fand diese merkantile Meinung völlig abwegig. Schließlich ginge es doch um das Leid von Menschen, die bei uns Zuflucht gesucht hätten. Ich versuchte daraufhin, ihm auch die Meinung seines Bekannten verständlich zu machen. Für viele Menschen bedeute ein Eigenheim oder der Verkauf eines Eigenheims halt einfach auch eine Alterssicherung. Wenn etwa die Rente so niedrig sei, dass man davon kaum leben könne, könnte der Verkauf des Eigenheims ausgesprochen hilfreich sein.

Später beim Abschied fragte ich ihn, wie denn seine Zukunft im warmen Süden Europas aussehen würde, nachdem Schäubles Sparpolitik auch die Menschen dort hart getroffen hätte. Ach, meinte er, damit hätte er kein Problem. Dort, wohin es ihn hinziehen würde, gäbe es Gott sei Dank einen blühenden Tourismus und den Leuten dort ginge es richtig gut. Oh, entgegnete ich, dann kannst du sicher die Menschen in den Gegenden des Landes, die am Hungertuch nagen müssen, ein bisschen an deinem relativen Reichtum teilhaben lassen. Wir schauten uns einen Moment an und dann lachten wir beide. Es war offensichtlich, dass er seinen relativen Wohlstand nicht teilen wollte. Für einen Moment war die schweigende Einsicht in den eigenen Geist vollkommen offenkundig. Keine Moral, kein „du solltest“, kein richtig und falsch, sondern einfach ein Gewahrsein des „kleinen Geistes“ mit all seinen Wertungen, Vorlieben und Abneigungen – ohne jede Verurteilung des kleinen Geistes. Oshos Ausspruch fiel mir in diesem Moment wieder ein: „Nichts kann irgendetwas verändern außer Bewusstsein.“

„Da der Geist Buddha ist, ist der ideale Weg der Vollendung das Entfalten dieses Buddha-Geistes. Vermeide nur begriffliches Denken, das zu Werden und Vergehen führt, zu dem Elend in der Welt der Sinne und zu vielem anderen. Dann brauchst du keine Wege zur Erleuchtung und ähnliches mehr.“

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3 Antworten zu Huang-po: die schweigende Einsicht in den eigenen Geist

  1. Eno Silla schreibt:

    „Was Buddha lehrt, hat nur das eine Ziel:
    Des Denkens Raum zu überqueren.
    Ist still geworden der Gedanken Spiel,
    Was nützen dann noch Buddhas Lehren?“

    Des Denkens Raum durchquert:
    Alles IST – wie es immer (ist) war!
    Des Buddhas Lehren:
    Spassiges Spiel mit Worten!

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