Karl Renz: Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne.


KRFür mich gibt es keinen Lehrer,
Keine Unterweisungen und keine Pflichten.
Wisse mich dem Himmel gleich –
rein und körperlos.

Dattatreya, „Avadhuta Gita [1.54.]

Frage: Hast du einen Lehrer gehabt? Ist es wichtig, einen Lehrer/Guru zu haben? Welche Beziehung besteht zwischen Lehrer und Schüler? Hast du Schüler?

Karl: Nein, ich habe keinen persönlichen Lehrer gehabt. Und um auf das aufmerksam zu werden, was sich nicht in der Zeit befindet, wird nichts von dem benötigt, was sich im Rahmen des Zeitlichen befindet. Es ist immer ein spontanes Erwachen, ohne Notwendigkeit. Es wird auch als göttlicher Unfall bezeichnet.

Es erkennt sich selbst, nicht aufgrund dessen, was kommt und geht, sondern trotzdem. Die Frage danach, ob es wichtig oder unwichtig ist, ist damit hinfällig. Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne. Es verwirklicht sich selbst im Verlieren und Finden. So gesehen ist es Lehrer und Schüler und erteilt sich selbst immer absolute Lektionen.

Das Selbst enthüllt sich sich selbst gegenüber in seiner Omnipotenz. Im ewigen Jetzt. Ein Schüler kooperiert mit einem Lehrer auf die Art, wie eine Frage die Antwort schon beinhaltet. Aus der Wunschlosigkeit erhebt sich in der Zeit ein Wunsch, der sich durch seine Erfüllung auflöst, so wie auch jede Frage durch die Antwort aufgelöst wird. Das ist das karmische Gesetz des Bewusstseins. Also, keine Lehrer und Schüler, nur Fragen und Antworten.

aus: Karl Renz, „Interview“

Ich denke gerade an den alten freundlichen Schrebergärtner, der mir in Jugendjahren so selbstlos meinen Fahrradplatten flickte. Hatte ich da ein Frage? Also bewusst nicht. Und doch bekam ich eine Antwort: Selbstlosigkeit ist möglich. Und sie fühlt sich für alle Beteiligten ganz wunderbar an und hinterlässt ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit. Dass mich das tief beeindruckt hat, sehe ich daran, dass ich den kleinen Vorfall bis heute nicht vergessen habe.

Hatte ich eine Frage, als Butz sein „Spüren Sie’s?“ flüsterte. Natürlich nicht. Und auch hier bekam ich völlig unerwartet eine Antwort, die mich nie wieder losgelassen hat. Nur zwei Beispiele, Beispiele, die dafür stehen sollen, dass mich eigentlich immer nur die plötzlichen Antworten getroffen haben. Antworten auf Fragen blieben meist ganz oberflächlich im Denken hängen und erreichten mich nie wirklich. Aber im Hintergrund werden wohl hinter allen Antworten Fragen gestanden haben, die mir nur im jeweiligen Augenblick nicht bewusst gewesen sind. War ich doch eh die ganze Zeit ein wandelndes Fragezeichen.

In den siebziger Jahren kam mein holdes Eheweib eines Tages dankenswerterweise mit einem Bhagwan-Buch nach Hause: „Intelligenz des Herzens“. Wenn ich es auch erst mit ziemlich spitzen Fingern anfasste, versuchte ich es mir doch gleich unter den Nagel zu reißen. Und dann musste ich so lachen – also ich lache heute noch über die Geschichte mit dem schwarzen Teufel und dem versoffenen Iren. Und ob das eine Antwort war!

Kriegen Eichhörnchen Antworten? Also ich kann das nicht beurteilen. Sind sie am Ende auch wandelnde Fragezeichen? Bedeutet existent zu sein, ein Fragezeichen zu sein? Ist alles Existierende eine Antwort? Jedes Bild, jeder Ton, jeder Geschmack, jedes Gefühl, … Antwort auf Antwort? Und die Frage – wen interessiert noch die Frage, wenn alles Antwort ist? Die Fragen bleiben einfach auf der Strecke.E

 

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Eine Antwort zu Karl Renz: Das Selbst ist der einzige Meister, den ich kenne.

  1. Baboji schreibt:

    Hehe, ja die Geschichte ist mir auch noch präsent, so was vergisst man nicht🙂

    Gefällt mir

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