Huang-po: Wann wird man je versteh’n?

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F: Sicher ist die Leere, die sich vor unseren Augen ausbreitet, objektiv. Weist ihr nicht auf etwas Gegenständliches hin und seht darin den Geist?

A: Welche Art Geist könnte ich dir in einer objektiven Umwelt aufzeigen? Auch wenn du ihn sehen könntest, wäre er nur der in einem objektiven Bereich widergespiegelte Geist. Du gleichst einem Mann, der sein Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Wenn du auch deine Züge genau darin erkennen kannst, so betrachtest du doch eine bloße Widerspiegelung. Was hat dies mit dem Anliegen zu tun, das dich zu mir führte?

F: Wenn wir nicht mit Hilfe von Widerspiegelungen sehen, wann können wir dann überhaupt sehen?

A: Solange du dich „mit Hilfe von“ beschäftigst, wirst du immer von etwas Falschem abhängen. Wann wirst du jemals verstehen? Anstatt auf die zu hören, die dir sagen, du solltest beide Hände weit aufmachen, wie jemand, der nichts zu verlieren hat, vergeudest du deine Kraft, indem du mit allen möglichen Dingen prahlst.

F: Bedeuten denen, die das Verständnis besitzen, auch die Widerspiegelungen nichts?

A: Wenn feste Dinge nicht existieren, wieviel weniger können uns dann Widerspiegelungen nutzen? Laufe nicht brabbelnd herum wie ein Schlafwandler mit offenen Augen.

Während er in die Versammlungshalle trat, sagte der ehrwürdige Meister: „Der Besitz vieler Arten von Kenntnissen lässt sich nicht mit dem Aufgeben der Suche nach irgendetwas vergleichen. Das ist das Beste aller Dinge. Es gibt nicht verschiedene Arten von Geist und es gibt keine Lehre, die in Worte gefasst werden kann. Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung geschlossen.“

aus: Huang-Po, „Der Geist des Ch’an“

C„Da nichts weiter zu sagen ist, ist die Versammlung geschlossen.“ Ja ja, das sagen sie alle. Klappe zu, Affe tot. Genug gesabbelt. Friss Vogel oder stirb! Und dann sabbeln sie, Gott sei’s gedudelt und gepfiffen, doch wieder weiter.

 

Wann wird man je versteh’n?

„Laufe nicht brabbelnd herum wie ein Schlafwandler mit offenen Augen.“ Irgendwie scheint der ehrwürdige Herr Huang-po ja leicht angenervt zu sein von dieser endlosen Fragerei. Das nimmt einfach kein Ende. Auf jede Antwort eine neue Frage. Kein Wunder, dass Huang-po kurzerhand die Versammlung schließt und ein Bier trinken geht. Da steht er nu am Tresen und mault herum über diese sog. Schüler, die einfach nicht das Nächstliegende sehen wollen und lieber mit ihrem schlauen Kopf weiter im Kreis herumrennen.

Huang-po bringt die Sache auf den Punkt: „Der Besitz vieler Arten von Kenntnissen lässt sich nicht mit dem Aufgeben der Suche nach irgendetwas vergleichen. Das ist das Beste aller Dinge.“ Jesus soll gesagt haben: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Irgendwo habe ich auch diese Version gelesen – weiß nicht mehr wo: Man müsse erst mal eine ganze Weile gesucht haben. Irgendwann sehe man vielleicht die Sinnlosigkeit jeder Suche ein und gebe sie ein für alle Mal auf. Das sei der Moment, wo der Groschen fallen könnte. Wer nie gesucht habe, würde einfach ewig im Hamsterrad der Welt herumrennen, ohne dass es irgendeine Aussicht auf Erlösung gäbe. Heinz Butz hätte jetzt vielleicht gesagt: „Ja gell, das sind so G’schichten.“ und wäre seiner Wege gegangen.

Wenn wir uns für einen Moment erinnern, dass es sich hier die ganze Zeit um scheinbare Personen handelt, die irgendetwas angeblich Richtiges oder Falsches tun, ahnen wir vielleicht, was für ein Affentheater das alles ist – alles Geschichten, alles Erscheinungen. Was bleibt, wenn all diese Geschichten als das gesehen werden, was sie sind – als Geschichten eben? Dann ist nicht nur die Such-Geschichte irrelevant geworden, sondern auch der Rest aller Geschichten.S

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7 Antworten zu Huang-po: Wann wird man je versteh’n?

  1. fredo0 schreibt:

    „““Dann ist nicht nur die Such-Geschichte irrelevant geworden, sondern auch der Rest aller Geschichten.“““

    ….. und dann beginnt der Spass an „det Janze“ …

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  2. Potenzialtrainer schreibt:

    Es gibt nichts zu verstehen und auch keine Antwort, es gibt Leben. Wie immer es aussieht, ES IST.

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  3. fredo0 schreibt:

    ( mir ist heut auch ein wenig füllosofisch wortklauberisch )

    „““Wie immer es aussieht, ES IST.“““

    damit ist aber das „was“ ist ( genauer gesagt als ein anscheinendes „WAS“ ist ) nicht das , was IST …
    das was als ein „was“ ist , „ist“ immer nur … im IST …
    jedoch nie „was“ es ist …
    denn da IST nur – das IST ….
    kommt ein „was“ dazu , ist es bereits erscheinung / dekoration (als ob auch das „was“ da ist , IST wäre ) …

    … genug füllosiert …. wo ist der Kaffee ? und ein wenig Milch ….

    und … wann wird man je verstehen ? , um dem text oben die ehre zu tun …
    was wäre denn je langweiliger … einmal verstanden … nix als langweiliges verstehen … spannend ist doch eher der vergebliche versuch … in immer neuer version …

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