Linji: sich ohne Unterbrechung auf einen Punkt konzentrieren


LJemand fragte: „Wie steht es mit dem Wahren Buddha, dem Wahren Dharma, dem Wahren Weg? Bitte unterweist mich!“

Linji sagte: „Buddha bedeutet ein reines Herz. Dharma bedeutet ein strahlendes Herz. Der Weg bedeutet ungehindert reines Licht, das alles durchdringt. Drei sind eins. Alle sind leere Namen ohne tatsächliche Substanz. Wahre Übende konzentrieren sich ohne Unterbrechung auf einen Punkt.

Bodhidharma kam deshalb aus Indien, weil er jemanden suchte, der nicht blind den anderen folgte. Später erkannte der Zweite Patriarch, als er das eine Wort Bodhidharmas hörte, zum ersten Mal, dass alle seine frühere Mühe vergeblich war. Die Einsicht dieses Bergmönchs ist von derjenigen der Buddhas und Patriarchen nicht verschieden.

Wenn du es mit der ersten Wendung erlangst, kannst du ein Lehrer von Buddhas und Patriarchen sein. Wenn du es mit der zweiten Wendung erlangst, kannst du ein Lehrer von Menschen und Himmelswesen sein. Wenn du es mit der dritten Wendung erlangst, kannst du nicht einmal dich selbst retten.“

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“
EWahrer Buddha, Wahrer Dharma, Wahrer Weg – lauter leere Namen ohne tatsächliche Substanz. Alle Namen sind leer und ohne tatsächliche Substanz. Sie können also im besten Fall nur ein Fingerzeig sein. Und wenn sich jetzt der Übende ohne Unterbrechung auf einen Punkt konzentriert – habt ihr das schon mal ausprobiert? Malt einen Punkt an die Wand und konzentriert euch darauf! Und … hat’s geklappt? Mit der Erleuchtung, meine ich. Nein? Na ja, vielleicht meint Linji ja nicht irgendeinen Punkt, sondern einen ganz bestimmten Punkt? Hmm, hmm, was der wohl wieder gemeint hat? So ist das halt mit so einem Fingerzeig. Er zeigt irgendwohin – und lässt dich mit dem Sehen dann doch wieder ganz allein.

Bodhidharma suchte jemanden, der nicht blind den anderen folgte. Auch nicht ihm, setze ich einfach mal hinzu. Dazu Huike, der zweite Ch’an-Patriarch erkannte, als er auf die Aufforderung Bodhidharmas hin seinen Geist nicht finden konnte, dass alle seine frühere Mühe vergeblich war. Früher war er den Lehren Buddhas gefolgt, jetzt stand er mit einem Schlag vor dem Nichts. Da war kein Ding, an das er sich festhalten konnte. Das ist genau der Punkt, auf den sich der Übende ohne Unterbrechung konzentrieren soll, sagt Linji. Hat er wirklich „konzentrieren“ gesagt? Konzentration beginnt irgendwann und endet irgendwann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Linji „konzentrieren“ gemeint hat. Aber was hat er denn nun wirklich gemeint?

Ich werde mich hüten, dazu etwas zu sagen. Im letzten Abschnitt weist Linji darauf hin, was geschieht, wenn jemand jetzt zu grübeln anfängt. Das Denken kreist und kreist und entfernt sich immer mehr von diesem verdammten „Punkt“. Linji sagt: „Wenn du es mit der ersten Wendung erlangst, kannst du ein Lehrer von Buddhas und Patriarchen sein. Wenn du es mit der zweiten Wendung erlangst, kannst du ein Lehrer von Menschen und Himmelswesen sein.“ Na immerhin akzeptiert er noch „die zweite Wendung“. Aber eigentlich könnte der Groschen schon bei der ersten Wendung fallen. Das nennt man dann „plötzliche Erleuchtung“. Das ist so plötzlich, wie wenn dir jemand mit einer Nadel in deinen Allerwertesten piekst und du unmittelbar „Au!“ schreist. Da musst du auch nicht überlegen. „Zeig mir deinen Geist!“ – „Au!“ Das ist derP

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