Wei Wu Wei: Übung der Nicht-Übung


W
Immer wenn du als ‚du‘ abwesend bist, bist du anwesend als ICH. So kannst du sagen, „Meine Abwesenheit als ‚ich‘ ist meine Anwesenheit als ICH.“

Natürlich bin ICH immer als ICH anwesend, doch wenn ICH als ‚du‘ (oder als ‚ich‘) scheinbar anwesend bin, sieht es so aus, als sei ICH abwesend, d. h., MEINE Anwesenheit erscheint als Abwesenheit.

Du kannst auch sagen, „Meine Abwesenheit als ‚das‘ (was zum Wissen gehören mag) ist meine Anwesenheit als DIES“ (über das man nicht das Geringste wissen kann).

Falls es jemanden gäbe, das zu denken, es zu erfassen, zu verstehen, und sei es nur gelegentlich? …

Anmerkung:
Wenn ICH als ‚du‘ (als Objekt) anwesend bin, sieht es so aus, als wäre ich beständig, ausgedehnt in der Dimension der ‚Zeit‘. Wenn ICH als ‚du‘ anwesend bin, denken andere, dass sie MICH als ‚dich‘ wahrnehmen, und sie sehen ein paar Stückchen ‚deiner‘ Oberfläche, und weitere Teile, die vielleicht in Spiegeln reflektiert werden, doch es sind nur Teile und nur Oberflächen, sodass ICH als ‚Form‘ erscheine, die im ‚Raum‘ ausgedehnt ist.

Wenn ICH als ICH anwesend bin, besitze ICH überhaupt keine objektive Erscheinung, die einer Ausdehnung bedürfte, und ICH bin kein ‚Ding‘, das von Dauer sein könnte. Nur als ‚du‘ bin ICH in Form als Erscheinung entfaltet und benötige zeitliche Dauer. Als ‚ich‘ gibt es mich überhaupt nicht, denn als Objekt bin ICH stets ‚du‘, da jegliche mögliche Form von MIR ‚du‘ bist.

ICH kann nur als ‚du‘ gesehen oder erkannt werden, doch ‚andere‘ gibt es keineswegs – nur ‚du‘ als ICH, denn außer als Erscheinung existiere ICH in keiner Art und Weise, die ‚du‘ verstehen könntest, denn ‚du‘ kannst nur verstehen, was ‚du‘ in ‚deinem‘ Zustand des geteilten Geistes objektivierst, und ‚du‘ kannst nicht objektivieren, was ICH bin, weil ICH alles bin, was ‚du‘ bist.

aus: Wei Wu Wei, „Nachrufe“DBeim Lesen des Textes von Wei Wu Wei wäre es vielleicht hilfreich, seinen Hinweis ernst zu nehmen: „‚du‘ kannst nur verstehen, was ‚du‘ in ‚deinem‘ Zustand des geteilten Geistes objektivierst, und ‚du‘ kannst nicht objektivieren, was ICH bin, weil ICH alles bin, was ‚du‘ bist.“

Na ja, hilfreich für wen? Für MICH sicher nicht. Bleibt nur (scheinbar!) hilfreich für ‚mich‘ als Erscheinung. Ist das eigentlich nicht überflüssig wie ein Kropf, für eine Erscheinung scheinbar hilfreich sein zu wollen? Was soll also dieses penetrante Alles-Verstehen-Wollen? Bist das überhaupt ‚du‘, der verstehen will? Oder bin es nicht vielmehr ICH als ‚du‘, der scheinbar verstehen will, was nicht zu verstehen ist? Habe ‚ich‘ als Erscheinung denn dann eine Wahl, verstehen bzw. nicht verstehen zu wollen?

Ich muss gerade wieder an Oshos „Ich bin hier um euch zu verwirren!“ denken. Natürlich geht es dabei erst einmal darum, erstarrte Vorurteile, Meinungen, angebliches Wissen kräftig durcheinander zu schütteln, um überhaupt offen zu sein für möglichst vorurteilsfreies Hinschauen und Staunen und das vor dem Hintergrund der Einsicht, dass da niemand ist, der was auch immer wissen könnte. A

Nicht einmal das!

 

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10 Antworten zu Wei Wu Wei: Übung der Nicht-Übung

  1. Pingback: Übung der Nicht-Übung  | BEWUSSTscout - Wege zu Deinem neuen BEWUSSTsein

  2. Eno Silla schreibt:

    Übung der Nicht-Übung?
    Sei doch einfach – so wie es ist!
    Hahaha – ist überhaupt etwas anderes möglich?

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    • Nitya schreibt:

      Wenn schon, denn schon, lieber Eno.

      „Sei doch einfach – so wie es ist“

      Wie kann ich jemandem raten, einfach zu sein, wenn er doch schon immer ist?

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    • Nitya schreibt:

      Das ist natürlich ein alter Hut. Ich musste gerade an das Buch des ehrwürdigen Subhash denken „Bleib still!“ Dann machte er ein paar Verrenkungen und änderte den Titel in „Bleib still!“ Für die nächste Änderung hätte ich vorgeschlagen: „Stille ist.“ Gannz ohne Ausrufezeichen. Eigentlich verrenken wir uns alle, sobald wir den Mund aufmachen und schaffen es doch nie, das Unsagbare zu sagen.

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,
        „eigentlich verrenken wir uns alle, sobald wir den Mund aufmachen und schaffen es doch nie, das Unsagbare zu sagen.“
        Genau so, und so bleibt es spannend, frisch und immer wieder neu. Wenn es je gelingen würde, dann wärs doch aus mit dem Spass und überall würden die Bescheidwisser uns zurecht auf den richtigen Pfad zurückpfeifen… Aber es hat ne Weile gebraucht das zu kapieren. Jetzt ist es wie es ist:
        die Dinge tauchen auf und ab. Worte erzeugen Freude und Ärgernis. Mit dem Glauben nur, wills nicht mehr so klappen – aber ein Genuß die nüchterne Betrachtung (oder auch nicht🙂 )!
        Heute war wieder mal ein sooo schöner Herbsttag. Auf meinem Rad vor mich hinträumend unter buntem Herbstlaub, war eine Fliege des großen Meisters Keisaku, direkt in den halb offensteheden Mund in der Luftröhre ihr Leben aushauchend und mich hustend und würgend ins Hier und Jetzt katapultierend😉 !

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      • Nitya schreibt:

        Und … hast du dich auch artig verneigt vor der Fliege des großen Meisters Keisaku, die ihr Leben gab, um dich alten Träumer wieder ins Hier und Jetzt zu katapultieren?

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      • Eno Silla schreibt:

        Ja, ich habe mich verneigt! Insgeheim habe ich aber auch die Befürchtung, dass sie in mir weiterlebt (ich höre sie in mir summen)… Es war ja nicht die erste Fliege, die auf diesem Wege in diesen Körper eindrang. Es gibt da noch die Vorstellung, dass in den Tiefen der Lunge alle Fliegenleichen wie in einem Mausoleum begraben liegen (Eno: ein Fliegenleichen Mausoleum).

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      • Nitya schreibt:

        Museum

        Wie hab ich mir das Museum vorzustellen? So ungefähr, bloß noch viel mehr Eno-Erwecker?

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      • Eno Silla schreibt:

        Ja, sehr schöne Sammlung an Fliegenleichen🙂 , so ungefähr nur dunkler, eine tiefe Gruft, die dieser Eno-Körper bildet und an tiefster Stelle das Grabmahl der Eno-Erwecker… Ein paar mehr warens schon!

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