Hui Hai: Scheiße hineintragen

 LWenn du den Buddha oder Erleuchtung suchst, ja, irgendetwas Existentes oder Nicht-Existentes, dann nennt man das: Scheiße hinein- und nicht hinaustragen!
N1
Da scheint ja mal wieder jemand mächtig genervt gewesen zu sein, wenn er sich so drastisch ausdrückt. Um welchen Scheiß geht’s denn da dem Hui Hai? Eigentlich geht’s ihm dabei gar nicht um den Gegenstand irgendeiner Suche, sondern um die Suche selbst. Irgendetwas zu suchen, nennt er Scheiß, wurscht was. Was soll denn am Suchen so schräg sein, dass ihn das derart in Rage bringt? Ich erinnere an das von Schubert vertonte romantische Gedicht Georg Philipp Schmidt von Lübecks „Des Fremdlings Abendlied“ (Der Wanderer) mit der berühmten Schlusszeile: Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück:


Ich kenne kaum ein Gedicht/Lied, das es so treffend auf den Punkt bringt. Der Sucher ist immer da, wo er nicht ist. Da ist immer nur eine Vorstellung von Dort und Dann und niemals Gegenwärtigkeit. Wenn Buddha sagt: „Es gibt keinen Weg zum Glück, Glücklichsein ist der Weg.“ dann meint er genau das, was auch Hui Hai anspricht.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb das Gedicht: „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide! Allein und abgetrennt von aller Freude.“ Es wurde mehrfach vertont. Hier die Version von Tchaikovsky:


Sich daran leidvoll zu berauschen nennt Hui Hai ganz brutal „Scheiße hineintragen“ und er scheint wenig Mitgefühl für den tiefen Schmerz der Sehnsüchtigen zu kennen. Sein einziger Rat scheint zu sein: „Nun trag die Scheiße auch schön wieder hinaus!“ Es stinkt nach Ego.N2Im Thomas-Evangelium findet sich die Stelle: „Was hineingeht in euren Mund, wird euch nicht verunreinigen. Aber das, was euren Mund verlässt, das ist es, was euch verunreinigen wird.“ Das, was in den Mund hineingeht, ist zum Beispiel ein Käsebrötchen. Das, was den Mund verlässt, sind zum Beispiel Lieder der Sehn-Sucht.

„Glücklichsein ist der Weg.“

K

 

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