Osho: Wähle also nicht, lass es so, wie es ist.


O„Die einen verstehen das Schöne am Leben, nicht aber seine hässliche Seite. Die anderen verstehen die hässliche Seite des Lebens, nicht aber seine Schönheit. Wieder andere verstehen das Abstoßende am Tod, nicht aber die Ruhe, die er schenkt. Und schließlich gibt es welche, die zwar die Ruhe des Todes verstehen, nicht aber seine Hässlichkeit“ – dabei ist beides immer dasselbe! Du wählst die eine Schublade, jemand anders wählt eine andere Schublade …

Man darf nichts ausklammern, man muss immer beides akzeptieren – und zwar so sehr, dass es da gar nichts mehr zu wählen gibt. Das Leben ist hässlich und das Leben ist schön; und der Tod ist hässlich und der Tod ist Lschön – denn die ganze Existenz besteht aus dialektischen Prozessen. Dein linkes Bein bewegt sich, weil dein rechtes Bein still steht; nur dadurch, dass das eine Bein stillsteht, wird Fortbewegung möglich. Die Fortbewegung wird durch den Stillstand ermöglicht.

Ich kann nur deshalb zu euch sprechen, weil tief in mir etwas ist, das immerzu schweigt. Das Wort bezieht seinen Sinn, seine Bedeutung nur aus dem Schweigen. Wäre kein Schweigen da, würde das Wort bedeutungslos, zum bloßen Blabla. Wenn das Wort Bedeutung hat, dann denkt immer daran, dass es seine Bedeutung aus dem Schweigen zieht, dass das Schweigen sich in das Wort ergießt und das Wort aufleuchten lässt.

Liebe ist deshalb schön, weil es die Möglichkeit des Hasses gibt; andernfalls wäre die Liebe so süß, dass man zuckerkrank davon würde! Immer nur Zucker, Zucker, Zucker … Nein, das Salz gehört auch dazu; der Hass steuert das Salz zum Leben bei. Aktivsein ist gut, aber wenn es ganz ohne Inaktivität ist, wird es zur Neurose, zur Hektik. Inaktivität ist gut, aber ganz ohne Aktivität, wird daraus eine Art Tod – Lethargie, Abstumpfung. Beides zusammen ist gut, ist als Ganzes gut.

Tao zufolge ist das Ganze gut: Wähle also nicht, lass es so, wie es ist. So, wie es ist, beruht es auf Weisheit. Diese Welt ist die beste aller möglichen Welten. Sie lässt sich einfach nicht verbessern. Akzeptiere beides, und durch diese Akzeptanz gehst du über beides hinaus.

aus: Osho, „The Pathless Path“

PIch vermute mal, dass es Texte wie dieser waren, die Tony Parsons dazu bewegten, sich enttäuscht von Osho abzuwenden. „Wähle also nicht, lass es so, wie es ist.“ Jede Wahl, würde Tony Parsons vermutlich sagen, ist reine Einbildung. Es geht nicht darum, zu wählen oder nicht zu wählen, sondern darum, dass da überhaupt niemand ist, der wählen könnte. Es gibt also höchstens einen scheinbaren Jemand (eine Erscheinung), die zu glauben scheint, wählen zu können. Das wäre dann nicht einmal arrogant, denn um arrogant sein zu können, müsste da überhaupt erst einmal jemand sein, der sich einbildet, wählen zu können. Dieser Jemand existiert einfach nicht. Ich kenne Texte von Osho, in denen er genau dies sagt. Aber an anderer Stelle klingt es wieder ganz so, als ob es da doch jemanden geben würde, der wählen könnte. Mal sagt er es so, mal ganz anders und dann wieder sagt er was ganz anderes. Ich hatte damit nie ein Problem, aber ich kann verstehen, dass man an diesen widersprüchlichen Aussagen auch verzweifeln kann.

Tony Parsons scheint an die Sache wie ein Wissenschaftler heranzugehen. Wenn da niemand ist, dann kann nicht plötzlich wieder jemand sein. Das schließt sich aus. Osho hatte nie irgendwelche Skrupel, sich ständig zu widersprechen. Er liebte diese Widersprüchlichkeit geradezu. „Ich bin hier, um euch zu verwirren.“ sagte er. Er wollte nicht ein Glaubenssystem durch ein anders ersetzen. Tony Parsons, so recht er hat, kann man auswendig lernen, überall wiederkäuen und weiterschlafen. Osho hätte da wohl diskret darauf hingewiesen, dass das halt der Unterschied zwischen einem Lehrer und einem Meister wäre. Ein Lehrer vermittelt einen bestimmten Sachverhalt, ein Meister will aufschrecken. Was kümmert einen Meister irgendeine Lehre?

„Wenn das Wort Bedeutung hat, dann denkt immer daran, dass es seine Bedeutung aus dem Schweigen zieht, dass das Schweigen sich in das Wort ergießt und das Wort aufleuchten lässt.“ Was ist die Lehre des Schweigens? Schweigen kennt keine Lehre. Das Schweigen, das Osho hier anspricht, ist der Ursprung von allem. Wer will sich denn selbst mit einer Lehre abspeisen, wenn ihm doch der Ursprung von allem offen steht? Deshalb interessiert sich kein wirklicher Meister für irgendeine Lehre. Das ist ein alter Kampf der Lehrer gegen die Meister. Lehrer waren immer die Hüter des „Wissens“, was stets dazu führte, dass sie letztendlich mehr an Macht als an Wahrheit interessiert waren. Meister waren die Mystiker, die immer wieder von den Lehrern verfolgt und zum Teil umgebracht wurden. Würde Jesus heute leben, müsste er erneut gekreuzigt werden. Die Christen waren und sind wie die Muslims eifrige Jäger von Ketzern und Häretikern und Feuer und Schwert gehörten schon immer zu ihrem Lieblingsspielzeug.

hmmWähle oder – lass es bleiben! Es geschieht eh, was geschieht. Oshos Rat „Lass es so, wie es ist.“ werde ich jedenfalls nicht befolgen. Wenn ich Zahnschmerzen habe, werde ich es nicht bleiben lassen, sondern zum Zahnarzt zu gehen. Wie hat Osho am Ende von Rajneeshpuram gesagt: „Hab ich gesagt, ihr sollt blöd sein?“ Na bitte.

 

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2 Antworten zu Osho: Wähle also nicht, lass es so, wie es ist.

  1. fredo0 schreibt:

    Ein feiner Text des Herrn Osho … besonders der Hinweis , dass Schweigen die Basis der Worte ist … und beides einander bedingt …

    Doch dann bin ich beim lesen auch an diesem „wähle nicht“ hängengeblieben … ( ist mein zweiter Vorname etwa auch Tony ? ) …

    Ich habe es dann einfach mit „bevorzuge nicht“ ersetzt … ich kann zwar auch nicht nicht bevorzugen … aber irgendwie drückt es doch so halbwegs dieses „mitgehen mit dem was da erscheint“ aus …

    mein Lieblingsbild dazu ( manchmal finde ich Bilder „vielsagender“ als Begriffe ) :
    „die Fahrt in einem Kanu durch den Grand Canyon auf dem reißenden ColoradoRiver“ ..
    Ich darf da nicht nur eine Richtung „wählen“ , oder halt nur nicht wählen. Dann werde ich alsbald scheitern . Eine Fahrt auf einem reißenden Fluss erfordert zwar in jedem Moment „Wahl“ aber halt kein Festhalten an dieser „Wahl“ … denn nur dann werde ich erfolgreich den GrandCanyon passieren , wenn meine Wahl ( des Rudersetzens ) ihre sofort folgende Korrektur ( falls nötig ) einschließt und ermöglicht ! … also bereits das möglich Ende dieser Wahl und ihr mögliches Gegenteil in ihrer Aus“Wahl“ im Moment beinhaltet ist , dann kann das ausgewählte Rudersetzen die wilde Fahrt gar fein an den Klippen und Untiefen vorbeileiten . Doch nur dann , wenn ich , als Ruderer , das Gespühr behalte dafür wohin die Strömung des Flusses „will“ . Versuche ich dagegen zu „wollen“ werde ich scheitern und ersaufen … „Will“ ich jedoch klug kooperierend ( ! ) mit der Strömung , und dabei stets mein „wollendes“ Rudern an der Strömung korrigierend , dann kann ich die wilde Fahrt gar kommod erleben … Indem ich mich als Ruderer nicht zur Strömung selbst mache , sondern nur zum Mitwirkenden , dessen Intelligenz und Gewitzheit genau für diese Aufgabe der Mitwirkung recht nützlich sein kann …

    Der „Punkt“ der Betrachtung scheint also nicht die „Wahl“ an sich zu sein , sondern ein „wollendes“ Festhalten an ihr.

    Also kein entweder oder , sondern ein sowohl als auch , wenn auch etwas „anders“ …

    oder so ähnlich …😀

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    • Nitya schreibt:

      Das ist ein treffendes Bild: “die Fahrt in einem Kanu durch den Grand Canyon auf dem reißenden ColoradoRiver” und deine Erläuterung bringt es schön auf den Punkt: „Eine Fahrt auf einem reißenden Fluss erfordert zwar in jedem Moment ‚Wahl‘ aber halt kein Festhalten an dieser ‚Wahl‘ … denn nur dann werde ich erfolgreich den GrandCanyon passieren , wenn meine Wahl ( des Rudersetzens ) ihre sofort folgende Korrektur ( falls nötig ) einschließt und ermöglicht !“ Wobei du richtig das Wort Wahl in Tüttelchen gesetzt hast, denn eigentlich tust du ja nur, was notwendigerweise zu tun ist, du gehst also nur mit dem, was dir der Fluss zwingend vorschreibt und sperrst dich nicht dagegen. Du bist völlig dem Fluss hingegeben, du bist gewissermaßen völlig Teil des Flusses geworden, genau so wie etwa ein Lachs Teil des Flusses geworden ist, nachdem er vorher Teil des Meeres war.

      Und wer hat nu recht? Osho oder Tony Parsons? Beide natürlich, falls man den Begriff Rechthaben hier überhaupt bemühen will.

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