Karl Renz: Letzten Endes gibt es kein Ende

 

Karl-Renz
Du hast keine Mutter, keinen Vater, keine Frau,
keinen Sohn, keinen Verwandten, keinen Freund.
Du bevorzugst nichts und lehnst nichts ab.
Warum leidet dein Verstand dann Qualen?

aus: Dattatreya, Avadhuta Gita [1,63]

Karl: Nichts verschafft dir Befriedigung. Alles ist leer. Weder Trinken, noch Freunde, keine Familie, keine Arbeit. Das alles (pustet in die Luft) – leer. Wie eine Leere. Keine Hoffnung mehr, in nichts. In nichts kannst du mehr etwas Angenehmes finden. Davor warst du im Ashram und du warst so glücklich mit der Energie und dem ganzen Shakti-Mist. Jetzt ist es so leer. Selbst dieser Licht Mist Kundalini – wer um alles in der Welt braucht so einen Mist? Das alles wird völlig leer, und das nennt man Gnade.

Frage: Und dann?

Karl: Nichts dann. Du wirst einfach gekreuzigt, zu dem, was-du-bist – das ist alles. Du wirst vom Speer des Schicksals durchbohrt. Dein Schicksal ist es, dir Selbst bis in alle Ewigkeit ins Auge zu sehen. Es gibt kein „dann“. Es wird immer ein Dann geben und ein dann und ein dann – endloses dann – die Hoffnung, dass es an ein Ende kommt – aber das hat kein Ende. Letzten Endes gibt es kein Ende.

aus: Karl Renz, „The Song Of Irrelevance“

In meinem gestrigen Beitrag findet sich der Satz: „Und wieder war das Gefühl da, etwas unwiederbringlich verloren zu haben.“ Heute sagt Karl Renz: „Davor warst du im Ashram und du warst so glücklich mit der Energie und dem ganzen Shakti-Mist. Jetzt ist es so leer.“ Beides weist auf dieselbe Geschichte hin: Alles ist leer. Gerade fühlte es sich doch so gut an, so heimelig und kuschelig und dann und dann und dann – oh, du lieber Augustin, alles ist weg! Statt „und dann und dann und dann“, könnte es auch heißen: weg, weg, weg. Wie gewonnen, so zerronnen. Und das Festhalten am letzten schönen „Dann“ fühlt sich einfach beschissen an. „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“ Von wegen! Wer will denn schon zugrunde gehen? Dann – kommt gefälligst das nächste „Dann“.

H
Möglicherweise geht es ja auch den umgekehrten Weg, wie er symbolhaft in dem Märchen „Hans im Glück“ vorgezeichnet ist. Hans wird für seine treuen Dienste mit einem Goldklumpen beschenkt. Der ist ihm zu schwer und so tauscht er ihn freudig in ein Pferd um. Das wirft ihn ab usw. usw. – immer denkt er, er hätte etwas Besseres eingetauscht und hat doch zumindest rein materiell verloren und verloren. Zuletzt plumpst ihm der Schleifstein in den Brunnen und Hans ist endlich frei von dem ganzen Gelumpe, eilt nach Hause in die Arme seiner Mutter und kann von Herzen glücklich sein.

Und die Moral von der Geschicht? Die Geschichte von Grock und die Geschichte von Karl scheinen sich nur zu widersprechen. Sie sind einfach die zwei Seiten ein und derselben Medaille.

P

 

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