Wei Wu Wei: ICH mache das.


Wei-Wu-Wei
Zu behaupten, es gäbe nur ein einziges Subjekt, ist Unsinn:
Es gibt überhaupt kein Subjekt.
‚Ein Subjekt‘ ist eine Erfindung, um ein Objekt zu rechtfertigen.
Doch das Objekt hat keinen Bedarf für ‚ein‘ Subjekt (das damit
auch ein Objekt wäre),
Denn es ist nur eine Vorstellung im Geist.
Alle Vorstellungen sind Objektivationen:
Niemals gab es ‚ein‘ Objekt,
Und so kann es niemals ‚ein‘ Subjekt gegeben haben.
Wer also objektiviert all die objektiven Erscheinungen?
ICH mache das.

aus: Wei Wu Wei, „Nachrufe“S„Alle Vorstellungen sind Objektivationen.“ Da bin ich und ich stell mir was vor. Subjekt sieht Objekt. Jeder würde da zustimmen. Es ist die Grundlage dessen, was Dualismus genannt wird. Es ist unsere gesamte Welt. Wei Wu Wei stellt das immer wieder radikal in Frage. „‚Ein Subjekt‘ ist eine Erfindung, um ein Objekt zu rechtfertigen.“ sagt er. Ich könnte es auch umdrehen und behaupten: „‚Ein Objekt‘ ist eine Erfindung ‚, um ein Subjekt zu rechtfertigen.

Im Deutschunterricht wird einem beigebracht: „Sätze können kurz sein. Damit man aber überhaupt von einem Satz im grammatischen Sinne sprechen kann, sind zwei Satzglieder zwingend notwendig: Subjekt (der Handelnde) und Prädikat (die Handlung). Ergänzend tritt das Objekt hinzu, das etwas über das Ziel der jeweiligen Handlung aussagt.“

Das hat man fest in unsere Köpfe eingebrannt. Subjekt: „man“, Prädikat: „einbrennen“, Objekt: „unsere Köpfe“ – wer ist in der Lage, nicht in diesem Schema zu denken? „Hansi Hunger“, sagt der kleine Hans und kümmert sich nicht darum, ob man hier von einem Satz im grammatischen Sinne sprechen kann. Da könnte man jetzt noch lange dran rumfieseln und sich gebührend bedauern, was man da mit uns gemacht hat, und während wir das betreiben, vergessen wir wahrscheinlich, dass wir munter im alten Hamsterrad herumrennen: Subjekt – Prädikat – Objekt.
R

Wir? Sind wir die Macher? Sind wir die Opfer? Wer macht denn nun das alles?

„ICH mache das.“ sagt Wei Wu Wei.

Wer verdammt nochmal ist ICH?

HWer dreht da bloß die ganze Zeit am Rad?

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4 Antworten zu Wei Wu Wei: ICH mache das.

  1. fredo0 schreibt:

    Bei etwas differenzierter Betrachtung könnte klar werden … es ist noch nicht einmal das konkrete Erleben von AllTag was dieses Subjekt/Prädikat/Objekt erschafft .
    Im konkreten Erleben ist einfach nur – DAS . Ein Das , was wir dann allerdings später Ereignis nennen . ( Er-eig-nis : ein zu „eigen“ gewordenes ) .
    Womit wird ein Ereignis „zu eigen“ ? – durch Erinnerung . und was macht Erinnerung ? … sie erzeugt Er-Eig-Nis … ein DAS wird zu „eigen“ erklärt ( umgedeutet / definiert ) .
    „Ich habe eine Erinnerung – es ist „mein“ Erleben“ … dies Label wird aufgepappt in dem die Erinnerung dem schlichten DAS-Geschehen einen Ich-Helden ( als ein das Er-eig-niss Erlebenden ) dazu addiert.

    Aus einer ursprünglich wohl der besseren Effizens dienenden Addition der Erinnerungsfunktion , die einen (zusätzlichen) „ich“-helden erschafft , wird somit durch Gewöhnung ein Problem .
    Denn vor das un-mittel-bare Erleben schiebt sich nun durch schlichte Gewohnheit peu-a-peu ein dann dauerhafter Erinnerungs-Filter . Trennung ist implantiert … Welt und Geschehen wird nicht er-lebt , sondern er-innert.

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    • Nitya schreibt:

      Mir fiel dazu spontan das ER-EIG-NiS ein, bei dem ich beinahe mit dem PKW zwischen zwei LKWs von diesen zerquetscht worden wäre. Wie sollte ich den Vorgang auch anders beschreiben. Erlebt hab ich ihn anders. Beim Überholvorgang taucht plötzlich wie aus dem Nichts ein entgegenkommender LKW auf. Im Augenwinkel erscheint gleichzeitig ein kaum sichtbarer Weg auf, Lenkrad herumreißen und in den Weg hineinrasen war ein einziges Ganzes. Da war weder Zeit noch ein Ich, das das gemacht hätte. Die Erinnerung danach war sehr bruchstückhaft. Der Verstand musste die fehlenden Teile zusammensetzen, um daraus eine stimmige Geschichte zu basteln – einschließlich einer Person, die blitzatrtig das Lenkrad herumriss und mit etwa 120 km/h in diesen Feldweg hineinfuhr. In Erinnerung blieb allerdings auch, dass da weit und breit kein Ich-Held war, der sich stolz hätte auf de Schulter klopfen können. Du hast völlig recht, die Erinnerung machte das Erleben zu einem Er-eig-nis. Wenn da auch niemand aktiv beteiligt war, so ist es doch meine Erinnerung.

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