Das Narrenschiff – Jetzt ist Tat-Zeit!


N

 

All die zahlreichen Dinge
haben nie von sich aus
von Leere gesprochen oder von Form,
von richtig und falsch,
Beschmutzung oder Reinheit.

Hui Hai

Ich erzählte schon davon: Als ich vor vielen Jahren dem kybernetischen Managementmodell begegnete, war ich total begeistert. Das Modell war Mütterchen Natur abgelauscht worden und fand sich in einer Vielzahl technischer Entwicklungen wieder. Dass damit auch das Tun von Menschen zum gegenseitigen Nutzen organisiert werden konnte, leuchtete mir sofort ein. Ich begeisterte mich auch für den Gedanken, dass betriebliche Abläufe mit diesem Modell transparent gemacht werden konnten und auf den ersten Blick zu erkennen war, wieviel Autonomie der Einzelne hatte bzw. wie sehr er hierarchischen Strukturen unterworfen war. Kurz: Mit diesem Modell schien mir alles machbar zu sein.

Pustekuchen. Theoretisch schien das zwar alles bestens zu funktionieren, praktisch aber erwies sich der Faktor Mensch als völlig unberechenbar. Anstatt sich über mehr Autonomie zu freuen, bevorzugten viele den alten hierarchischen Trott. Damals merkte ich, wie schwer es mir fiel, eine so brillante Idee wieder loszulassen. Dass die Menschen noch nicht reif für so ein Idee waren, tröstete mich in keiner Weise, insbesondere weil mir das Ergebnis eines langen „Reifungsprozesses“ völlig ungewiss zu sein schien.

Ich hätte es wissen müssen. Der Laudse aus Jugendjahren hatte schon die ganze Zeit ob meiner Bemühungen den Kopf geschüttelt, aber das missachtete ich leider erst mal sträflich. Der Fehler lag natürlich nicht in der Art des Managements, sondern darin, dass ich mich für den Manager hielt, für den Macher. Dass die alten Daoisten, Buddha höchstselbst oder die hinduistischen Weisen schon vor Jahrtausenden sagten, dass dieser Macher reine Illusion sei – na ja, vielleicht ordnen wir sie ja immer wieder fataler Weise bei den Religioten ein. Die darf man ja aus guten Gründen nicht ernst nehmen mit ihrem Glauben an den Klapperstorch und den Weihnachtsmann. Die von mir genannten asiatischen Weisen waren keine Gläubigen, sie waren auch keine Ungläubigen, sie hatten überhaupt nichts mit Religion nach westlichem Verständnis zu tun. Sie waren Wissenschaftler, und wir täten gut daran, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie würden allesamt sagen: Wenn Tun geschieht, dann geschieht Tun. Einen Tuer gibt es dabei nicht. Im Moment geschieht hier Tippen, also Tun. Tun ohne Tuer. „Ich“ ist nur ein Hilfskonstrukt, um auf den scheinbaren Tipper zu zeigen. Das mag ja manchmal ganz sinnig sein, sorgt aber gleichzeitig für eine ständige Verstärkung des Glaubens an einen Tuer. Wer immer an dieses Märchen glaubt, segelt mit auf dem Narrenschiff und versucht, in seinem Sinn die Welt zu verbessern. Was dabei rauskommt, können wir täglich beobachten.C

http://www.kontext-tv.de/node/490

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Das Narrenschiff – Jetzt ist Tat-Zeit!

  1. Gerhard Mersmann schreibt:

    Sehr gelungen 😎

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s