Wei Wu Wei: eine kurze Beschreibung, wie Dualität entsteht

 

WRelatives Denken – Denken, das auf wechselseitiger Bezogenheit von Gegensatzpaaren beruht – ist natürlich ein psychologischer Vorgang und nur auf Objektbeschreibungen anwendbar. Es schafft solche Objekte als bildliche Vorstellungen, um einen Vergleich mit anderen Objekten zu ermöglichen, ebenso wie es Merkmale hinzu denkt, um sie mit gegensätzlichen Merkmalen des zu beschreibenden Objekts vergleichen zu können.

Da die so erdachten Objekte ein Subjekt benötigen, um als Objekte in Erscheinung treten zu können, wird der Vorgang des Denkens zu einem Denker gemacht.

Dies ist eine kurze Beschreibung, wie Dualität entsteht und sich ein Ich-Konzept oder ‚Ego‘ herausbildet.

Das, was denkt, kann hierbei in keiner Weise erfasst werden, denn es kann kein Objekt sein und sich deshalb nicht ’selbst‘ erfassen. Gleich wie präzise und effizient das relative Denken in der Beschreibung von Objekten sein mag, für die Beschreibung des Nicht-Objektiven ist es in keiner Weise geeignet. Es mag sich in Feldern wie der Physik oder der Philosophie als hochwirksam erweisen, für jegliches Denken in metaphysischen Belangen ist es bedeutungslos. Für das Subjektive und Noumenale hat das relative Denken nichts zu bieten.

aus: Wei Wu Wei, „Nachrufe“

IGuten Morgen, Arschloch!

Kein Zweifel, „der Morgenmuffel“ hält sich für den, den er da im Spiegel erblickt. Ja, „er weiß“, dass das nur sein Spiegelbild ist, was „er da sieht“, aber der, der da im Spiegel erscheint, das ist ganz sicher er – wer denn auch sonst? -, und der Spiegel verschafft ihm die Möglichkeit, sich selbst freundlich begrüßen zu können. So fühlt man sich nicht ganz so allein. Ist schon erstaunlich, wozu Bewusstsein in der Lage ist. Es ist in der Lage Denkprozesse zu kreieren, die Objekte in Form von bildlichen Vorstellungen erschaffen können, die auf der wechselseitiger Bezogenheit von Gegensatzpaaren beruhen. Für diese Objekte kreiert Bewusstsein ein scheinbar wahrnehmendes Subjekt, mit dem es sich völlig identifizieren kann und das es in der Folge „Ich“ nennt. (Wenn ich überall Gänsefüßchen dahin machen würde, wo sie eigentlich hingehören, könnte ich im Grunde den ganzen Beitrag in Gänsefüßchen setzen.)

In diesem Prozess ist der Urheber des ganzen Desasters in keiner Weise sichtbar und wird deshalb – oh Wunder! – zwangsläufig ständig übersehen. (Kann man etwas Nicht-Sichtbares übersehen?) Insofern ist es wirklich kein Wunder, dass ich in meiner Sozialisation nie davon gehört habe. Dies ist insofern bedauerlich (für wen bedauerlich?), da das Nicht-Wissen in Bezug auf die nur scheinbare Ego-Existenz fatale (für wen fatal?) Folgen zu haben scheint. All die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Menschen lassen sich auf seine Gläubigkeit zurückführen. Und auch hier muss ich fragen: Wessen Gläubigkeit?

Dies führt fast zwangsläufig zu der Aussage, dass alles genauso, wie es ist, nicht das Geringste zu tun hat mit irgendwelchen vom Ganzen getrennten Entitäten, die etwa aus ihrem freien Willen heraus die Welt gestalten oder in Schutt und Asche legen könnten.

LDresden nach der Wiedervereinigung und Nagasaki nach dem Atombombenabwurf

(Nochmals herzlichen Dank, Dieter, für das Video!)

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2 Antworten zu Wei Wu Wei: eine kurze Beschreibung, wie Dualität entsteht

  1. Eno Silla schreibt:

    Dualität

    Die Welt ist in Bewegung
    Die Welt wandelt sich
    Kein Stillstand absehbar
    In einer dualen Welt
    Stetige Veränderung

    Gut und schlecht
    Krieg und Frieden
    Es erscheint so und so
    Als Vieles

    Wem erscheint es
    Wer erfährt
    Was ist hier anwesend
    Was ist dieses Beobachtende

    Tiefe Stille des Nichtwissens
    Jenseits von Dualität
    Von Dualität und Nichtdualität
    Jenseits und Diesseits
    Aller Begriffe – Konzepte – Bilder

    Quelle
    Potenzialität
    Unendlich beschreibbar
    Doch nie beschrieben
    Unendlich erklärbar
    Doch nie erklärt

    Sein
    Um sich selbst
    Durch sich selbst
    Spiralisierend

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