Jed McKenna: ich ziehe vor, was das Universum vorzieht

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Du hast mich nach einem Beispiel gefragt für diese integrierte, kokreative Beziehung zum Universum, und dieser Unfall ist ein sehr gutes Beispiel. … Hingabe gehört zum Wesen dieser Beziehung, von der ich rede. Du hast recht, persönlich hätte ich es vorgezogen, keinen Unfall zu haben und nicht so zugerichtet zu werden, aber was ich bevorzuge, fällt nicht wirklich ins Gewicht. Es gibt etwas, das ich mehr als alles andere vorziehe, und das ist stets das, was das Universum vorzieht. Ich muss es nicht mögen oder verstehen, obwohl das für gewöhnlich der Fall ist. Der kleine Unfall, den ich hatte, ist gar nichts, es ist nur die Art und Weise, wie das Universum mit uns kommuniziert: laut genug, um gehört zu werden, aber auch nicht lauter.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

Beim Lesen dieser Textpassage fiel mir wieder dieser denkwürdige Tag meiner „Entlassung“ aus der Klinik nach meiner Bypass-OP ein. Ich hatte diese schauderhafte Nacht mit dem stundenlangen Kreislaufkollaps hinter mir und war wild entschlossen, vorzeitig aus der Klinik zu flüchten. Die Stationsärztin ließ mich zwar noch unterschreiben, dass ich eigenmächtig gegen ärztliche Anweisung handeln würde, war aber nicht bereit, mir noch die Elektroden aus der Brust zu ziehen. Ich ließ mich also aus der Klinik zu meinem Lieblingsdoc fahren, der mich freundlicherweise von den Kabeln befreite, die da aus meiner Brust heraushingen. Zuhause wollte ich mich dann erst mal wieder ins Bett legen, stützte mich am Fußende auf, rutschte mit der Hand ab, überschlug mich dabei kopfüber und kam rücklings auf einem Haufen umgestürzter Bücherstapel zu liegen. Da lag ich nun auf dem Rücken und fühlte mich so hilflos wie ein Maikäfer, der nicht mehr auf seine Beine kommt.

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In der Klinik hatten sie mir eingeschärft, ja nicht die Arme zu heben. Das gerade erst aufgesägte Brustbein, hatten sie mit Draht zusammengeflickt. Sie hatten gesagt, bei einem Anheben der Arme könnte es wieder auseinanderreißen, solange es noch nicht wieder zusammengewachsen ist! Und nun das – eine Rolle vorwärts mit den Armen über dem Kopf. Wahrscheinlich würde ich in kürzester Zeit das Zeitliche segnen, dachte ich. Aufstehen war mir völlig unmöglich, ich konnte mich ja nicht einmal mit den Händen auf dem Boden aufstützen, weil da überall nur diese wegrutschenden Bücher lagen. Außerdem war ich viel zu schwach. Aber nach Lamentieren war mir auch nicht. Ich fing also irgendwann an, alle meine mir noch verbliebenen Kräfte zu sammeln und ein Buch nach dem anderen abzuräumen. Immer wieder musste ich lange Pausen machen. Ich brauchte etwa eine Stunde, bis ich das geschafft hatte und mich am Bettgestell hochziehen und ins Bett befördern konnte. Dass ich dabei immer wieder vor Schmerzen fast ohnmächtig wurde, sei nur am Rande vermerkt.

„Es gibt etwas, das ich mehr als alles andere vorziehe, und das ist stets das, was das Universum vorzieht. Ich muss es nicht mögen oder verstehen, obwohl das für gewöhnlich der Fall ist.“ Bei diesen beiden Sätzen fiel mir meine kleine Geschichte wieder ein. Genau so ist es. Ich kann nicht einmal wie Jed McKenna sagen, dass es für gewöhnlich der Fall ist, dass ich das Geschehen mag oder verstehe. Das spielt auch überhaupt keine Rolle, finde ich. Es geschieht einfach und ich schau dem zu. Und das ziehe ich tatsächlich allem anderen vor, solange es überhaupt möglich ist. Na ja, wenn ich eingeschlafen bin, ohnmächtig, narkotisiert, abgenippelt oder was weiß ich, gibt es eh nichts mehr, was ich allem anderen vorziehen könnte.

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4 Antworten zu Jed McKenna: ich ziehe vor, was das Universum vorzieht

  1. Eno Silla schreibt:

    „Es geschieht einfach und ich schau dem zu.“

    Dem „Was-ist“ hingegeben?
    Eine integrierte, kokreative Beziehung zum Universum?
    Das erfahre ich in jedem Moment, der ich bin.
    Es ist so banal wie wunderbar!
    Sogar nicht hingegeben und beziehungslos,
    ist da nichts als Hingabe und Beziehung!
    Ist das nicht offensichtlich?

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  2. #radikalersolipsist schreibt:

    „Ich kann nicht einmal wie Jed McKenna sagen, dass es für gewöhnlich der Fall ist, dass ich das Geschehen mag oder verstehe. Das spielt auch überhaupt keine Rolle, finde ich.“

    Ja sehe ich genauso, denn das „Verstehen“ ist ja sowieso nur eine Interpretation von dem, was ohne die Interpretation bereits Da ist. Da finde ich die Floskel „…wird schon seine Richtigkeit haben“ einfach passend, obwohl ich kein Floskelfan bin…aber genug der Floskeln🙂

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  3. #radikalersolipsist schreibt:

    Hat dies auf Advaita Baboji rebloggt.

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