Huang-po: Kein Geist und kein Dharma

 BF: Täuschung kann uns den eigenen Geist verbergen, aber bisher habt ihr uns nicht gelehrt, wie wir die Täuschung loswerden können.

A: Entstehen und Beseitigen von Täuschung sind beide Täuschungen. Diese wurzeln nicht in der Wirklichkeit, sondern bestehen nur durch dein dualistisches Denken. Wenn du nur aufhörtest, entgegengesetzten Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ anzuhängen, würde die Täuschung von allein aufhören. Wolltest du sie dann noch – wo auch immer – zerstören, würdest du entdecken, dass auch nicht eine Haaresbreite von irgendetwas zurückgeblieben ist, das du erfassen kannst. Dies ist die Bedeutung von: „Ich will mit beiden Händen loslassen. Dann werde ich gewiss Buddha in meinem Geist entdecken.“

F: Wenn es nichts gibt, was ich fassen kann, wie ist dann der Dharma übermittelt worden?

A: Es ist eine Übertragung von Geist zu Geist.

F: Wenn der Geist zur Übermittlung benutzt werden kann, warum sagt ihr dann, dass auch der Geist nicht existiert?

A: Keinen Dharma – welcher Art auch – empfangen heißt geistige Übertragung. Das Begreifen dieses Geistes braucht keinen Geist und keinen Dharma.

F: Wenn es keinen Geist und keinen Dharma gibt, was bedeutet dann Übertragung?

A: Du hörst, dass Menschen von Geist-Übertragung sprechen, und meinst, die sprächen von etwas, das man erhalten kann. Bodhidharma aber sprach:

Das Wesen des Geistes, recht verstanden,
Lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln.
Erleuchtung lässt sich nicht erlangen,
Und der sie findet, sagt nicht, dass er weiß.

Würde ich dies erklären, du würdest es doch nicht verstehen.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

ZHuang-po war der Dharma-Nachfolger von Pai-chang Huai-hai, der wiederum der von Ma-tsu Tao-i, der wiederum der von Nan-yüeh Huai-jang und der wiederum der des 6. chinesichen Patriarchen Hui-neng war. Und nun sagt Huang-po, dass in der sog. Geist-Übertragung Geist und Dharma von niemandem übertragen worden wäre. Was soll dann dieser ganze Quatsch mit der Dharma-Nachfolge oder überhaupt mit irgendeiner Nachfolge? Schon bei den Juden gab es diese Nachfolge und natürlich auch bei den Christen und den Muslims. Aber wie wir sehen gab es diese auch bei den Buddhisten. Kein Roshi, ohne dass dieser stolz seine spirituelle Linie vorweisen könnte und wenn irgendwie möglich eine Urkunde, eine Robe, Bettelschale oder sonst irgendwas Persönliches vom Vorgänger. „Poonjaji hat meine Erleuchtung bestätigt und mich beauftragt, seine Lehre in meiner Heimat weiter zu verbreiten!“ Ach ja – na so was! Hat er das?

Jeder Linienhalter hat einen Vorgänger und sollte einen Nachfolger haben. Berühmt ist die Aufforderung von Jesus an seine Jünger: „Komm und folge mir nach!“ Also zu mir dürfte das niemand sagen und wenn jemand behaupten würde, dass er mir nachfolgen würde, würde ich sagen: „Träum weiter! Jeder ist für sich selbst verantwortlich!“ Mir würde es nicht im Traum einfallen zu sagen, ich würde Heinz Butz nachfolgen. Der arme Kerl könnte nicht das Geringste für einen Typen, der so etwas behaupten würde. Osho war es sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass er niemandem nachfolgen würde, und dass jeder, der es nach seinem Tod wagen würde zu behaupten, er würde ihn channeln, ein Scharlatan sei. Und auch Buddha sagte: „Sei dir selbst ein Licht …“

Huang-po sagt: „Entstehen und Beseitigen von Täuschung sind beide Täuschungen. Diese wurzeln nicht in der Wirklichkeit, sondern bestehen nur durch dein dualistisches Denken. Wenn du nur aufhörtest, entgegengesetzten Begriffen wie ‚gewöhnlich‘ und ‚erleuchtet‘ anzuhängen, würde die Täuschung von allein aufhören.“ Und Bodhidharma: „Erleuchtung lässt sich nicht erlangen, und der sie findet, sagt nicht, dass er weiß.“ Wie könnte er auch, da er doch mitgekriegt hat, dass er nicht weiß, nicht wissen kann. Insofern besitzt er auch keine Erleuchtung, mit der er angeben könnte. Er weiß ja nicht einmal was das sein soll – „erleuchtet“. Wüsste er es, wäre er es nicht.

F

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4 Antworten zu Huang-po: Kein Geist und kein Dharma

  1. Eno Silla schreibt:

    Eicheln sind wie der Keisaku eines Zenmeisters
    Keine Chance in dieser Jahreszeit
    Unter Eichen in Gedankenträumen zu suhlen

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Eno,
      ich hoffe, du bist nicht beulenübersät zu Schaden gekommen!

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,
        mich haben tatsächlich schon einige erwischt in diesem Herbst und die kommen mit einer Affengeschwindigkeit vom Baum geschossen, da macht es ganz schön „klong“ in der Hohlbirne… Erst die Libelle, jetzt die Eichelgeschosse – Zenmeister lauern überall!

        Hab gerade folgendes von Meister Yangqi gelesen:

        Schweigendes Zen
        Jemand fragt Yangqi: „Als der Erste Patriarch von Indien nach China kam, saß der neun Jahre der Wand zugewandt. Was bedeutet das?“
        Yangqi sagte: „Als Inder konnte er kein Chinesisch.“

        Aus: „Der Mond scheint auf alle Türen“

        Sowas erfreut mich!

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno,

        warum wollen diese Migranten auch immer nur diese Parallelgesellschaften gründen und sich ums Verrecken nicht in ihr neues Heimatland integrieren? Kam da nicht einer nach neun Jahren und musste sich erst den Arm abhacken, um von diesem Bodhidharma akzeptiert zu werden? Vielleicht hat Bodhidharma ihn ja dabei erwischt, wie er ihm seine Bettelschale klaute?

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