Osho: die tiefe Logik der Selbstsucht


OMacht euch die Logik, die tiefe Logik der Selbstsucht klar: Das Glück kann keine Inselexistenz führen, nein. Wenn alle um dich rum unglücklich wären, könntest du kaum glücklich sein – praktisch unmöglich; denn die Brandung dieses Unglücksmeeres würde gegen deine Ufer schlagen. Das Elend um dich herum würde dich berühren, es würde dich bis ins Innerste durchdringen.

Ein glücklicher Mensch begreift daher irgendwann folgendes fundamentale Grundgesetz: „Wenn ich glücklich sein will, sorge ich besser dafür, dass die Menschen um mich her glücklich werden.“ Aber er dient nicht den anderen, wohlgemerkt! Er opfert sich nicht auf. Er sucht sich einfach nur selbst, ist selbstsüchtig. Weil er lächeln möchte, bringt er dich ebenfalls zum Lächeln; denn es kann kein isoliertes Lächeln geben, es würde sonst völlig absurd wirken. Stellt euch das nur einmal vor: Du sitzt in einem Raum voller Leute, und als einziger lächelst nur du, und alle anderen blicken finster drein. Du wärst peinlich berührt und bekämst Schuldgefühle: „Warum lächle nur ich, warum lächelt sonst niemand? Irgendwas scheint hier nicht zu stimmen!“ Das nächste Mal wirst du besser aufpassen. Du wirst dich hüten.

Nein, wenn alle mitlachen, fällt es ganz leicht, zu lachen; dein soziales Umfeld gestattet es dir, zu lachen. Wir sind auf unser soziales Umfeld angewiesen, wir sind Teil von ihm. Indem du glücklich bist, ermöglichst du es auch anderen, glücklich zu sein. Und das ist die wahre Nächstenliebe – sie hat mit Aufopferung überhaupt nichts zu tun, sie macht dich auch nicht zum Märtyrer.

aus: Osho, „Tao, The Pathless Path“


Kirche habe ich eigentlich erst im Internat in Windsbach kennengelernt und habe sie kennengelernt als Pflicht, als schwer, als ernst, ja als bedrohlich. Lachen gab es dort nicht, nicht einmal ein Lächeln. Es gab Gebote und Verbote keinerlei In-Frage-Stellen dessen, was man da eigentlich Seltsames trieb, und das Ganze nannte sich Religion. Wie sich das jemand freiwillig antun konnte, war mir immer ein Rätsel. Einziger Lichtblick war eine von einem Oberprimaner geleitete Bibelgruppe, in die ich mich freiwillig begab, weil es der einzige Ort war, an dem alles in Frage gestellt werden konnte, wovon wir auch nur allzu gerne Gebrauch machten. Und: Es durfte gelacht werden.

Osho begeht hier mit seiner Aussage eine schwere Sünde gegen den sog. religiösen Geist. Stirners Maxe hätte wohl seine Freude daran gehabt: „Was soll nicht alles Meine Sache sein! – Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. ‚Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt!'“ Oshos Logik der Selbstsucht sagt: Wenn du für dich gesorgt hast und es dir gut geht, dann ist das Sahnehäubchen auf dem Ganzen, dass es auch den anderen gut geht. Die andere Seite habe ich zur Genüge kennen gelernt: „Wenn alle um dich rum unglücklich wären, könntest du kaum glücklich sein – praktisch unmöglich; denn die Brandung dieses Unglücksmeeres würde gegen deine Ufer schlagen. Das Elend um dich herum würde dich berühren, es würde dich bis ins Innerste durchdringen.“ Ich habe mich immer unter den Batzis und Sauigeln – mir fehlen hier leider die hochdeutschen Begriffe dafür, falls es die überhaupt gibt – wohler gefühlt, als unter den gesellschaftlich korrekten, biederen Mitbürgern, die angeblich immer das Beste für ihre Mitmenschen wollten. Leben und leben lassen stand einem Nicht-Leben und auch niemanden leben Lassen gegenüber.H„Indem du glücklich bist, ermöglichst du es auch anderen, glücklich zu sein. Und das ist die wahre Nächstenliebe – sie hat mit Aufopferung überhaupt nichts zu tun, sie macht dich auch nicht zum Märtyrer.“ Genau dieses Gefühl hatte ich immer: Ich lebe unter lauter Märtyrern. Wer am meisten leidet, kriegt den besten Platz zu Füßen des Herrn oder weiß ich wem. Was daran spirituell sein soll ist mir bis heute völlig entgangen. Da finde ich das folgende Filmchen sehr viel spiritueller.

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2 Antworten zu Osho: die tiefe Logik der Selbstsucht

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