Kabir: Himmel, Erde, Wasser und der Höchste – alles schwingt


KZwischen den Polen des Bewussten und des Unbewussten hat der Geist eine Schaukel errichtet.

Daran hängen alle Wesen, alle Welten, und diese Schaukel hört nie zu schwingen auf. Dort sind Wesen ohne Zahl, dort sind Sonne und Mond in ihrem Lauf – Millionen von Zeitaltern gehen vorüber und die Schaukel hört nicht auf zu schwingen.

Alles schwingt: Himmel, Erde und das Wasser. Und auch der Höchste, indem er Form annimmt.

Kabir


Vielleicht lag es ja an seinem Beruf als Weber, dass Kabir dieses Bild der schwingenden Schaukel einfiel. Auch die Kettfäden schaukelten hin und her, damit er sein Weberschiffchen zwischen ihnen hindurch hin und her bewegen konnte. „Alles schwingt“, sagt Kabir.Und auch der Höchste, indem er Form annimmt.“ Joachim-Ernst Berendt schrieb das Buch mit dem Titel: „Nada Brahma – die Welt ist Klang“. Und Klang ist Schwingung.

„Zwischen den Polen des Bewussten und des Unbewussten hat der Geist eine Schaukel errichtet.“ Wie viele Sucher haben ein Bild von Erleuchtung als einem endgültigen Zustand verinnerlicht. „Wenn ich das einmal erreicht haben werde, werde ich gerettet sein.“ denken sie vielleicht. Aber Kabir widerspricht ihnen: Alles schwingt und die Schaukel hört nie auf zu schwingen. Da gibt es keinen statischen Endzustand immerwährender Glückseligkeit. Der Geist bewegt sich immer wieder zwischen den Polen des Bewussten und des Unbewussten. „Ja, aber ein erwachter Meister ist doch nur noch bewusst!“ denkt der eifrige Sucher vielleicht und absolviert sein tausendstes Aufmerksamkeitstraining. Aber gerichtete Aufmerksamkeit ist Konzentration, und wie lange kann sich ein Mensch in dieser Weise konzentrieren? Irgendwann schaukelt das Bewusste wieder hinüber ins Unbewusste. Spannung wechselt sich ab mit Entspannung. Konzentration ist nicht Meditation. Konzentration ist Absicht und Meditation Absichtslosigkeit. Konzentration ist der Versuch das freie Schwingen und Pulsieren, in dem sich das Tao ausdrückt, zu kontrollieren.

Als die Beatles 1969 ihr „Let it be!“ heraus brachten, war das für viele wie das große Aufatmen, während andere einen Abgrund von Laissez-faire und den Untergang des Abendlandes darin erblickten. Kabir würde vermutlich dazu sagen: „Haltet weder an dem einen noch an dem anderen Pol fest. Lasst das Weberschiffchen hin und her sausen.“

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Eine Antwort zu Kabir: Himmel, Erde, Wasser und der Höchste – alles schwingt

  1. fredo0 schreibt:

    welch schönes bild …
    dieser tanz des hin und her …
    nicht verloren oder getrieben …
    sondern stets die fülle ausnutzend …
    für diesen tanz …

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