Linji: Wenn ihr gehen wollt, dann geht.


L
Lebt einfach im Einklang mit den Umständen und tilgt so euer vergangenes Karma. Akzeptiert die Dinge, wie sie kommen, und tragt ungezwungen eure Kleidung. Wenn ihr gehen wollt, dann geht. Wenn ihr sitzen wollt, dann sitzt. Hegt nicht einen Gedanken an die Suche nach Buddhaschaft.

Warum ist das so? Der alte Weise Bauzhi sagte: „Wenn du dies und das machst, um den Buddha zu finden, dann wird er zum großen Verkünder von Leben und Tod.“

Tugendhafte Mönche, die Zeit fließt dahin, und doch wieselt ihr nur umher bei eurem Versuch, Ch’an zu lernen, den Weg zu studieren, Namen und Phrasen zu erinnern, Buddhas und Patriarchen zu finden. Ihr sucht nach guten Lehrern und stellt Mutmaßungen an. Täuscht euch nicht: Ihr stammt letztlich von einem Vater und einer Mutter ab. Was müsst ihr da noch suchen? Richtet das Licht auf euch selbst!

aus: Linji Yixuan, „Linji Yuku“

N„Akzeptiert die Dinge, wie sie kommen, und tragt ungezwungen eure Kleidung. Wenn ihr gehen wollt, dann geht. Wenn ihr sitzen wollt, dann sitzt.“ sagt Linji. Und es sieht so aus, als sei das für ihn kein Widerspruch: Zu akzeptieren, was ist, und zu tun, wonach einem ist. Denn das, wonach einem ist, ist ja auch, was ist, und auch das gilt es zu akzeptieren. Darin ist nicht der geringste Widerspruch verborgen – es sei denn, ich würde den „zehnten Mann“ spielen, der sich immer selbst vergisst.  „Ich“ geschieht genauso, wie alles andere geschieht. Und wenn es kalt werden wird, empfiehlt es sich, wieder einen Mantel anzuziehen und eine Mütze und Winterschuhe. Insofern wäre das „Zehnte Mann-Spiel“ ausgesprochen selbstmörderisch. Niemand wird mich angemessen kleiden, wenn ich es nicht tue. Ich, den es angeblich nicht gibt. Das ist genau das, was der alte Weise Bauzhi sagte: „Wenn du dies und das machst, um den Buddha zu finden, dann wird er zum großen Verkünder von Leben und Tod.“ Wer nur den Buddha sucht, der doch noch nie verborgen war, kümmert sich nicht mehr ganz praktisch um die Verantwortung für dieses sein Leben.

Man merkt an diesem Text sehr deutlich, wie der Taoismus den Buddhismus Bodhidharmas wieder auf der Erde verankert. Fernab von jeder Selbsterhöhung werden die Dinge wieder ganz einfach. Eine Katze erwacht, gähnt, streckt sich und hält Ausschau nach einem Abenteuer. Genügt das, was einer Katze genügt, nicht auch uns? Gestern hat Fredo in anrührender Weise von seiner alten Mutter erzählt. Ich vermute, in ihr ist jedes Bedürfnis, sich über eine Katze zu erheben, erloschen. Wie wohltuend ist das zu lesen und wie störend ist das Gekläff eines ehemaligen FDP-Vorsitzenden, dass Leistung sich wieder lohnen müsse. Lohnen – schon das Wort löst bei mir Würgegefühle aus.

GLinji: „Täuscht euch nicht: Ihr stammt letztlich von einem Vater und einer Mutter ab. Was müsst ihr da noch suchen? Richtet das Licht auf euch selbst!“ Mit „suchen“ ist hier ein Suchen außerhalb von einem selbst gemeint. Wir haben einen Vater und eine Mutter, damit sind wir hinlänglich ausgestattet worden, das Licht auf uns selbst zu richten. Oder wie es Buddha gesagt haben soll: „Sei dir selbst ein Licht, das dich erleuchtet.“

B

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Linji: Wenn ihr gehen wollt, dann geht.

  1. Pingback: Sei dir selbst ein Licht, das dich erleuchtet. | BEWUSSTscout - Wege zu Deinem neuen BEWUSSTsein

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s