Osho: Das Leben ist zum Leben da, nicht zum Diskutieren.


O
Wenn ihr natürlich seid, gibt es nichts zu diskutieren. Das Leben ist zum Leben da, nicht zum Diskutieren. Lebe so tief und so intensiv wie möglich.

Ikkyû ist zweifellos dafür bekannt, dass er Tantra als Technik zur Transformation benutzt hat. Die Sexenergie ist nichts weiter als eure Lebensenergie, nur der Name ist anders. Ihr könnt es Sexenergie nennen, aber durch das Etikett „Sex“ ändert sie sich nicht, sie ist die Lebensenergie. Und es ist besser, sie Lebensenergie zu nennen, denn das ist ein weiterer Begriff, umfassender, vielschichtiger. Die Erfahrung, tiefer in dein eigenes Zentrum zu dringen, lässt sich auf verschiedene Arten erklären. Sie kann so erklärt werden, wie es die Hindus erklärt haben: Sie nennen es die Erkenntnis des Höchsten, brahmabodh. Aber Brahma ist keine Person. Das Wort ist riskant; es lässt die Idee aufkommen, dass man hier von einer Person spricht. „Brahma“ ist einfach die gesamte Energie der Existenz. Die Jainas nennen es Selbst-Erkenntnis, atmabodh, aber ihr Selbst ist nicht synonym mit dem Ego. Es ist synonym mit dem Brahma. Du bist nicht mehr – in der Erkenntnis deiner Selbst bist du nicht mehr.

Buddha und Mahavira waren Zeitgenossen, und Buddha wollte immer wieder wissen: „Wenn du doch nicht mehr bist, warum nennst du es dann Selbst-Erkenntnis? Nenn es ‚Nicht-Selbst-Erkenntnis‘!“ Aber Mahavira hat seine eigenen Gründe, nicht von Nicht-Selbst-Erkenntnis zu sprechen. Denn die Menschen haben Angst vor der Nicht-Selbst-Erkenntnis. Wenn du schon auf dem Weg bist, nichts zu werden, dann ist es besser, wenigstens etwas zu bleiben. Und Mahavira wusste, dass es völlig egal ist, ob du es nun Selbst-Erkenntnis nennst oder nicht, denn du verschwindest auf jeden Fall. Aber behalte lieber ein positives Wort, eines, das attraktiver klingt. Und ich kann Mahaviras Mitgefühl darin sehen, aber ich kann auch Buddhas Wahrheitsliebe sehen. Er sagt: „Wenn du weißt, dass es in Wirklichkeit die Erkenntnis des Nicht-Selbst ist, dann sage es so, wie es ist. Täusche die Leute nicht.“

Aus: Osho, „Das Zen-Manifest – Freiheit von sich selbst“

TDas Ganze halt! Jetzt wird es dionysisch!
Nun singt ein Chor: Ich lächle metaphysisch.
Wie wird die schwarzgestrichne Kiste groß!
Ich schweige tief.
Und bin mich endlich los.

aus: Kurt Tucholsky, „Letze Fahrt

„… Und bin mich endlich los.“ Mich, dieses anstrengende, langweilige Ich. Irgendwann wirst du seiner vielleicht einfach müde sein und dir mit Kurt Tucholsky wünschen, es endlich einfach los zu sein. Irgendwann wird es vielleicht so unwichtig geworden sein, dass du über das Affentheater, das dieses Ich tagtäglich aufführen will, nur noch müde lächeln kannst. Kein Grund, es töten zu wollen. Wie absurd, eine Fata Morgana töten zu wollen. Wie sagt der Vater im „Erlkönig“ zu seinem Sohn: „Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind, in dürren Blättern säuselt der Wind.“ Nichts anderes ist dieses Ich als ein Säuseln des Windes in dürren Blättern.

Osho weist auf etwas sehr Bedeutsames hin: „Aber Brahma ist keine Person. Das Wort ist riskant; es lässt die Idee aufkommen, dass man hier von einer Person spricht.“ Brahma oder Selbst oder eigentlich auch jeder andere Begriff ist in diesem Sinn riskant. Auch Begriffe wie der „Zeuge“, der „Beobachter“, der „Zuschauer“ verführen zu dieser Personifizierung. Buddha versuchte der Misere aus dem Weg zu gehen, indem er es „Nicht-Selbst“ nannte. Aber warum nicht bei dem Begriff „Lebensenergie“ bleiben. Das ist zwar auch ein positiver Begriff, aber gleichzeitig auch ein völlig unpersönlicher.

DDie „Person“ Delfin ist so wenig Person wie das aufgischtende Wasser oder die Wellen des Ozeans. All diese Phänomene sind Ausdruck ein und derselben völlig unpersönlichen Lebensenergie. Die Einzigartigkeit jedes dieser Phänomene bleibt selbstverständlich absolut unbestritten, nur macht diese Einzigartigkeit aus diesen Phänomenen noch keine autonomen Entitäten.

 

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