Pai-chang: unsere eigene Natur – böse, gut?


H

Frage: Enthält unsere eigene Natur Böses?

Pai-chang: Sie enthält nicht einmal Gutes.
Frage: Wenn das so ist, wie sollten wir sie ausrichten, wenn wir sie anwenden?
Pai-chang: Sich einzubilden, sie anwenden zu können, ist ein großer Irrtum.
Frage: Was sollen wir dann tun, um recht zu handeln?
Pai-chang: Es gibt nichts zu tun und nichts, was recht genannt werden kann.

Pai-chang alias Hui-Hai, spirit. Papa von Huang-po und Opa von Linji

Also ich finde sie so was von Klasse, diese ollen Holzköppe. Kurz und knapp brachten sie ihre Sache auf den Punkt und das war’s dann auch wieder. Enthält unsere eigene Natur Böses? Kann man nachvollziehen die Frage. Ein Blick auf dieses Irrenhaus, genannt Welt, (nichts für schwache Nerven!) drängt einem dieses Frage geradezu auf. Homo hominis homo.

Pai-chang wischt die Frage mit der Antwort vom Tisch: „Sie enthält nicht einmal Gutes.“ Unsere eigene Natur enthält nichts, was unsere moralischen Bewertungen gerne in sie hineinprojizieren.

Und jetzt geht’s natürlich erst richtig rund. Wenn unsere eigene Natur keinen Wertemaßstab enthält, ja, an was sollen wir uns denn dann noch halten? Wir brauchen doch irgendeinen Maßstab, wenn wir unsere eigene Natur anwenden wollen! Gerade hat Pai-chang ihm jeden Maßstab aus der Hand genommen und jetzt holt er erst richtig zum vernichtenden Schlag aus: „Sich einzubilden, sie anwenden zu können, ist ein großer Irrtum.“ Wie kann jemand nur so verrückt sein zu glauben, er könne seine eigene Natur anwenden? Was für ein Größenwahn!

Der Frager kann es nicht fassen. Hat er sich da vielleicht verhört? Sicherheitshalber fragt er noch einmal nach: „Was sollen wir dann tun, um recht zu handeln?“ Unsere eigene Natur enthält weder Gutes noch Böses noch können wir sie auf irgendein Ziel ausrichten und anwenden – ja, zum Teufel, was sollen wir denn dann tun, was ist denn recht? Klingt ganz danach: „Papa, sag uns, was wir tun sollen, damit wir dich zufrieden stellen können?“  Pai-chang frustriert ihn noch ein letztes Mal: „Es gibt nichts zu tun und nichts, was recht genannt werden kann.“ Und damit lässt er ihn mit leeren Händen stehen.

LIch kann ihn richtig vor mir sehen. Er erhofft sich klare Richtlinien und Handlungsanweisungen und nun steht er völlig verloren in der Landschaft herum und weiß nicht weiter. Vielleicht überlegte er schon, es doch lieber mit einem anderen Meister zu versuchen. Oder konnte er die Freiheit erahnen, die ihm sein Meister da zeigte?

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s