Osho: Leistung muss sich wieder lohnen


OEin großer Taoist ist gestorben und Liä Dsï ging hin, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Er fand dort Tausende versammelt. Ihm war das ein Rätsel, und so kehrte er, ohne dem Toten und seinem Leichnam die letzte Ehre erwiesen zu haben, sofort wieder heim. Ein paar Leute, die mit ihm gekommen waren, fragten ihn: „Warum? Du warst gekommen, um Abschied zu nehmen – warum kehrst du unverrichteter Dinge zurück?“ Er erwiderte: „Dieser Mann kann kein Taoist gewesen sein. Hier weinen viele untröstliche Leute, dass er ihrem Leben irgendwie unentbehrlich gewesen sein muss. Er muss sich als außerordentlich nützlich erwiesen haben, denn sonst wären die Leute nicht so untröstlich und in Tränen aufgelöst, so als wäre ihr Vater oder ihre Mutter gestorben oder als wäre ihr Sohn gestorben. Er kann nicht absolut unnütz gewesen sein, er muss einen Nutzen gehabt haben – darum gehe ich heim. Er war kein wahrer Schüler des Meisters.

aus: Osho, „The Pathless Path“

CIch sollte ja das Thema in Tüttelchen setzten … “ damit auch die Kinder mich verstehen können. LOL.“ Aber da sich ja in meinem Blog nur die Crème de la Crème tummelt, erlaube ich mir, kein Ironiefasten zu veranstalten und mich über jeden Scheiß lustig zu machen. Also, dieser Liä Dsï hatte offensichtlich nichts mit Guido Westerwelle am Hut. Aber auch nicht mit denen, die daran glauben, dass man sie an ihren Früchten erkennen könnte. Gestern schrieb Fredo: „Es ist oft beim Kreativen (ich bin ja beruflich auch so einer) ein Phänomen, dass er das ‚Durchflossenwerden‘ dann doch im Nachhinein sich selbst an das Revers hängt …“ (Lieber Fredo, ich hoffe, du verzeihst meine konservative Schreibweise; sie durchfloss mich einfach so. Was soll ich armes Luder machen?)

Also, Liä Dsï hat keinen Bock, einem toten angeblichen Taoisten die letzte Ehre zu erweisen, weil er jemanden, der so viele Devotees um sich geschart hat, nicht für einen echten Toisten halten kann. Das muss ein Scharlatan sein, so’n „Everybody’s Darling“, der für seine Mitmenschen in irgendeiner Weise von Nutzen ist, Guidos Leistungsträger oder so was in der Preislage. Unnütz für die Gesellschaft zu sein war für die anarchistischen  Taoisten zwar alles andere als ein Ideal, aber doch so etwas wie eine selbstverständliche Lebenshaltung. Fredo hat das gestern wie ich meine sehr schön auf den Punkt gebracht. Das Begrenzte kann das Unbegrenzte niemals ausdrücken. Versucht es dies scheinbar doch, begrenzt es damit für sich das Unbegrenzte. Ist mir damals schon als Windsbacher Sängerknabe aufgestoßen, als wir „Jesaja, dem Propheten, das geschah, dass er im Geist den Herren sitzen sah…“ sangen. Gibt es eigentlich einen grundlegenden Unterschied etwa zwischen christlichen Gläubigen und denen, die etwa daran glaubten, dass Allende ein Schweinekommunist und Hochverräter sei und Pinochet ein prima Mann? Beide Gruppen gehen und gingen zumindest mit ihren Ketzern nicht gerade glimpflich um. Glauben ist immer Begrenzung. Da, wo der Mystiker in die Gläubigkeit abrutscht oder Kompromisse mit der herrschenden Ideologie macht, fängt er an, seine Grenzenlosigkeit zu verlieren. Als Beispiele können vielleicht Meister Eckhart und die Begine Marguerite Porète dienen.

Nur in völliger Offenheit und Verletzlichkeit kann das Tao ungehindert durch uns hindurchströmen. Jedes Ziel, jede Intention begrenzt und verschließt uns. Managementseminare mögen das noch so sehr propagieren, denn schließlich soll Leistung sich ja wieder lohnen. Taoisten pfeifen auf Lohn, interessieren sich nicht für die Früchte, an denen man sie angeblich erkennen kann.F

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