Pu: Meine Worte sind sehr einfach zu begreifen


AEin Affenwärter sagte mit einem Blick auf ihre Erdnussrationen, dass jeder Affe drei am Morgen und vier am Abend bekommen sollte. Aber darüber wurden die Affen sehr ärgerlich, so dass der Wärter ihnen vier für morgens und drei für abends zusagte, womit sie alle zufrieden waren. Die tatsächliche Anzahl der Erdnüsse blieb unverändert, aber es gab eine Anpassung an die Vorlieben und Abneigungen der Beteiligten. (Chuangtse)

Wu-wei als Annahme besagt, dass die einzige Schwierigkeit des Taoismus in seiner nicht beachteten Einfachheit liegt. Hierzu sagt Laotse:

Meine Worte sind sehr einfach zu begreifen und sehr einfach zu befolgen. Doch alle Menschen in der Welt kennen sie nicht, noch befolgen sie sie.

aus: Alan Watts, „Die sanfte Befreiung“

EWahrscheinlich hat mich der Hinweis hinsichtlich der nötigen „Schulung“ meines Geistes, den ich gestern erwähnte, so tief in meinem Ego getroffen, dass mir heute der gute alte Laotse einfiel. So eine waidwunde Seele braucht ja auch sein Trösterchen. Huch, wie unmeisterlich aber auch wieder. (Kleiner Nachtrag zu gestern: Wenn man andere verhackstücken will, jubelt man ihnen erst unter, dass sie sich für die großen Meister hielten, um sie dann genüsslich zu zerfleddern, indem man diesen eingebildeten Meistern ihre ganzen angeblichen oder tatsächlichen Verfehlungen um die Ohren haut. Dagegen waren ja die Lehrer früher noch Unschuldslämmer. Die haben einen bloß ungespitzt in den Boden gehauen, wenn man nicht auf ihrer Linie war. Auf die Idee einen vorher aufzublasen, sind selbst sie nicht gekommen. Ach Byron Katie, „In wessen Angelegenheit befindest du dich?“ hat sich irgendwie noch nicht so richtig rumgesprochen, auch nicht der zarte Hinweis von Jesus, doch bitte den eigenen Scheiß vor seiner Haustür wegzuschaufeln.

Aber nun endlich zum Thema, sonst muss ich mich noch selbst aus meinem Blog schmeißen, weil ich mich nicht ans Thema halte. „Wu-wei als Annahme besagt, dass die einzige Schwierigkeit des Taoismus in seiner nicht beachteten Einfachheit liegt.“ Hmm, wenn ich jetzt doch (wider Erwarten) mit der „Schulung“ meines Geistes und irgendwelchen knochenbrecherischen Sitzübungen beginnen sollte, verlöre ich dann nicht völlig meine schlichte Dämlichkeit? Was würden Chuangtse und Laotse dazu sagen – vom Pu erst ganz zu schweigen! Nö, merke ich, keine Lust. Ich will so blöd bleiben, wie ich bin und, oh Wunder – ich darf! Das kapieren diese Gscheiterle nie, dass alles ganz einfach ist! Na ja, sollen sie ihre Weisheiten weiter ins All schleudern und sich gut damit fühlen. Ich für meinen Teil geh jetzt zum Pu. Ich hab gehört, dass es wieder frischen Honig gibt. Was für ein hübsches Schlabberfest wird das wieder werden!

H

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10 Antworten zu Pu: Meine Worte sind sehr einfach zu begreifen

  1. Paulette schreibt:

    ach Nitya, wie wunderbar.
    Du existierst in meiner Vorstellung als ein Mensch, der ganz bestimmt in Laufe seines Lebens in jede nur möglich Tretmine gelatscht ist, der so ziemlich alles, was geht gelebt und ergründet hat und nun sitzt du da ganz friedlich und schreibst das „Ergebnis“ deiner Wege und vielleicht auch Irrwege (?) auf, und dann kommen so „Leute“ wie ich z.B. und wollen dir erzählen, wohin du gehen „solltest“.

    Leider habe ich meinen letzten Kommentar geschrieben, bevor ich deinen heutigen Text las.
    Ich sitze hier mit meiner zweiten Tasse Kaffee, höre dem wunderbaren Geräusch des Regens vor meinem Fenster zu und muss lachen, lachen, lachen über meine Einfältigkeit, dass ich manchmal glaube, ich könnte dir noch was erzählen – ha ha ha

    ach Lieber, danke für deine Geduld und deine Ungeduld aber besonderen Dank für deinen heutigen Text, er hat mich erleuchtet – immer noch laut lachen muss.

    Schönes Wochenende allen von Herzen wünscht Paulette

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Paulette,

      ich freu mich riesig wenn du laut lachen musst, insbesondere über die eigene Einfalt. Ich muss den ganzen Tag über meine Einfalt lachen. Das tut richtig gut. Diesmal warst allerdings nicht du gemeint, sondern eine Lady, die du sehr gut aus dem Netz kennst, die mir bisher noch nicht sonderlich dadurch aufgefallen wäre, dass sie über ihre EIGENE Einfalt lachen würde. Ein grauenvolles Schicksal.

      Ein Wochenende voller Lachen über was auch immer
      Nitya

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      • Paulette schreibt:

        „Diesmal warst allerdings nicht du gemeint, sondern eine Lady, die du sehr gut aus dem Netz kennst“

        ja mein Lieber, das weiß ich doch. Ich wollte mich nur aus der Schusslinie dieser „Dame“ nehmen, indem ich lieber über meine eigene Dummheit schreibe und lache anstatt über die einer vermeintlichen Dame😀

        zumal ich gar nicht wusste, wie erfreulich das sein kann, dermaßen zu lachen über das, was du eigene Einfältigkeit nennst – wunderbar

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  2. Elwood schreibt:

    Pu(h), wat bin ich froh, dat mene die mich eigene Intellejenz sich immer mehr an Bedeutung verliert, so brauch ich den janzen Quatsch nich mehr zu verstehen und kann reden, wie mir mich der Schnabel jewachsen ist…..

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  3. Lieber Nitya,

    ja, das wollen sie immer, die Erleuchteten (TM). Das muß du noch tun, und dies mußt du noch machen, und außerdem wäre da noch jenes zu üben.

    Meinem Lieblingsbär Pu (der dich offenbar auch mit seiner Gemütlichkeit begeistert🙂 ) ist das alles wurscht, weil am Ende sowieso nur jeder für sich sprechen kann. Da kann’s schon passieren, daß der Buddha sich den Hintern plattgesessen hat, aber das gilt zuallererst halt nur mal für ihn.

    Bei mir aufm Blog hat Pu mal die Frage gestellt: „Wenn sich die ganze Welt immer verändert und nie irgendwas stillsteht — warum wollen wir dann, daß unser Leben zuerst so wird, wie wir uns das vorstellen, und daß es sich dann nie wieder verändert?“

    In diesem Sinne ist eben alles vergänglich, auch und VOR ALLEM irgendwelche spirituellen Übungen, die uns irgendwie nach irgendeinem spirituellen Vorbild ändern sollen.

    Da schmeiß ich lieber, wie der liebe Pu, Stöckchen in den Bach und sehe zu, wie sie langsam an mir vorbeischwimmen.

    Ein wunderbares Wochenende!
    Norbert

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