Karl Renz: Der Mist-Meister


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Das Phantom hat immer eine Geschichte, aber wen kümmert es, ob das Phantom eine nette oder eine schlimme Geschichte hat? Es war immer ein nicht verwirklichtes Phantom und alles, was ein Phantom verwirklicht, ist die Verwirklichung eines Phantoms. Es wird fun-tom genannt – hab Spaß damit, weil es eine unendliche Geschichte eines Phantoms ist, das an sich selbst glaubt und dann glaubt, dass es verwirklicht ist oder auch nicht. Wen kümmert ein erleuchtetes Phantom? Nur die anderen Phantome. Es bedarf immer einer Gemeinschaft von Unwissenden, und einer ist vielleicht der Meister-Unwissende. Der Meister der Unwissenheit! Es gibt keine Meister des Wissens. Wie kann es einen Meister des Wissens geben? Wie kann es einen Meister des Herzens geben? Du kannst nur ein Meister von einem Haufen Mist sein, ein Mist-Meister.

aus: Karl Renz, „Worry and be happy“

„Du kannst nur ein Meister von einem Haufen Mist sein, ein Mist-Meister.“ Damit macht der Karl sich natürlich auch wieder nur lustig über die Vorstellung, dass irgendein Phantom überhaupt irgendetwas sein könnte. Ob Meister von was auch immer, Kaiser oder Klofrau „… alles, was ein Phantom verwirklicht, ist die Verwirklichung eines Phantoms.“ Und Karl hat natürlich recht, wenn er hier von einem fun-tom spricht. Was bleibt so einem Phantom denn letztlich übrig, als über diese ganzen Seifenblasen zu lachen? Vor ein paar Tagen war ja dieser Meister der Meisterenttarner am Werk und kürzlich erfuhr ich, dass eine andere Meisterenttarnerin mir mal wieder die Ehre gegeben hat, mich heimlich, still und leise in ihrem Blog auseinanderzunehmen. Ironiefasten täte mir gut, lese ich da, und es gäbe auch Anführungszeichen… damit auch die Kinder mich verstehen können. LOL. (Wenn sonst niemand lacht, muss man halt selber ran). Also ich habe nicht den geringsten Ehrgeiz, dass die kluge Else mich verstehen tutet. Eine gewisse „Schulung“ des Geistes und ein bisschen einfache unkapriziöse Ehrlichkeit mir selbst gegenüber täte mir auch gut. So so. Ich mag Leute, die wissen, was mir gut tut. Muss ich das jetzt in Tüttelchen setzen? Am besten wäre es wohl, alles, was ich so absondere, in Tüttelchen zu setzen. Zazen wäre genau das richtige für mich faulen Sack, sonst würde es nichts mit dem Himmelreich, sagt sie. Nun gebe ich ja gern zu, dass ich ein fauler Sack bin und es so gar nicht mit irgendeiner „Schulung“ des Geistes habe. Ich gestehe auch gerne, dass ich nicht ins Himmelreich kommen möchte, da dies sicher mit Anstrengung für den faulen Sack verbunden wäre. Aber immer diese leeren Versprechungen vom Himmelreich. So was!


Ach ja, ach ja, ach ja. Überall diese Schlaumeier. Ich werde mich hüten, jetzt hier heimlich, still und leise eine Charakteranalyse über die betreffenden Herrschaften abzusondern, das überlasse ich lieber ihnen, das können sie viel besser als ich. Ich kann nur ihnen und jedem anderen und auch mir, falls ich in diese dämliche Falle tappen sollte, mit Karl Renz zuflüstern: Alles, was ein Phantom verwirklicht, ist die Verwirklichung eines Phantoms.“ und „Du kannst nur ein Meister von einem Haufen Mist sein, ein Mist-Meister.“ Oder wenn gewünscht etwas poetischer und freundlicher: eine Seifenblase.

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4 Antworten zu Karl Renz: Der Mist-Meister

  1. Ingeborg schreibt:

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  2. Eno Silla schreibt:

    „Alles Mist?“

    Da kann ich dem guten Karl nur zustimmen. Und wenn mann oder frau (seinen/ihren) Mist in der Welt verteilt, dann wird von Anderen Mist dazu gemischt…
    So überhäufen wir uns mit Mist. Wenn man sich an den Gestank gewöhnt hat, dann kann es durchaus Spass bringen, oder besser mancher Mist riecht einfach besser als anderer, er läßt sich eher ertragen. Schwierig wirds, wenn alle meinen Mist mögen sollen, oder mein Mist der einzig wahre Mist sein soll, besonders die Mistmischungen, die ich von überall zusammentrage. (Soll meinen: noch nicht einmal auf meinem Mist gewachsen, wie könnte es auch?)
    Das glaubt einem sowieso niemand, denn diese Anderen riechen wie es stinkt. Und wenn ihr jetzt sagt, das ist doch alles Mist, was du da schreibst, dann sag ich: recht habt ihr!
    Ich geh jetzt jedenfalls duschen!

    Alvaro de Campos (Fernando Pessoa) meint gerade dazu:

    „Ich bin nichts. Ich werde nie etwas sein. Ich kann nicht einmal etwas sein wollen. Abgesehen davon, trage ich in mir alle Träume der Welt.“


    http://oe1.orf.at/artikel/262594

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    • Eno Silla schreibt:

      Die Vernunft ist der Glaube an etwas, das man ohne Glauben verstehen kann; doch bleibt es immer noch ein Glaube, denn verstehen setzt voraus, dass es etwas Verstehbares gibt.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Von den Hirngespinsten des Glaubens überzulaufen zu den Gespenstern der Vernunft ist nur ein Gefängnistausch.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Wir leben nicht unser Leben, unser Leben ist das, was uns lebt.
      Fernando Pessoa, António Mora: Die Rückkehr der Götter

      Wir lieben allein die Vorstellung, die wir von jemandem haben. Unsere eigene Idee – uns selbst also – lieben wir.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Wir schlafen, und dieses Leben ist ein Traum, nicht im metaphorischen oder poetischen, sondern im tatsächlichen Sinn.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Ein Reformer ist ein Mensch, der die oberflächlichen Übel der Welt erkennt, sich vornimmt, sie zu heilen, und doch nur die grundlegenden verschlimmert.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Lezten Endes bleibt von diesem Tage das, was vom gestrigen blieb und vom morgigen bleiben wird: die unersättliche und nicht zählbare Begierde, immer derselbe und ein anderer zu sein.
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

      Ich bin der Zwischenraum zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich nicht bin, zwischen dem, was ich träume, und dem, was das Leben aus mir gemacht hat, der abstrakte und leibliche Mittelwert zwischen Dingen, die nichts sind, da ich ebenfalls nichts bin. Welche Unruhe, wenn ich fühle, welch Unbehagen, wenn ich denke, welche Nutzlosigkeit, wenn ich will!
      Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

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