Liä Dsï: die Gestaltungskraft des Tao


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Ein Mann aus Sung machte für seinen Fürsten ein Maulbeerblatt aus Nephrit. Drei Jahre brauchte er, bis er fertig war. Mit spitzem Messer war es geschnitzt, und Rippen, Stil und alle feinsten Äderchen waren sorgfältig und dabei doch glatt ausgeführt, so dass, wenn es unter wirkliche Maulbeerblätter gemischt wurde, man es nicht herausfinden konnte. Dieser Mann wurde daraufhin wegen seiner Geschicklichkeit in Sung auf Staatskosten unterhalten.

Der Meister Liä Dsï hörte davon und sprach: „Wenn die Natur bei der Erzeugung der Geschöpfe alle drei Jahre nur ein Blatt fertigbringen würde, so gäbe es wohl wenig Dinge mit Blättern. Darum vertraut der Berufene auf die Gestaltungskraft des Tao und nicht auf Weisheit und Geschicklichkeit.“

aus: Liä Dsï, „Das wahre Buch vom Quellenden Urgrund“

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Das scheint mir ja mal wieder so’ne typische Geschichte von einem alten Taoisten zu sein. Der eine nimmt die simple Technik eines Ziehbrunnens aufs Korn, in dem er dem Benützer eines solchen Monstrums ein Maschinenherz prophezeit, und dieser Liä Dsï hier verunglimpft das edle Kunsthandwerk eines Goldschmieds und macht sich fast ein wenig lustig darüber, wie lange der Mann für ein einziges Blatt gebraucht hat. Man könnte natürlich fragen: Was soll das überhaupt, ein Maulbeerblatt aus Nephrit oder Jade zu imitieren? Warum schaut man nicht gleich einfach ein Maulbeerblatt an und freut sich an seiner schönen Form und Farbe. Waren die alten Taoisten nicht nur technikfeindlich, sondern auch kulturfeindlich?

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Mir ging es oft so, wenn ich durch eine Kunstausstellung pilgerte, dass ich leise gelangweilt war, ganz schnell müde und erschöpft. Ein Phänomen, das ich so nicht kenne, wenn ich im Wald herumgestromert bin. Ich bin dem Rätsel für mich noch nie so richtig auf die Spur gekommen, vermute aber, dass es darum ging: Goethe hinterließ uns im „Torquato Tasso“ den Satz:

Und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun, so fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.

Absicht, vor allem die unausgesprochene, bewirkt leicht das Gefühl, dass der andere versucht, einen zu manipulieren, was in der Regel Verstimmung bewirkt. Wenn ich im Wald spazieren gehe, habe ich nie das Gefühl, manipuliert zu werden. Gehe ich in eine Kunstausstellung, beschleicht mich dieses Gefühl immer wieder. Frauen sind ja häufig auch nichts anderes als wandelnde Kunstobjekte und bewirken sehr schnell die gleiche Langeweile, aber auch Männer, die irgendetwas darstellen wollen. Ein Baby ist keine Sekunde langweilig.

Vielleicht ist es das, worauf Liä Dsï hinauswollte. Er sagt: „Der Berufene vertraut auf die Gestaltungskraft des Tao und nicht auf Weisheit und Geschicklichkeit.“ Das eine entsteht aus sich selbst heraus, das andere ist gemacht. „Ego, ick hör dir trapsen.“ Es sieht so aus, als ob die Taoisten von Letzterem nicht allzu viel hielten.

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31 Antworten zu Liä Dsï: die Gestaltungskraft des Tao

  1. Paulette schreibt:

    Hallo lieber Nitya,

    dein heutiger Text passt wunderbar zu meinen Erlebnissen vom Wochenende.
    Auch in Dresden gab es nämlich gestern den Tag des offenen Denkmals und so nahm ich bei meinem Besuch an einer Führung über den Eliasfriedhof teil. Elmar Vogel, den ich schon auf meinem Blog wie warme Semmeln angepriesen habe

    http://www.elmar-vogel-essenzen.de/

    leitete die Führung. Als gelernter Bildlhauer und Steinmetz ist sein Blick auf diesen wirklich wunderschönen Friedhof, auf welchem einer großen Anzahl namhafter Künstler, Wissenschaflter und Politiker gedacht wird, ein ganz anderer als ich ihn ansonsten gewohnt bin.

    Elmar sprach aus der Sicht eines Freimaurerkenners und eben aus der Sicht des Handwerkers und richtete dabei unseren Blick auf ganz andere Werte, wie z.B. die Symbole. Da fand sich eine Raupe, aus welcher gerade ein Schmetterling schlüpft, am Steingibel eines Grabdaches und kann als Auferstehungssymbol gedeutet werden.

    Am Nachmittag saßen wir dann bei Elmar im Garten und ich erfuhr sehr viel mehr von seinem persönlichen Umfeld. Ich durfte seine Kochkünste genießen, seinen Weingeschmack teilen und im strahlenden Sonnenschein unterm Apfelbaum seinem Gitarrespiel und Gesang lauschen.

    Auf der Rückfahrt von Dresden nach Berlin sah ich dann die mich umgebenden Menschen und Dinge mit anderen Augen, weil Elmar eine bodenständige aber tiefe Spiritualität lebt, die mich sehr berührt hat. So verändern also Wahrnehmungen, Gespräche und vielleicht auch der Wein unseren Blick auf das, was uns erscheint.

    Wenn es also in den Texten „der“ Taoisten so und so heißt, dann wissen wir ja nie unter welchen Umständen und mit welchen Voraussetzungen diese Texte entstanden sind.

    Wir wissen ja nicht von welchem Weisen oder Künstler Liä Dsï genervt war, weshalb er auf das Tao verweist und das Kunsthandwerk in diesem Text ablehnt.

    „Und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun, so fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“

    Das z.B. ging mir gestern überhaupt nicht so. Ich konnte überall die guten Absichten wahrnehmen und kann sagen, nach monatelangem Stress und absorbiert sein vom Alltag taten mir dieses Umsorgtsein, die Fülle der Informationen über Kunst und Kultur unendlich gut. Meine Seele konnte trinken und sich laben. Ganz so, wie in deinen beschriebenen Waldspaziergängen. Ich fühle mich heute wie neu und voller Kraft und Energie.

    Ich also bin der Familie Vogel und dem ganzen Drum und Dran überaus dankbar, aber ich bin ja auch kein „Berufener“.

    Herzensgruß in die neue Woche, die ich heute mit einer überaus chaotischen Steuererklärung beginnen „darf“ – schmunzel

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  2. Andreas schreibt:

    Steuererklärungen – das bewirkt bei mir 100 % Verstimmung ….

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    • Paulette schreibt:

      lache, ja, das verstehe ich lieber Andreas.Das ist bei dem Menschen zu dem ich jetzt eile auch so. Da ich aber Erwerbsminderungsrentnerin bin mache ich das nur noch aus Freude am Sein. Es ist erstaunlich, wie sehr sich manche Menschen abquälen mit etwas, das keinerlei anderer Qualitäten bedarf außer Disziplin.

      lieben Gruß auch dir😀

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  3. Andreas schreibt:

    Viel Freude am Sein Dir heute
    🙂

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    • Nitya schreibt:

      Sag mal, Andreas, wäre es dir möglich, auch mal was zum Thema zu sagen? Eigentlich bewegst du dich ständig auf irgendwelchen netten Nebenplätzen. Liebe Grüße an Tante Hermine und an alle, die es hören wollen oder so … Du magst ja ein netter Kerl sein, aber hast du auch irgendwas zu sagen? Ich frage mich langsam, was dich hier auf diesen komischen Blog verschlagen hat. Nur die Empfehlung von Stefan? Den hab ich gestern mal wieder rausgeschmissen.

      Viel Freude auch dir heute und alle Tage🙂

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      • Andreas schreibt:

        Grüß Dich Nitya

        Dein mich zur Rede stellen überrascht mich. Kann man auf Deinem Blog nicht einfach SEIN? Bis jetzt hab ich mich hier einfach wohlgefühlt. Du machst grad Druck auf mich – das verstimmt mich und steht m.E. im Gegensatz zu dem, was Du heute geschrieben hast.

        Gruß
        Andreas

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      • Nitya schreibt:

        Unter „über mich“ findest du unten diese Ansage:

        „Ich hatte ja echt vorgehabt, keine Zensur auszuüben. Aber ich habe immer wieder gemerkt, wie wackelig ich bei diesem Vorhaben wurde. Wenn ich morgens frohgemut einen neuen Beitrag in meinen Blog stellen wollte, dann wurde ich immer wieder mal überrascht von einem Kommentar, der mir glatt die ganze Morgenfreude versauen konnte. Irgendjemand musste unbedingt seine miese Laune loswerden oder wollte mal wieder eine Runde rumjammern oder seine Vorwürfe an Gott und die Welt loswerden oder fühlte sich aufgerufen, irgendwelche Oberlehrer-Belehrungen vom Stapel zu lassen. Ein paar mal habe ich diskret versucht, mein “we are not amused” rüberzubringen, meist allerdings ohne den geringsten Erfolg.

        Da ich diesen Blog hier ausschließlich zu meinem Privatvergnügen betreibe, habe ich mich entschlossen, meinen guten Vorsätzen untreu zu werden und es wie Konstantin Wecker zu halten: “Kommentare mit Sinn und Verstand – auch wenn sie gegen mich sind – gerne. Hirnloses Gedankengefurze wird eliminiert.”

        Auf deine Frage „Kann man auf Deinem Blog nicht einfach SEIN?“ kann ich nur antworten: „Kann ich auf meinem Blog nicht einfach SEIN?“ Und mich nervt das, wenn von dir nur – ja was denn eigentlich? Nix eigentlich. Nettigkeiten. Was würdest du denn sagen, wenn in deinem Wohnzimmer jemand säße und ganz unschuldig fragen würde: „Kann man in deinem Wohnzimmer nicht einfach SEIN?“

        Ich mache grad Druck auf dich – das verstimmt dich? Das war durchaus beabsichtigt. Ich bin nicht nett.

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      • Andreas schreibt:

        Sag mal, Andreas, wäre es dir möglich, auch mal was zum Thema zu sagen? Eigentlich bewegst du dich ständig auf irgendwelchen netten Nebenplätzen. Liebe Grüße an Tante Hermine und an alle, die es hören wollen oder so (….) Und mich nervt das, wenn von dir nur – ja was denn eigentlich? Nix eigentlich. Nettigkeiten.

        Könnte Deine Be-und Ver-urteilung an Deiner Wahr-nehmung liegen?
        Eine kleine Rückschau meiner letzten Kommentare in chronologischer Reihenfolge:

        Die Gestaltungskraft des TAO
        Ich wies Dich heute darauf hin, dass Dein Mich-zur-Rede-Stellen
        Deinem Morgenimpuls widerspricht. (Lob des Seins, Produzieren weniger wichtig)

        Alles für die Katz
        Ich widersprach Deiner Überschrift, dass alles für die Katz sei.
        (Du als Sähmann bringst gute Frucht)

        Der Kälbermarsch
        Zum 9/11-Jahrestag hinterfragte ich einen 9/11-Mythos
        (off topic, aber sicher nicht harmlos)

        Freiheit entbindet von Notwendigkeit
        Ich verband ein Zitat mit dem psychoanalytischen Menschenbild.
        (neue inhaltl. Verknüpfung)

        sich durch geheime Anspielungen verständigen
        Ich gab Elwood einen Gesundheitsimpuls und erfüllte seinen Wunsch nach einem entspannenden Link.

        Die Dinge wie sie sind
        Ich bedankte mich für Deine Filmempfehlung.

        Alles Lüge
        Deine Aussage war, dass alles Lüge sei.
        Ich begann die Kommentare damit, dass der nächste Kommentar falsch sei. Auf mein kleines Experiment ließ sich bis 10 Uhr niemand ein – da sagt auch etwas aus : nichts harmloses … – dann machte ich den zweiten Kommentar und die Kommentare flossen wieder. Ich verwies auf einen weiteren Widerspruch, nämlich bzgl. Deiner Motivation zu zeigen, dass ALLES Lüge sei. Das nämlich ist Deine Meinung/Deine Wahrheit, die Du nicht für eine Lüge hälst.

        Gutes tun
        Man solle sich hüten, Gutes zu tun, brachtest Du mit den Flüchtlingen in Verbindung. Ich erzählte von meiner Erfahrung, wie dankbar ich bin für das Gute, was mir geschehen ist. Damit nahm ich wieder die Gegenposition zu Dir ein.

        Weiter zurück muss ich wohl nicht gehen. Es dürfte klar sein, dass Du mir Unrecht tust. Wer hat Dir in letzter Zeit bitt`schön denn mehr inhaltlich widersprochen als ich?

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      • Nitya schreibt:

        „Könnte Deine Be-und Ver-urteilung an Deiner Wahr-nehmung liegen?“

        Da kann ich nur zustimmen, es liegt an meiner Wahrnehmung.
        Und wie es aussieht, hast du eine andere Wahrnehmung.
        Klar, dass du mich als den siehst,
        der im Unrecht ist,
        und dich als den, der im Recht ist.
        Das Doofe ist halt, dass du in meinem Wohnzimmer sitzt
        und ich nicht in deinem
        Wie es für mich aussieht, hast du keine Ahnung, wovon ich überhaupt rede,
        sonst hättest du wohl kaum die Liste deiner Aktivitäten angefertigt.
        Ich rede also nicht mit dir über Recht und Unrecht,
        sondern über dein und mein Wohnzimmer.
        Das hier ist ein prvater Blog von mir und kein öffentlicher Park,
        in dem man einfach nur SEIN kann – was immer du darunter verstehst.
        Und du hast halt das Pech, hier an jemanden geraten zu sein,
        der … ich merke mitten im Satz, ich kann dir das nicht vermitteln.
        Wenn ich mich so ins Unrecht gesetzt fühlen würde wie du,
        würde ich diesen Blog einfach meiden.
        Du hast doch deinen eigenen Blog,
        dein eigenes Wohnzimmer, in dem du SEIN oder NICHT-SEIN kannst,
        ganz wie du willst.
        Ist ja nicht schlimm, wir haben unterschiedliche Wahrnehungsweisen.
        Alles in Butter.

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      • Andreas schreibt:

        Lieber Nitya

        solltest Du mich irgendwann doch in Dein Wohnzimmer einladen, würde ich mich freuen. Auch als nicht kommentierender Leser nun werde ich weiterhin meinen Tag mit Deinen Impulsen beginnen.

        Alles Gute Dir und Deinen Lesern
        Andreas

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Andreas,

        ich war einmal in einer Gruppe, die über Gott und die Welt gesprochen hat. Ich habe zuerst kein Wort verstanden. Ich habe ein halbes Jahr nur zugehört, bis ich anfing, mich auch einmal zu Wort zu melden. ich musste ja erst einmal verstehen, wie in dieser Gruppe der Sprachgebrauch war und die Ideen, die dahinter standen. Das geht halt nicht von jetzt auf gleich. Und beurteilen kann das natürlich nur der Betreffende selbst, wo er sich stehen sieht. Konflikte lassen sich da natürlich nicht ausschließen. Der eine erlebt es so, der andere anders. Vielleicht wäre das ein Vorschlag zur Güte. Lies einfach erst mal nur und wenn du meinst, jetzt ist der rechte Zeitpunkt für dich und es brennt dir was unter den Nägeln, dann kiommst du halt wieder. Und dann schau mer halt wieder.

        Bis dahin eine dir gewogene Zeit
        Nitya

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      • Angela schreibt:

        @ Nitya
        Zitat: „… Ich habe ein halbes Jahr nur zugehört, bis ich anfing, mich auch einmal zu Wort zu melden. ich musste ja erst einmal verstehen, wie in dieser Gruppe der Sprachgebrauch war und die Ideen, die dahinter standen.

        Oh, da bin ich ja froh, dass ich noch rechtzeitig die „Kurve erwischt“ , – und meine Kommentare unterlassen habe. Scheint echt schwierig zu sein, Deinen gestrengen Augen zu genügen 😀 !

        Aber ich lese immer mit und finde das Meiste hochinteressant und einleuchtend.

        LG von Angela

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  4. Nitya schreibt:

    Liebe Paulette,

    ich hoffe, ich trübe nicht deine freudige Hochstimmung allzu sehr, wenn ich dir nicht in allem folgen kann/will. Ich war selbst mal (in sehr jungen Jahren) Freimaurer und kenne die Affinität der Brüder zum Symbolischen. Das Symbolische wird ja allgemein sehr geschätzt unter den Menschen. Wenn sie ein Herz sehen, sind sie meist schon sehr angetan. Aber wie ich nicht müde werde von J. Krishnamurti zu zitieren:“Das Wort ist nicht das Ding.“ Das Symbol ist auch nicht das Ding. Wenn das Symbol oder das Wort Ersatz geworden ist für das, für das es eigentlich steht, haben wir es halt nur noch mit Worthülsen, Symbolhüsen zu tun, die innerlich völlig leer sind,.Das ist in den Kirchen nicht anders als in den Logen. In der Politik schon sowieso.

    Was ich sage, hat nicht das Geringste mit Elmar Vogel zu tun, den ich ja kein bisschen kenne. Du schreibst: „‚Und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun, so fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.‘ Das z.B. ging mir gestern überhaupt nicht so. Ich konnte überall die guten Absichten wahrnehmen …“ Der Satz von Goethe, übrigens auch ein Freimaurer, richtet sich gegen jedwede Absicht, auch oder gerade gegen die guten. Im Moment hegen wir ja gerade mal wieder kollektiv gute Absichten. Der Himmel steh‘ uns bei. Die Haltung der Taoisten, der Ch’an-Leute ist die der Absichtslosigkeit. Absichtslosigkeit nicht als Ideal, da wäre ja schon wieder ein Ideal zu entdecken, sondern als selbstverständliche Grundhaltung. Ich kriege Würgegefühle bei guten Absichten, denn diese „guten Absichten“ setzen voraus, dass der andere glaubt, zu wissen, was für mich gut ist. Damit bin ich als Kind oft genug gequält worden.

    Die Taoisten wussten um diesen Dualismus. Wer Gutes will, muss das Nicht-Gute in sich verdrängen. „Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen, so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.“ Absichtslosigkeit mischt sich in die Polarität des Lebens nicht ein und erzeugt keinen Dualismus.

    Dass ich mich gut mit jemandem fühle wie du mit Elmar Vogel ist doch toll. Bedarf es dazu wirklich irgendwelcher Absichten?

    Also find ich so.

    Herzlichst
    Nitya

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    • Paulette schreibt:

      lieber Nitya,

      zuersteinmal hoffe ich, dass du heute alles gut überstanden hast und dein Augenlicht diese Zeilen hier ganz ungetrübt erkennen kann😀

      Du schriebst:

      „ich hoffe, ich trübe nicht deine freudige Hochstimmung allzu sehr, wenn ich dir nicht in allem folgen kann/will. “

      Im Gegenteil, deine Sicht interessiert mich, deshalb lese ich hier.
      Der Text, den du mir als Antwort geschieben hattest, hat mich beschäftigt und so habe ich gerade auch mit Elmar darüber gesprochen und erkannt, dass ich mich nicht richtig ausdrückte.

      Ich versuche es mal mit dem Wort Intention.
      Mir geht es darum, dass es Menschen gibt, die mit der Intention leben, dass sie sich im Kreise anderer Menschen wohl fühlen möchten. Dass sie dabei absichtlos aber doch mit der Intention von Freude agieren.
      Natürlich hast du Recht, wenn du dem Gedanken treu bleiben möchtest, dass es keinen Handelnden gibt. Wenn das so ist, dann gibt es auch Niemanden, der eine Intention haben kann.
      Grundsätzlich kenne ich das Erleben davon nicht der Verursacher der erscheinenden Handlungen zu sein, dennoch sehe ich bei mir Intention.
      Ich möchte, dass sich andere Menschen mit mir wohl fühlen und es gelingt mir meistens auch, erst dann fühle auch ich mich wohl.

      Nun würde mich interessieren, wie das bei dir ist?
      Tust du etwas dafür, dass sich Menschen z.B. in deinem Wohnzimmer wohl fühlen?

      Ich frage dies, weil ich mir zwar Absichtslosigkeit aber nicht Intentionslosigkeit vorstellen kann.

      Dir ersteinmal gute Genesung und Erholung – auf bald

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      • Nitya schreibt:

        Also ich zweifle sehr, dass das die historische Wahrheit ist, dass jeder zweite Pirat eine schwarze Augenklappe trug. Ich hab ja nur eine weiße und das sieht leider eher krank als gefährlich aus, wo ich doch gerne auch mal gefährlich ausgesehen hätte. Aber mit nur einem Auge sehen, das ist echt ziemlich beschissen und ich bezweifle sehr dass ein einäugiger Pirat auch nur ein Gefecht überlebt hätte.

        Liebe Paulette, du schreibst:

        „Dass sie dabei absichtslos aber doch mit der Intention von Freude agieren.“ Hat dir das dein Freund Elmar gesteckt? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Aber solche Dreiecksgespräche, bei denen einer der Teilnehmer ständig unentschuldigt fehlt, sind eh nicht so berauschend. Was willst du denn mit dieser Spitzfindigkeit erreichen, liebe Paulette. Sowas machen doch sonst nur Winkeladvokaten oder die mittelalterlichen Scholastiker oder was weiß ich wer sonst noch. Eine Absicht ist eine Absicht und eine Intention ist auch eine Absicht, klingt bloß ein bisschen gebildeter. „mit der Intention von Freude“ – wer sich freut, dem geht’s in der Regel gut, falls er keinen Dachschaden hat, und wer sich zum Beispiel ärgert, der fühlt sich meistens eher mies. Wer braucht da also eine Intention? Entweder freu ich mich oder ärgere ich mich. Ich kenne genug Menschen, die auf „positiv“ machen. Da fallen mir sofort wieder die Vinzentinerinnen und Diakonissen aus meiner Kindheit und heute so mache Esoteriker und Spiris ein. Ist alles nicht so mein Ding. „Ich bin nicht nett.“ schrieb ich dem Andreas. Der Meister Eckhart von deinem Elmar war beispielsweise auch nicht nett. Nett ist bei mir fast schon zum Schimpfwort geworden, weil sich dahinter oft nichts als Verdrängung des Gegenteils versteckt. Da ist mir ein ungehobelter Rüpel, der einfach sagt, was Sache ist, entschieden lieber. Übrigens „bleibe ich nicht dem Gedanken treu, dass es keinen Handelnden gibt.“ Das ist kein Gedanke; das entspricht dem, was wahrgenommen werden kann.

        „Tust du etwas dafür, dass sich Menschen z.B. in deinem Wohnzimmer wohl fühlen?“ fragst du. Ich hab kein Wohnzimmer. Insofern erübrigt sich die Beantwortung der Frage. Für einen leidenschaftlichen Einsiedler wie mich sowieso.

        Inzwischen war ich beim Augenarzt. Augenklappe ist wieder weg. Ich sehe wie ein Adler, auch wenn ich noch reichlich lädiert aussehe.

        Herzlichst
        Nitya

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  5. fredo0 schreibt:

    wie heißt es ….
    wer gutes will , muss auch schlechtes dulden …
    wer gutes fordert , erschafft damit bereits das „schlechte“ der forderung …

    es ist ja diese zweischneidigkeit des „gut gemeinten“ , die gerade in den aktuellen diskussionen unserer politik und unser gesellschaftliches leben bewegt … und zu meinem echten ärger gerade in unseren medien eine art gehirnwäschemodus des „guten“ bereithält … keine nachrichten , kein jingle , keine zeitungsseite ohne diese appelle an das gute , die natürlich stets auch eine stigmatisierung des nicht so „gut“ meinenden in petto hat .
    ich hab mir allen ernstes schon überlegt , ob ich mir einen davidsstern mit dem aufruck „ich sehe es aber skeptisch !“ aufs gewand sticke …
    mit welcher heftigen diffamierung und skrupellosigkeit da „gut“meinenden mitlerweile mit den skeptikern umgehen und mit welcher infamie ( „du nazi du“ ) sich da der noch nicht vom eigenen „gut“sein berauschte , fast sofort konfrontiert sieht , wenn er schlichte skepsiz äußert , das lässt schon schaudern und ist allemal ein zeichen von schlechtester demokratischer erziehung …

    im übrigen empfehle ich den „gut“meinern da die berühmte geschichte mit dem chinesischen bauern , seinem sohn und dem pferd …
    da zeigt sich ja aufs beste die höchst fragwürdige konsequenz aus „gut“gemeinten . und für „gut“ befundenen und dessen auswirkungen …

    niemand sollte sich anmassen , „gutes“ bewirken zu können … ( sollte hier mit strichelchen😉 )
    oder dieses gute gar von seinen mitmenschen zu fordern …
    allein schon die anmassung der forderung ist hier bereits „das unbemerkt mit eingeschleppte schlechte“ ….

    da mal etwas demütiger das eingebundensein des menschen in seine gewohnheiten und automatismen zu würdigen , und deren „natürliche klugheit“ zu sehen , könnte bereits hilfreich sein …

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  6. Paulette schreibt:

    lieber Nitya,

    trotzdem ich schon wieder in Eile bin möchte ich dir kurz Danke sagen für deine Antwort, besonders freut es mich, dass du nun einen Adlerblick hast.😀

    Im Geiste hast du den ja sowieso und daher bin ich begeisterte Leserin deines Blogs. An den Tagen, an welchen mich deine Texte aufregen oder ich hier sitze und dir (heimlich versteht sich) einen Vogel zeige, die gehören ja genauso zum Leben, wie die Tage an denen ich mich hier äußere.

    Du schriebst:

    „Was willst du denn mit dieser Spitzfindigkeit erreichen, liebe Paulette.“

    Dass du mir eine nähere Erkläuterung gibst, wie du die Sache siehst und ich darauf hoffe, dass ich auch kapiere, was du meinst.

    Nicht immer gelingt das, was solls.

    Bleibt mir nur noch zu fragen ob das Unverständnis auch zur Gestaltungskraft des Tao gehört?

    In letzter Zeit verstehe ich nämlich immer weniger und so ist es wohl auch für mich an der Zeit mal wieder ne Runde still zu sein😦

    Bis zum nächsten Mal dann ersteinmal alles Liebe und gutes Gelingen auch für das zweite Auge. Danach wirst du ja ein Überflieger sein – ich hab jetzt schon Angst – schmunzelnd Paulette

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  7. Elmar Vogel schreibt:

    Übrigens, das Tragen der Augenklappe hatte bei den Piraten einen überlebenswichtigen, praktischen Grund und war nicht etwa Zeichen eines verletzten oder fehlenden Auges.
    Das eine Auge wurde beim entern eines Schiffes durch die Agenklappe dunkel gehalten um beim betreten des Unterdecks (wo es dunkel war) dann gelüftet zu werden bzw. um sofort sehen zu können bzw. um augenblicklich kampffähig zu sein.

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  8. Elmar Vogel schreibt:

    Absichtslosikeit bedeutet nach meinem Verständnis, dass wahres Sein frei ist von Kalkül und Berechnung.

    Die Ros‘ ist ohn warumb
    sie blühet weil sie blühet
    Sie achtt nicht jhrer selbst
    fragt nicht ob man sie sihet. (Der schlesische Engel)

    Ein guter Läufer hinterläßt keine Spuren.
    Ein guter Redner erntet keinen Widerspruch.
    Ein guter Rechner braucht keine Rechenstäbchen.
    Ein gutes Schloss braucht keinen Riegel, und doch kann keiner die Tür öffnen. (Lao-tse)

    Die Leute sollten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. …Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Handlungen heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Handlungen heiligen. Wie heilig die Handlungen auch immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Handlungen sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir all unser Tun, es sei Essen, Schlafen, Wachen, oder was immer es auch sei. Jene, die nicht großen Seins sind, welche Werke sie auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, daß man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Urgrund der Werke sei. (Meister Eckhart)

    Setzt entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder setzt einen faulen Baum, so wird die Frucht faul. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. Matthäus 12, 33

    Herzlichst
    Elmar

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    • Paulette schreibt:

      Danke lieber Elmar,

      „…….Erkenne hieraus, daß man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Urgrund der Werke sei. (Meister Eckhart)“

      Eben – der Urgrund, das ist der stiftende Gedanke oder eben die Intention.

      freudig überrascht von dem wunderbaren Meister Eckhart Zitat sehr herzlich Paulette

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  9. Nitya schreibt:

    Freudig überrscht sind wir möglicherweise – wahrscheinlicherweise – eigentlich immer von der Bestätigung unserer eigenen Interpretationen. Nichts freut uns mehr als eben diese (vermeintliche) Bestätigung durch einen anerkannten Meister. Der arme Kerl kann sich ja nicht mehr wehren. Das ist mit ein Grund dafür, warum nur ein toter Meister ein guter Meister ist. Die Antwort auf alle Frage ist jedoch immer nur in uns selbst (triffs du Buddha unterwegs, töte Buddha) und sie ist so falsch, wie jede weitere Antwort, die wir finden werden, wenn wir noch tiefer in uns hineinblicken. Die letztgültige Antwort ist: Es gibt keine Antwort.

    Der Urgrund ist weder ein stiftender Gdanke noch eine Intention. Der Urgrund ist weder Ziel noch Antwort.

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    • Paulette schreibt:

      Ja lieber Nitya,
      ich stimme dir zu.

      Meine freudige Überraschung liegt natürlich an der Übereinstimmung. Wenngleich ich als Muskliebhaberin auch Dissonanzen sehr gern mag. Oft geht es mir so, dass ich etwas höre, was mir zuerst nicht eingängig ist, dann aber nach einer Weile, sich in mein Sein dermaßen hineinschleicht, dass ich es nicht mehr missen möchte.

      So ist das auch mit manchen deiner Kommentare, danke dafür.

      Wenn du sagst:

      „Der Urgrund ist weder ein stiftender Gdanke noch eine Intention. Der Urgrund ist weder Ziel noch Antwort.“

      dann kann ich dir versichern, dass ich das auch einmal so sah. Nach der Begegnung mit dem Urgrund (dem Verschlungenwerden von ihm) jedoch weiß ich, der Urgrund ist alles.
      Auch stiftender Gedanke, auch Intention, auch Ziel, auch Antwort. Jedenfalls habe ich das so erfahren.

      M.E.n. benötigt der Verstand, wie ich nicht müde werde zu sagen😉 eben genau jenes Entferntwerden von sich selbst um mit einem neuen Blickwinkel in das zurückzukehren, was wir Leben nennen.
      Die „Zwischenstufe“ – der Urgrund sei „weder noch“ wird überschritten, wenn wir uns aus dem Gebundensein an das Denken „über“ den Urgrund befreien und ganz in der Wahrnehmung verbleiben.

      Daher hat mich die Aussage deines Meisters so berührt, wenn du ihn zitierst mit – „spüren sie’s“?!
      Es ist eine leise Vibration, die immer anwesend ist. Wie könnte sie ein „weder noch“ sein?
      Sie ist da, hörbar, spürbar, eben wahrnehmbar.

      Herzensgruß in den Tag

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      • Nitya schreibt:

        „dann kann ich dir versichern, dass ich das auch einmal so sah.“

        Liebe Paulette, das hat nichts mit einem „fortgeschrittenen“ Sehen zu tun, sondern mit einer unpräzisen Ausdrucksweise. Das eine ist der Urgrund, das andere sind all die Manifestationen des Urgrunds. Nur ein Gleichnis: Gold kann sich in der Form eines Rings manifestieren oder in der Form eines Bechers oder in der Form einer Krone oder in der Form eines Zahns oder in der Form von Blattgold … Das eine steht – allerdings nur gleichnishaft – für den Urgrund, das andere für seine Manifestationen.

        Dieses “Spüren sie’s”?!“ war für mich eine Manifestation, die mich augenblicklich in den Urgrund katapultieren ließ. (Bitte alle Worte in Tüttelchen!) Alles, was ich spüren kann, ist nicht der Urgrund selbst.

        Herzlichst
        Nitya

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    • Elmar Vogel schreibt:

      „Der Urgrund ist weder ein stiftender Gedanke noch eine Intention. Der Urgrund ist weder Ziel noch Antwort.“

      Das sagst du! Was heißt Urgrund, was stiftende Gedanke, was Ziel und was Antwort? Hast du endgültige Definitionen diese Begriffe? Ich kann das Gegenteil behaupten und es wäre nicht weniger wahr. Wirklichkeit bzw. Wahrheit wird ja subjektiv und individuell erfahren. Worte sind Krücken – Jegliche Definition ein Stammeln über das Unaussprechliche, das Zeitlose, das Universelle – dessen Teil wir selbst sind.

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      • Nitya schreibt:

        Natürlich sage das ich. Ich bin es doch, der das schreibt. Ich habe zur Verdeutlichung eben bei Paulette, gleichnishaft Gold und Ring benützt. Die Hindus benützten zur Veranschaulichung im gleichen Sinn Shiva und Shakti. Ich verwende Ausdruckweisen wie die von Meister Eckhart („In jenem Sein Gottes nämlich, wo Gott über allem Sein und über aller Unterschiedenheit ist, dort war ich selber“) höchst ungern, weil ich damit alle anderen wunderbar mundtot machen kann. „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist – sag ich nicht.“ Also muss ich auch jedes Wort von Eckart überprüfen, ob es FÜR MICH stimmig ist. Ich zitiere also nicht, um damit etwas zu beweisen, sondern um es in Frage zu stellen. Was nun die von dir gewünschten Definitionen betrifft, kann ich dir erst einmal nur zustimmen. Ohne Klarheit, was die Definitionen betrifft, reden wir alle aneinander vorbei – mehr noch, als wir das sowieso tun. Andererseits könnten wir uns überhaupt nicht mehr austauschen, wenn wir nicht (fahrlässigerweise) davon ausgingen, dass wir so in etwa unter bestimmten Begriffen etwas Ähnliches verstehen. Wenn allerdings offen Unstimmigkeiten zu Tage treten, bleibt nichts anderes übrig, als sich um Definitionen zu bemühen. Was verstehst du unter diesem Begriff und was verstehe ich darunter. Man muss sich nicht einig sein, aber es wäre nett, zu wissen, was der andere darunter versteht. „Hast du endgültige Definitionen diese Begriffe? Ich kann das Gegenteil behaupten und es wäre nicht weniger wahr.“ Nee, darum geht es nicht, nicht um objektive Definitionen, sondern um subjektive. Sonst könnten wir ja gleich auf den Turm von Babylon klettern. Und letztlich geht es gar nicht um Definitionen oder um das Denken, sondern … ich musste damals meinen Kunstdozenten nicht fragen, was er unter „Spüren Sie’s?!“ verstand.

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  10. Elmar Vogel schreibt:

    In jenem Sein Gottes nämlich, wo Gott über allem Sein und über aller Unterschiedenheit ist, dort war ich selber, da wollte ich mich selber und erkannte mich selber (willens), diesen Menschen (= mich) zu schaffen. Und darum bin ich Ursache meiner selbst meinem Sein nach, das ewig ist, nicht aber meinem Werden nach, das zeitlich ist. Und darum bin ich ungeboren, und nach der Weise meiner Ungeborenheit kann ich niemals sterben. Nach der Weise meiner Ungeborenheit bin ich ewig gewesen und bin ich jetzt und werde ich ewiglich bleiben. Was ich meiner Geborenheit nach bin, das wird sterben und zunichte werden, denn es ist sterblich; darum muß es mit der Zeit verderben. In meiner (ewigen) Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge; und hätte ich gewollt, so wäre weder ich noch wären alle Dinge; wäre aber ich nicht, so wäre auch »Gott« nicht: daß Gott »Gott« ist, dafür bin ich die Ursache; wäre ich nicht, so wäre Gott nicht »Gott«. (Meister Eckhart)

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  11. Elmar Vogel schreibt:

    Lieber Nitya, du schreibst:
    „Ich verwende Ausdruckweisen wie die von Meister Eckhart (“In jenem Sein Gottes nämlich, wo Gott über allem Sein und über aller Unterschiedenheit ist, dort war ich selber”) höchst ungern, weil ich damit alle anderen wunderbar mundtot machen kann. “

    Sorry, das war gar nicht meine Absicht. Ich wollte an diesem Beispiel nur aufzeigen, dass es durchaus legitim ist, den Urgrund als stiftendenden Gedanken, als Ursprung, als Ziel aber auch als Fragestellung oder Antwort zu definieren. Gerade der Bereich der menschlichen Kreativität ist untrennbar verbunden mit dieser Auseinandersetzung – mit der Suche nach dem Glaubwürdigen – mit der formulierung glaubwürdiger Antworten.

    Herzlichst
    Elmar

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    • Nitya schreibt:

      „Ich wollte an diesem Beispiel nur aufzeigen, dass es durchaus legitim ist, den Urgrund als stiftendenden Gedanken, als Ursprung, als Ziel aber auch als Fragestellung oder Antwort zu definieren.“

      Lieber Elmar,

      diese Art Legitimität kann ich nicht nachvollziehen. Dafür bin ich offensichtlich zu einfältig.

      Der Ursprung lässt sich, so wie ich das erlebt habe, beim besten Willen nicht definieren. Auch der gern benützte Begriff des Stammelns geht daneben. Es gibt einfach keine, absolut keine Möglichkeit, den Urgrund verbal oder symbolisch oder sonst wie zu vermitteln.

      Deshalb sind für mich auch sämliche Offenbarungsreligionen für den Müll.

      Das einzige, was ich noch akzeptieren könnte, wäre ein umwerfendes „Aahhh…“ Besser noch: Stille. – Lässt sich in einem Blog irgendwie nicht so richtig darstellen.

      Herzlichst
      Nitya

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  12. fredo0 schreibt:

    … es bedarf da auch keine definition ( de-finere = begrenzen ) …

    um es etwas drastisch auszudrücken „definition ist immer für den arsch“ …

    das , was wohl urgrund meint , ist so ur-grundig , dass es halt für alles ( ! ) ur-grundig ist ( „alles“ meint hier unbegrenzt , ja , un-de-finiert ) … jedes herausheben einer „finierung“ ist stets nur ( letztlich überflüssige ) dekoration auf diesem „alles“ .
    denn wenn da etwas de-finiert , also begrenzt , ist es zwar nicht falsch , denn auch das , was da künstlich de-finiert = begrenzt ist zwar im urgrund be-gründet , aber ( ! ) , und darauf weisen ja diverse hin , ist diese be-grenzung = definition halt niemals dem urgrund entsprechend …

    damit ist jede definition … im sinne des karle renz … schlicht lüge … und in kommunikation bestenfalls unterhose …

    es ist oft beim kreativen ( ich bin ja beruflich auch so einer ) ein phänomen , dass er das „durchflossenwerden“ dann doch im nachhinein sich selbst an das revers hängt …
    da wird dann schnell mal das „medium“ , das werkzeug , als bedeutender erachtet , als der fluss der da halt einfach floss …
    und dieses „medium“ sucht dann nach definitionen , die es als „medium“ vorkommen lässt … the same old story … denn dieses „medium“ ist stets existenzgeil … kann aber existenz nur in de-finition , also begrenzung , wahrnehmen …

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