Huang-po: Alles für die Katz


K
Wir bezeichnen ihr [der Buddhas] Erbarmen und Mitleid als unendlich, weil diese ohne Ursache und Wirkung sind. Erbarmen heißt in Wirklichkeit, dass man keine Vorstellung von einem Buddha besitzt, der Erleuchtung erlangt, und Mitleid, dass man sich keine Lebewesen vorstellt, die der Befreiung bedürfen. In Wirklichkeit wird der Dharma weder mit Worten gepredigt, noch auf andere Weise bezeichnet. Die Zuhörenden hören nichts und erlangen nichts. Es ist, als hätte ein imaginärer Lehrer imaginären Schülern gepredigt.

Was aber alle diese Dharmas (Lehren) betrifft, so werdet ihr sicher verstehen können, was ich sage, wenn ich um des Weges willen aus meiner tiefen Erfahrung zu euch spreche und euch vorwärts führe. Und was Erbarmen und Mitleid betrifft: Ihr werdet, auch wenn ich mir um euretwillen Dinge ausdenke und anderer Leute Vorstellung studiere, dadurch in keinem Fall eine wahre Erfahrung des wahren Wesens eures eigenen Geistes in eurem eigenen Inneren erlangen. Darum werden letztlich diese Dinge keine Hilfe für euch sein.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Osho hat mal gleichnishaft gesagt, das sei wie bei einer Blume. Eine Blume könne nicht anders als zu duften und ihren Samen dem Wind anzuvertrauen, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Und im Thomasevangelium sagt Jesus etwas ganz Ähnliches: „Siehe, da ging ein Sämann hinaus, füllte seine Hand und warf (die Samen). Ein Teil davon fiel auf den Weg, die Vögel kamen, sie aufzusammeln. Andere fielen auf den Felsen, und sie schlugen keine Wurzeln in der Erde und brachten keine Ähren hervor zum Himmel. Und andere fielen auf die Dornen; sie erstickten die Saat und der Wurm fraß sie. Und andere fielen auf die gute Erde, und sie gab eine gute Frucht zum Himmel; sie brachte sechzig Maß und hundertzwanzig Maß.“

Das ganze Bild vom erleuchteten Meister, der die Not seiner Mitmenschen sieht und ihnen aus reinem Erbarmen und Mitleid den Weg zur Erleuchtung zeigt, ist damit in Frage gestellt. Angelus Silesius drückt es so aus:

RDie Ros‘ ist ohn warumb
sie blühet weil sie blühet
Sie achtt nicht jhrer selbst
fragt nicht ob man sie sihet.

Das hat etwas total Schönes und absolut Befreiendes. Der ganze klebrige Abhängigkeitsmist ist mit einem Schlag verschwunden. Der Meister ist kein Meister und der Schüler kein Schüler. Beide sind einfach ohne Grund und Absicht. Wie die Rose blühen sie, weil sie blühen. Da ist für mich der Buddhismus noch ganz vom Geist des Taoismus getragen, wobei ich jeweils die Endsilben „–ismus“ gerne streichen möchte.

„Es ist, als hätte ein imaginärer Lehrer imaginären Schülern gepredigt.“ sagt Huang-po. Ach ja.ll

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Huang-po: Alles für die Katz

  1. Andreas schreibt:

    Auch Du bist ein Sähmann, werter Nitya, und viele Samen des Buddh noch ganz vom Geist des Tao getragen fallen hier auf gute Erde und bringen Frucht …

    Gefällt mir

  2. fredo0 schreibt:

    …. und selbst der samen auf fels ist nicht verloren , sondern wird lediglich zu anderem nutze als zum keimen einer pflanze …

    in jedem augenblick ist alles befruchtend und alles wird befruchtet … ein gigantischer fick …😀

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s