Osho: Taoisten haben keine Vorstellung von Gott.

 GDie Taoisten sprechen nur von etwas Ewigem, Unverursachtem, Unerschaffenem – einen Schöpfergott kennen sie nicht. Tatsächlich hat nie wieder jemand jenen Gipfel, jenen erhabenen Erkenntnisgipfel der Taoisten erklommen. Die geistige Reife der Taoisten ist so ungeheuer, ist von solchem Glanz, ist von solch einer Höhe und Tiefe, dass keine Religion mit ihr zu vergleichen ist; neben ihr wirken sie alle wie Kindergärten – gezielt für Kinder erdacht. Sie wurden gezielt für Kinder gemacht. Darum ist Gott „der Vater“: Kinder können nicht selbstständig sein, sie brauchen einen Vater. Wenn dein wirklicher Vater nicht mehr da ist, brauchst du einen eingebildeten Vater im Himmel, der dich zügelt. Du bist nicht reif genug, man darf dich nicht allein lassen, du musst dich auf irgendwen stützen.

Taoisten haben keine Vorstellung von Gott. Nicht, dass sie gottlos wären, sie sind die Göttlichsten überhaupt – aber sie haben keinen Gottesbegriff. Die Existenz genügt. Es gibt keinen Schöpfer, es gibt keine Schöpfung, wohl aber die Ewigkeit. Dies war von jeher so, dies wird immer so sein. Sobald du mit dieser ewigen Dauer in deinem Sein in Berührung gekommen bist, mit der Tragschicht, gibt es nichts mehr, worüber du unglücklich sein kannst. Du bist ewig, du bist unsterblich, es gibt für dich keinen Tod, denn es hat nie eine Geburt gegeben. Du bist unerschaffen, und somit unzerstörbar. Was immer die äußeren Umstände – dein inneres Licht brennt hell weiter und der Gesang geht weiter.

aus: Osho, „The Pathless Path“
TIrgendein gnädiges Schicksal ließ mich in einer Buchhandlung in jungen Jahren an die für mich gerade noch erschwingliche Reklamausgabe des Tao Te King übersetzt von Günter Debon geraten. Völlig angenervt durch die grauenvollen evangelisch-lutherischen Internatserziehungsversuche saugte ich Lao Tses Botschaft auf wie ein ausgetrockneter Schwamm. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Was für eine wunderbare Grundlage für alles Weitere, was da in der Zukunft noch auf mich an spirituellen Aussagen hernieder regnen sollte.

Osho sagt: „Sobald du mit dieser ewigen Dauer in deinem Sein in Berührung gekommen bist, mit der Tragschicht, gibt es nichts mehr, worüber du unglücklich sein kannst.“ Ich hab für den Begriff „Tragschicht“ für mich immer den Begriff „Grundton“ verwendet. Nicht meinen persönlichen Grundton (F), sondern etwas, das ich beim besten Willen nur als tonlosen Ton bezeichnen könnte, der obwohl allgegenwärtig, doch niemals hörbar ist. Oshos Anmerkung, dass es dann nichts mehr gäbe, worüber man unglücklich sein könnte, würde ich allerdings nicht  unbedingt unterschreiben wollen. Unglücklich-Sein gehört für mich genauso wie das Glücklich-Sein zu der Melodie, die den Grundton umspielt. „Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Hat Heraklit gesagt. Und genauso ist es mit Glück und Unglück, Freude und Leid, Krankheit und Gesundheit und allen anderen Polaritäten. Die Hoffnung, sich je von den Polaritäten der Welt befreien zu können, bringt nur Frustration und weiteres Leid hervor.

Wenn Osho sagt: „Was immer die äußeren Umstände – dein inneres Licht brennt hell weiter und der Gesang geht weiter.“, stimme ich ihm wieder vollkommen zu. Dasselbe würde ich allerdings auch für die inneren Umstände reklamieren. Ich will nicht sagen, dass sich nichts verändert, wenn diese Berührung mit dem inneren Licht stattgefunden hat, aber schon darüber zu reden ist mir zuwider. Da wird dann möglicherweise wieder an einem Verhaltenskatalog gebastelt, den man Punkt für Punkt abklopfen kann, um so Aussagen über das eigene innere Licht oder gar über das innere Licht eines anderen machen zu können.L

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6 Antworten zu Osho: Taoisten haben keine Vorstellung von Gott.

  1. fredo0 schreibt:

    ein text von nitya , den ich in seiner aussage zu 100 % bestätigen kann …

    bei mir war es mit 14 das glasperlenspiel von herman hesse , in dem der ich-held auf einem mann trifft , der in einem kleinen wäldchen lebt , und nur ein buch besitzt ….
    das musste ich natürlich haben …
    am nächsten tag beschaffte ich das I GING von richard wilhelm .
    ein buch dass noch immer auf meinem buchtisch liegt , völlig zerfleddert , tausendfach aufgeschlagen , mitlerweile von dutzenden anderer übersetzungen begleitet , ein echter freund und begleiter , ich werde es mir wohl mit in den sarg legen lassen …

    und das buch nach diesem buch was da werk des err-li , den wir lao-tse nennen …
    die faszination dieser „denke“ war so groß , dass , ich nachdem ich mein kunststudium mangels talent abbbrach , in marburg begann offiziell sinologie zu studieren ….

    ich habe mich mit vielen denkweisen befasst , und speziell das buddhistische oft getroffen , da mein sandkastenfreund für 14 jahre (illegal) nach tibet ging und all unsere späteren treffen dann zu einer (liebevollen) redeschlacht des „unter dem schirm des dharma“stehenden ( der mitlerweile sogar eine „buddhistische“ professur ausübt) mit mir , dem vom duft des tao getränkten freigeist wurde.
    ein szenario was mich sogar immer wieder an eine andere geschichte des hesse denken ließ , da ich auch ein fast adäquates privates leben führte , mit anfänglicher asketischer suche , dann extrem attraktiver gefährtin , kindern , reichtum , und dessen folgender hin-gabe , und des findens eines „fährmanns“ mit lehrreichem fluss ( der ereignisse ,) . nämlich der geschichte von hesse mit dem siddharta und seinem freund govinda .

    es war auch in dieser zeit des ersten treffens auf diese welt des denkens , etwa 14 jährig , in dem mir völlig unerwartet und unveranlasst , so etwas wie ein spontan-satori „zugemutet“ wurde … ich hatte bis dahin noch nie irgendeine form von „praxis“ ausgeübt , und plötzlich öffnete sich der vorhang zur unendlichkeit … einfach SO .

    dies lies mich dann die nächsten 40 jahre lang nach genau diesem , ja wieder erneut in mir verborgenen, suchen …

    die worte des tao waren mir da stets wertvollste begleitung und erfreuen noch heute mein herz . und da sie hier in disem blog so oft zu gehör kommen , erklärt dies wohl auch meine treue zu diesem platz …

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  2. chantaltalia schreibt:

    Einen Sonntagsgruss an Nitya und Fredo,

    hat mich angeregt, bei mir im Bücherregal zu stöbern…
    und diesen Vers:
    Siebenundvierzig aus dem TAO TE KING gefunden.

    „Ohne aus der Tür zu treten, kannst du die Wege der Welt kennen.
    Ohne aus dem Fenster zu schauen, kannst du die Wege des Himmels kennen.
    Je weiter du gehst, desto weniger weisst du.

    Die Weisen wissen, ohne zu reisen.
    Benennen, ohne zu sehen;
    Wirken, ohne zu handeln. “

    Chantal winkt, ohne zu handeln. 🙂

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      das hättste nich schreiben dürfen:
      “ Chantal winkt, ohne zu handeln.🙂 “
      Denn, indem du es geschrieben hast,
      hast du aus einer möglicherweise handlungsfreien spontanen Geste
      eine handelnde Geste gemacht.
      Hmm?
      Andererseits
      wie hättest du es Fredo und mich wissen lassen können,
      ohne es zu schreiben?
      Hmm?
      Du glaubst wohl nicht an feinstoffliche Schwingungen?
      Also das ist mir jetzt alles zu schwieirig,
      vielleicht weiß es ja der Fredo.
      Nitya winkt dir jetzt jedenfalls auch zu –
      handelnd oder nicht handelnd.

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  3. fredo0 schreibt:

    me too … (winkewinke)

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  4. chantaltalia schreibt:

    Lieber Nitya,
    Wie Karl Renz es auch immer sagt, ….falsch, falsch, falsch.
    Habe den Wink verstanden.

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