Jed McKenna: Was auch immer ist, es ist richtig so.


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Wenn wir uns der egohaften Insistenz entledigen können, Handlungen, Absichten, Gedanken und Gefühle als richtig oder falsch, als gut oder böse, als positiv oder negativ zu bewerten, dann werden wir erkennen, dass das einzige Kriterium, nach dem wir etwas bewerten können, darin besteht, ob es geschieht oder nicht. Es ist korrekt, wenn der Häretiker sich zu seiner Häresie bekennt, falls er es tut, und es ist korrekt, wenn der wütende Mob ihn dafür verbrennt, falls er es tut. Es gibt kein Richtig oder Falsch, Gut oder Böse, es gibt nur das, was ist oder nicht ist.

Was auch immer ist, es ist richtig so.

Alles dient zum Besten in dieser besten aller möglichen Welten.

aus: Jed McKenna, “ Spirituelle Dissonanz“

Das Leibnitzsche „Alles dient zum Besten in dieser besten aller möglichen Welten.“ wirft natürlich sofort die Frage auf: Zum Besten von wem? Sehr schnell wird klar, dass, was immer geschieht, nicht unbedingt meinem persönlichen Besten dient, nicht meinem Glück, nicht meinem Wohlbehagen, nicht meiner Gesundheit, ja nicht einmal meinem Überleben. Ferner wird klar, dass das, was dem einem zum Vorteil gereicht, einem anderen zum Nachteil gereichen kann. Es sieht so aus, als ob meine Art zu fragen, einem völlig falschen Ansatz folgt, wenn ich der Leibnitschen These gerecht werden will,

Leibnitz spricht von der besten aller möglichen Welten. Nun, wenn ich mich nicht in verklärenden Zukunftsphantasien verlieren will, dann ist das, dem ich in diesem Augenblick begegne, die einzige aller möglichen Welten. Nehmen wir an, ich hätte jetzt Bauchweh, weil ich gerade eine Dose Fisch verschlungen habe. Dann ist Bauchweh das, was ist. Etwas anderes ist nicht. Und weil Bauchweh im Moment die einzige zur Realität gewordene Möglichkeit ist, darf ich sie zur besten aller Realitäten erklären. Bauchweh ist Bauchweh und daran ändert auch mein Wohlgefallen oder meine Abneigung nichts. All meine Wertungen schrumpfen angesichts der Tatsache, dass ist, was ist, zu einem Nichts.

Alles dient zum Besten in dieser besten aller möglichen Welten: Darf ich jetzt nur noch „Halleluja“ singen und ein Dankgebet anstimmen? Muss ich jetzt alles ganz wunderbar finden, selbst wenn es mir ganz beschissen dabei geht? Muss ich mir also zukünftig alles schön reden? Ein Straßenräuber überfällt mich zu nächtlicher Stunde und raubt mir meine Brieftasche. Der Straßenräuber geht fröhlich ein Liedchen pfeifend seiner Wege, während ich wutschnaubend und rachelüstern der nächsten Polizeiwache zustrebe. Das ist das, was ist. Und genau das dient zum Besten aller möglichen Welten. Unsere Wertungen sind also Teil dessen was ist. Niemand muss sich sich selbst verleugnend zu Kommentaren des Geschehens zwingen, die ihm nicht entsprechen.

„Es ist korrekt, wenn der Häretiker sich zu seiner Häresie bekennt, falls er es tut, und es ist korrekt, wenn der wütende Mob ihn dafür verbrennt, falls er es tut.“ sagt Jed McKenna. Falls er es tut, denn dann ist es das, was ist, und dient somit zum Besten in dieser besten aller möglichen Welten.

Nein? Einspruch? Na, denn man tau!

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9 Antworten zu Jed McKenna: Was auch immer ist, es ist richtig so.

  1. fredo0 schreibt:

    zum besten …. als sprachliche verkürzung begreifen und nicht als steigerung vom wertenden gut
    gut kennt genau genommen auch gar keine steigerung …
    die müsste ja lauten gut – guter – am gutesten
    stattdessen wurde es gut , besser , am besten

    wobei besser auch verkürzung ist … von (im augenblick) bestehend

    und zum / am besten meint ein
    = zum/(gerade am) beste(hende)n

    ich mag diese sprachlichen spielereien sehr , weil sie verblüffend oft eine kluge tiefe gerade unserer deutschen sprache aufzeigen …

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    • Nitya schreibt:

      Die Sachsen sagen nicht „mein Bester“, sondern „mei Gutster“.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Fredo, das hat mir jetzt keine Ruhe gelassen und ich habe mit Brille und Vergrößerungslas bewaffnet in meinem Etymologischen Wörterbuch nachgeguckt, bin aber nicht auf „best – bestehend“ gestoßen. Meine Frage also an dich: War das von dir jetzt wirklich nur eine sprachliche Spielerei deinerseits oder gibt es den von dir angedeuteten Zusammenhang auch ganz ohne Spielerei?

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  2. Eno Silla schreibt:

    Ach ja…
    Die beste aller Welten?
    Schmerzhaftschöne Melancholie…
    Im Solassen, lassen, lassen:

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  3. fredo0 schreibt:

    die merkwürdige sprachliche steigerung von gut , hat mich schon immer interessiert … und mit der betonung von „zum besten“ im obigen text , hat sich mir erstmals eine schlüssige erklärung angeboten … ob die die semantiker und grammatiker teilen , wage ich zwar zu bezweifeln , doch ändert das nix an dieser von mir so empfundenen merkwürdige bedeutungstiefe in unserer sprache …
    auch ein karle renz dekoriert ja damit auffallend oft seine treffen , in dem er begriffe und wortfetzen der freien assoziation „ausliefert“ … heinz ehrhard lässt da grüßen … dass ja zu meiner großen freude und zum auch sprachlichem genuss …

    weitere unterhaltsame beispiele einer sprachlichen „tiefe … womöglich auch ohne der semantiker beifall ….😉
    allein — all(es)ein(s)
    einsam — zusammen mit dem einen
    wahrnehmung — ein für wahr nehmen , als ob wahr nehmen
    aufmerksamkeit — …keit bezeichnet wie …heit im deutschen immer einen zustand , also etwas (gedanklich) zu(m)stehen gekommenes … also meint aufmerksamkeit einen zu-stand der sich auf das (be)merken gründet … ist also nicht Jetzt , diese aufmerksamkeit , sondern bereits „verarbeitet“ …
    und und und

    ich hatte da mal ne ganze liste , muss mal nach kramen … wenns interessiert …

    man kann halt auch die eigene muttersprache , meist so beiläufig benutzt , zum finger auf den mond richtend nutzen … alles ist da im angebot …😀

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