Karl Renz: Wach auf von diesem Aufwachbusiness!


Karl Renz

Mein Kind,
wie kann es Täuschung geben
und Nichttäuschung,
Schatten und Nichtschatten?
Alles ist eine unteilbare Wahrheit.
Alles ist der Beschaffenheit nach dem Raum gleich,
alles ist makellos.

aus: Avadhuta Gita, 1, 43

Ich spreche zu dem, was Dunkelheit ist, zur Dunkelheit selbst. Also spreche ich zu dem Licht, das das Licht niemals kennen wird. Da ist nur Selbst! DAS ist nur das, was sich selbst niemals kennen wird. Und jetzt in Aktion, im Licht, und jetzt vibrierend und jetzt fällt es mit einer seiner Reflexionen, mit einem seiner Schatten in Liebe. Und jetzt wird es zu Schatten. Was kann ich demgegenüber tun, was ich bin? Daran glauben, ein Schatten zu sein? Selbst an Gewahrsein zu glauben, ist ein Schatten. Was kann ich machen? Ich kann dich nur schütteln: „Komm schon! Wach auf von diesem Aufwachbusiness!“ Wach vom Wachsein auf!“ Denn das, was du bist, ist niemals nicht wach. Und darin gibt es nie die Erfahrung von Wachsein – was du erwachen nennst. Es hat nicht einmal etwas mit Erwachen zu tun …

aus: Karl Renz, „Erstes und Letztes“IHerr, ich danke dir, dass du mir kein Nahtoderlebnis geschenkt hast! Vielleicht wäre ich am Ende doch noch auf den Gedanken gekommen, ein Erleuchteter zu sein. Ich muss immer wieder an diesen Gag von Osho in Rajneeshpuram denken, als er eine Liste von 100 erleuchteten Sannyasins aushängen ließ. Die Ärmsten, die sich auf dieser Liste wiederfinden konnten. Aber es gibt ja sogar Menschen, vorzugsweise mit einem Original-Nahtoderlebnis, die brauchen solche Listen nicht, die wissen es aus sich heraus: „Ich hab’s geschafft, ich hab’s erreicht: Ich bin erleuchtet!“ Und sie verkünden es von allen Dächern – hat nicht unser aller Herr Jesus Christus schon gesagt, wir sollen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen?! Na denn, lass leuchten, Kumpel!

Dattatreya sagt: „Alles ist eine unteilbare Wahrheit. Alles ist der Beschaffenheit nach dem Raum gleich, alles ist makellos.“ Na bitte, auch die sog. Erleuchteten und auch die sog. Nichterleuchteten. Aber das mögen manche, was sag ich manche, im Grunde die meisten Menschen so absolut überhaupt nicht: „Dann gäbe es ja keine Unterschiede! Hilfe! Wo bleibt dann meine Besonderheit! Ich hab’s doch, und die anderen nicht! Ich, ich, ich. Also ganz in echt: Ich hab’s!“ Na herzlichen Glückwunsch! Es sei dir/wem auch immer gegönnt. Hauptsache, du/wer auch immer fühlt sich gut damit.

BMir armen Blogdummie bleibt ja leider nichts anderes übrig, als immer wieder zu wiederholen: Ich hab’s, ich hab’s nicht, ich hab es und ich hab es nicht, weder hab ich’s noch hab ich’s nicht und überhaupt ist das der größte Käse – wer soll’s denn verdammt noch mal haben und was? Und mal ganz unter uns: Mir geht diese Erleuchtettuerei ganz gehörig auf den Sack. Nicht weil ich so neidisch wäre, sondern weil’s so langweilig ist und die Hoffnung, dass der Groschen endlich fällt, so gering. Es gäbe so viel, womit man mit Fug und Recht ein bisschen angeben könnte: Ich kann ein Liedchen pfeifen, ich kann einen Kopfsprung vom 1m-Brett machen, ich kann ins Badewasser pupsen und schön rumblubbern, … Aber jedem, der es hören oder nicht hören will, die eigene Erleuchtung unter die Nase reiben, also nee, da braucht man schon Fredos Engelsgeduld, um das in stoischer Gelassenheit zu ertragen.

Karl Renz sagt: „Selbst an Gewahrsein zu glauben, ist ein Schatten.“ An was glauben, ist immer ein Schatten. Daodejing, 56: „Ein Wissender redet nicht; ein Redender weiß nicht.“ Die letzten Zeilen vom Karl sind wunderschön: „Ich kann dich nur schütteln: ‚Komm schon! Wach auf von diesem Aufwachbusiness!‘ – ‚Wach vom Wachsein auf!‘ Denn das, was du bist, ist niemals nicht wach. Und darin gibt es nie die Erfahrung von Wachsein – was du erwachen nennst. Es hat nicht einmal etwas mit Erwachen zu tun …“ Ich fürchte nur, bei den meisten nützt die ganze Schüttelei nix. Das Erleuchtetsein geben sie nie wieder her.

meinsmein Schatz!

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8 Antworten zu Karl Renz: Wach auf von diesem Aufwachbusiness!

  1. keiner, Niemand + Jemand schreibt:

    Und ich bin mir als nicht nur als Nitva noch nicht wirklich lebendig leibhaftig leiblich begegnet. Und Du? Und jetzt freu‘ ich mich und sing mir was Du solltest dich deshalb nicht daran hindern lassen:

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  2. Pingback: Wach auf von diesem Aufwachbusiness! | BEWUSSTscout - Wege zu Deinem neuen BEWUSSTsein

  3. chantaltalia schreibt:

    lieber Nitya, hab ich da auf den falschen Link gedrückt, da unten auf den Pingback. Jetzt bin ich plötlich ganz aufgewacht, als ich das bemerkte.
    „Mein Schatz“, das rote Männchen, was da rubbelt: „Das Klatschen der einen Hand. “

    Wache Grüsse in den Tag

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  4. chantaltalia schreibt:

    Aufwachen tut immer ein bisschen weh. Schlafen ist viel schöner.
    Wenn du erröten als rotes Weibchen gemeint hast, dann kann ich dich beruhigen.
    Leider finde ich auf meinen Giffs nicht solche Figürchen, um darauf passend zu antworten.
    Und…, lieber Nitya, heute habe ich dich in der letzten Connection Ausgabe gesichtet. Doch, da bin ich fast errötet vor Freude.🙂
    Herzgrüsse
    Chantal

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Chantal,

      wenn es draußen kalt ist und noch dunkel, dreh ich mich auch lieber noch mal rum, und schlaf ne Runde. Da tut Aufwachen tatsächlich ein bisschen weh. Wenn draußen schon die Sonne lacht, hält mich nichts mehr im Bett. Mal so, mal so also. Es herbstelt wieder und die dunkleren, kälteren Tage warten auf uns. Richten wir uns also mit den Bären langsam auf den Winterschlaf ein.

      Herzlichst
      Nitya

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