William Godwin: der wohlunterrichtete Menschenfreund


G
Mit welchem Entzücken muss der wohlunterrichtete Menschenfreund jener glücklichen Zeit entgegensehen, wo der Staat verschwunden sein wird, diese rohe Maschine, welche die einzige fortwährende Ursache der menschlichen Laster gewesen ist und so mannigfache Fehler mit sich führt, die nur durch ihre völlige Vernichtung beseitigt werden können.

William Godwin (1756-1836)

Godwin ist Moralist. Wie schon der Titel seines Hauptwerks „Political Justice“ sagt, steht die Gerechtigkeit im Zentrum seines Denkens. In seiner Vorstellung von der Gerechtigkeit versöhnt er auf eigenartige Weise die idealistische mit der empiristisch-utilitaristischen Tradition. An ersterer hat er teil durch seine Herkunft aus dem radikalen Dissentertum, an letzterer durch Beschäftigung mit Locke, Bentham, Helvetius und Holbach. Godwin geht davon aus, dass es einen objektiven Vernunftzusammenhang, ein unveränderliches Vernunftgesetz gibt. Alles Wissen aber beruht auf Erfahrung, und diese kann nur dann zur Erkenntnis der Wahrheit führen, wenn das Individuum sich ausschließlich auf die Autorität der eigenen Vernunft und des eigenen Gewissens verlässt. Alle Orientierung an institutionalisierten Autoritäten aber muss notwendig zur Perversion der Wahrheit führen. Nur in einer herrschaftsfreien Gesellschaft ist die Möglichkeit der Harmonie von subjektiver und objektiver Vernunft gegeben. Kampf allen Institutionen also, da sie ein Leben in Freiheit und Gleichheit behindern, das allein den Forderungen der Gerechtigkeit entspräche. Von diesem moralisch fundierten antiautoritären Ansatz her lassen sich alle Vorstellungen Godwins über menschliches Zusammenleben verstehen.

aus: A. v. Borries / I. Brandies, „Anarchismus. Theorie, Kritik, Utopie“

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“ Aus meiner Sicht beschreibt Egon Bahr hier, wie im Allgemeinen Politik betrieben wird. Er sagt damit nicht, dass er diese Aussage zur Maxime seines eigenen politischen Handelns gemacht hätte. Ich denke, dass er die Schüler, zu denen er diesen vielfach zitierten Satz gesagt hat, warnen wollte, damit sie nicht allzu leichtgläubig den Versprechungen der Politiker Glauben schenken.

SVon Borries/Brandies nennen den Anarchisten William Godwin einen Moralisten. Sie meinten damit ganz sicher/hoffentlich nicht einen dieser unerträglich moralinsauren Burschen, sondern eher einen Menschen, der sich irgendwelchen vernunftmäßigen und ethischen Werten verpflichtet fühlte. Gestern schrieb Sugata: „Wir haben nun den Raum jenseits von Gut und Böse kennengelernt (Rumi: ‚dort treffen wir uns‘), wir sind nun jenseits von Ethik. … Besser, wir weisen der Ethik (auch der Buddha hat uns eine ausgefuchste Ethik hinterlassen!) nun den richtigen Platz zu.“ Vielleicht habe ich hier ja schon einen Zündpunkt entdeckt: Ich habe es weder mit Buddhas 227 Anweisungen noch mit irgendwelchen anderen Regelungen. In diesem Punkt sehe ich das ganz so, wie es uns von Laotse so wundervoll überliefert wurde:

Höchste Tugend weiß von der Tugend nicht, daher gibt es die Tugend. Niedere Tugend lässt von der Tugend nicht, daher mangelt die Tugend. Höchste Tugend ist ohne Tun, ist auch ohne Grund, warum sie täte. Niedere Tugend tut, hat auch einen Grund, warum sie tut. Höchste Menschlichkeit tut, aber ohne Grund, warum sie tut. Höchste Rechtlichkeit tut, doch mit einem Grund, warum sie tut. Höchste Sittsamkeit tut, und wenn ihr niemand erwidert, zwingt sie die andern mit aufgekrempelten Ärmeln. Wahrlich: Wer den Weg verliert, Ist nachher tugendhaft. Wer die Tugend verliert, Ist nachher gerecht. Wer die Rechtlichkeit verliert, Ist nachher sittsam. Wohl! Die Sittsamkeit Ist eine Verkümmerung von Lauterkeit und Treue, des Haders Anfang ist sie. Vorkenntnis ist eine prangende Blüte des Weges, aber der Torheit Beginn. Deshalb der große, gereifte Mann: Hält sich an das Völlige und verweilt nicht beim Kümmerlichen, hält sich an den Kern und verweilt nicht bei der Blüte. Wahrlich: Von jenem lass! Dieses erfass!

Hinter diese Einsicht kann ich nicht mehr zurück. Es ist mir völlig klar, dass dies von Menschen, die diesen, ich nenne es mal, Reifezustand nicht verwirklicht haben, nicht erwartet und nicht verlangt werden kann. Und solange das so ist, bin ich irgendwie ganz froh über unsere Gesetze und Regeln und wenn sie noch so kritikwürdig sind. Wenn William Godwin sagt: „Alle Orientierung an institutionalisierten Autoritäten aber muss notwendig zur Perversion der Wahrheit führen.“, zielt das in die gleiche Richtung.

Wenn v. Borries/Brandies schreiben: „Von diesem moralisch fundierten antiautoritären Ansatz her lassen sich alle Vorstellungen Godwins über menschliches Zusammenleben verstehen.“ haben sie, vermute ich, weder den radikalantiautoritären Ansatz von William Godwin noch von Laotse wirklich verstanden. Das Ganze hat mit Moral so wenig zu tun wie das Fließen des Wassers in einem Bergbach.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

25 Antworten zu William Godwin: der wohlunterrichtete Menschenfreund

  1. Wolf Schneider schreibt:

    Der Ethik den richtigen Platz zuweisen, ja, darum geht es. Das genau auszuklamüsern braucht mehr als nur ein paar Zeilen. Trotzdem möchte ich hier schon mal ein paar Sätze zum Thema hinwerfen.
    „Ich bin ein Anarchist des Herzens“ sagte Osho. Gut getroffen, finde ich.
    Ich lebe lieber in einem Rechtsstaat wie Deutschland als in Somalia, wo die Warlords regieren, das ist meine Haltung zu »Anarchie oder Recht« im Äußeren. Wie defizitär und unsinnig das deutsche Rechtssystem auch immer ist, was ich im Einzelfall oft genug erlebt habe. Trotzdem schätze ich es, dass ich hier nicht auf offener Straße ausgeraubt und bedroht werde, usw.; ich empfinde das als wertvoll. Und ich wünsche mir eine Justiz, die den Umgang der Staaten untereinander regelt, wo jetzt noch das Recht des Stärkeren gilt.
    Und was das Ego und den Egoismus angeht: Wir handeln als menschliche Tiere sowieso immer (im weitesten Sinne verstanden) eigennützig, wir können gar nicht anders, als das zu erstreben, von dem WIR GLAUBEN, dass es uns nützt. Wenn wir denken, dass Altruismus uns nützt oder unserer Seele gut tut, oder wir deshalb in den Himmel kommen, dann tun wir eben das.
    Die 227 Regeln des Buddha sind für einen Einsichtigen natürlich Unsinn. Wer aber orientierungslos ist und nicht viel Selbstdisziplin hat, für den kann das ein gutes Trainingsprogramm sein – wobei aber die 10 Samanera-Regeln völlig genügen, das andere ist Ballast (mir gefällt nur die Zahl 227 so gut, das schindet Eindruck, hihi). Das macht man lange, bis die Einsicht kommt, dass Form und Leere dasselbe sind (siehe das Herzsutra). „Vipassana“ bedeutet Einsicht. Ob man nun ein Stunde oder 20 min am Tag still sitzt oder das nicht tut …, das machen die einen so, die anderen so. Da ist nicht der eine heiliger als der andere, ist doch klar. Aber für manche ist das tägliche Stillsitzen eine gute Zentrierungsübung, das verachte ich nicht, manchen empfehle ich es sogar.
    War das wieder ein Zündfunken? Ich hätte gerne mehr Zeit für den Dialog mit dir. Ich finde das Ausloten dieser Bereiche im Dialog mit dir sehr spannend! Ich würde sogar sagen: Du mit deinem Blog, das ist zur Zeit mein favorisierter Gesprächspartner zum Weiterentwickeln und Präzisieren meiner Gedanken. Kann gut sein, dass ich ab November richtig viel Zeit dafür habe, darauf freue ich mich. Jetzt erstmal muss ich noch meinen Verlag in neue Hände geben – oder eben auflösen (zum Ende Oktober). Das verlangt von mir eine Menge Achtsamkeit und Genauigkeit im Umgang mit Menschen und »Gütern«. Deshalb sowas wie dieser Eintrag erstmal nur sporadisch – und danke für die Zündfunken von dir!
    LG
    Sugata

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Das muss ich erst mal verdauen.😀

      Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Sugata,

      als mir in jungen Jahren meine Auserwählte mitteilte, dass es wohl auf eine Trennung hinauslaufen würde, wenn ich mir keinen sicheren Brotberuf suchen würde, ließ ich mich tatsächlich darauf ein und ging in den Schuldienst. Ich ging in den Schuldienst mit dem A.S.Neills Buch „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung“ unterm Arm. Das war ein paar Jährchen vor der 68er Zeit. Es dauerte nicht lang, bis ich begriff, dass ich damit im staatlichen Schuldienst nur scheitern konnte. Aber der Neill war damals neben Laotse Tao Te King das, was mich am meisten inspirierte. Der Anarchist und Gestaltpsychologe Paul Goodman schrieb einmal: „Freie Aktion bedeutet, in der bestehenden Gesellschaft so zu leben, als sei sie eine natürliche.“ Eine „natürliche“ Gesellschaft war für ihn eine sich selbst regulierende Gesellschaft. Ich musste damals schmerzhaft verstehen, dass menschliche Entwicklungsprozesse in einem völlig unterschiedlichen Tempo ablaufen. Insofern kann ich dir nur vollkommen zustimmen, wenn du schreibst: “ Wie defizitär und unsinnig das deutsche Rechtssystem auch immer ist, was ich im Einzelfall oft genug erlebt habe. Trotzdem schätze ich es, dass ich hier nicht auf offener Straße ausgeraubt und bedroht werde, usw.; ich empfinde das als wertvoll.“

      Das ist jetzt natürlich kein Entweder-Oder, so wenig wie das bei Osho ein Entweder-Oder war, als er sagte: “Ich bin ein Anarchist des Herzens.“ – und überall seine Guards rumlaufen hatte. Auch Alexander S. Neill war ein Anarchist, was aber nicht bedeutete, dass die Kinder in seiner Werkstatt sich wie die Vandalen aufführen durften. Wer seine Feile nach Gebrauch nicht ausbürstete, bekam Werkstattverbot. Anarchie bedeutet ja nicht Idiotie. Worauf ich mit dem Tao Te King Zitat (38) hinauswollte, ist, zu zeigen, dass es für mich nicht darum geht, „der Ethik den richtigen Platz zuzuweisen“, sondern darum, dass alles bestens aus – ach Gott, wie soll ich das bloß ausdrücken? – „aus dem Tao heraus geschieht“. Also, ich kann’s nicht ausdrücken. Entweder weiß einer, wie ich’s meine, oder nicht. Als ich einmal in einer langen Straßen-Kurve zwischen zwei LKWs mit Hänger zu geraten drohte und in allerletzter Millisekunde das Lenkrad herumriss und in einen Feldweg hineinraste, war da weder mein Verstand noch meine Erfahrung noch der Nitya überhaupt am Werk, sondern – keine Ahnung. „Keine Ahnung“ gefällt mir besser als „aus dem Tao heraus“. Letzteres klingt, als ob ich irgendwas wüsste. Ich wüsste also nicht, wo ich der Ethik den richtigen Platz zuweisen könnte. Ich habe keine „Ethik“. Ich handle halt – irgendwie – und bin immer wieder von mir selbst überrascht. Wenn Rumi sagt „Wer spricht denn da mit meinem Munde?“, muss ich genauso sagen: Wer handelt denn da durch den Nitya? So im Nachhinein glaube ich dann irgendwelche Vorlieben zu entdecken. Die kann man denn vielleicht irgendwie benennen oder einordnen (ich bin eine Enneagramm-NEUN), aber eigentlich sind all diese Benennungen und Einordnungen für den Müll.

      Lieber Sugata, ich drück dir alle Daumen für deinen Verlag und sein Schicksal, wie auch immer es ausgehen wird. Auch wenn du keinen würdigen Nachfolger finden wirst, es war einfach großartig, was du da in all den Jahren gestaltet hast und so für viele suchende Seelen auf stürmischer See wie ein Leuchtturm zu einem Orientierungspunkt wurdest. Freuen wir uns also auf den November.

      Herzlichst
      Nitya

      Gefällt mir

  2. Paulette schreibt:

    Hallo lieber Nitya,

    was für ein Thema. ui ui ui😀

    Das ist für mich „der“ Zündfunken überhaupt und ich habe jetzt zwei Stunden mein Herz und meinen Verstand befragt, ob wir das durchstehen, wenn wir uns hier ehrlich äußern.😀
    Sicherheitshalber habe ich schon mal als Erkennungsfoto, wie es um mich steht, ein lächerliches Foto als Avatar eingesetzt, damit jene, die das Brechen kriegen bei dem, was ich gleich schreibe, meinen Beitrag einfach nicht ernst nehmen. Also mea culpa im voraus.

    So richtig weiß ich gar nicht, wie beginnen also fang ich mal so an.
    Ich wünsche mir Führung. Ich wünsche mir Regeln. Ich wünsche mir einen Weg, der mir vorgegeben wird und den ich nur zu gehen brauche, ohne an ihm zu zweifeln.
    Vermutlich bin ich daher zu einem Guru gegangen als es bei mir „spirituell“ wurde.
    Er hat mir gesagt, was zu tun, was zu lassen ist und siehe da, es führte zum Erfolg. Mir wurde geschenkt, wonach ich suchte.

    Auch im persönlichen Leben habe ich gemacht, was „mein“ Mann sagte. Er hat den Weg vorgegeben und es war für uns alle ein gutes Leben.
    Ebenso im Berufsleben. Ich hatte dann nach der Ausreise aus Ostberlin immer Chefs, die begeistert waren, dass ich nach der Prämisse lebte, ich bin hier um das zu tun, was von mir verlangt wird.
    Ich glaube, dass ich daher auch dieses grandiose Buch von Bernhard Schlink – Der Vorleser – mehrfach gelesen und weiter empfohlen habe, weil da so eine Frau, wie ich es bin, eben einfach macht, was ihr gesagt wird. Dass dadurch Menschen sterben ist nicht in ihrem Bewusstsein, weil das, was sie als Person ausmacht, stärker ist als das, was wir von einem Menschen erwarten.

    Wie man in meinem Blog lesen kann habe ich meine Kindheit und Jugend in einer Diktatur verbracht gegen die ich mich aufgelehnt habe. Aber warum? Weil ich, genau wie Wolf Schneider es hier so deutlich sagt, immer nur zu meinem (!) Besten gehandelt habe.
    Erst, wenn es für mich (!) unerträglich wurde habe ich agiert.

    Wenn ich mich derzeit also für geflüchtete Menschen einsetze, dann nur, weil es hier bei mir um die Ecke und sozusagen vor meinen Augen geschieht und ich das Leid sehen und riechen kann. Also kümmere ich mich mit dem, was eben geht. Nur habe ich mir das auch nicht selbst (!) ausgedacht, sondern folge dem, was für mich unerträglich wäre, nämlich in sengender Hitze ohne Wasser zu sein etc.

    Überall lese ich von empörten Menschen, die Angst vor diesen Fremden haben und wenn ich dann frage, ja warst du mal dort? Bist du hingegangen und hast dir selbst ein Bild gemacht? Dann kommen ausweichende Antworten oder Attitüden.

    Ich will damit sagen, wie soll man sich ein Bild machen und wissen, was richtig und falsch ist, wenn man keine Ahnung hat worum es geht?

    Wie soll eine Gesellschaft funktionieren ohne die, die voran gehen, weil sie wissen worum es geht?
    Wie soll eine Gesellschaft funktionieren ohne die, die den Vorangehenden vertrauen und ihnen daher folgen?

    Was ist das für eine Idee, dass jeder sein eigenes Maß sein soll?
    Wie gebildet, erfahren, intelligent, weise, wohlwollend etc. soll denn jeder Einzelne sein?
    Was ist das für eine Überforderung?
    Mir gehen da gleich die Schultern runter und der Buckel wird krumm, bei all dem, was ich da an Verantwortung auferlegt bekomme. Und ich gehöre zu jenen, die in der Lage sind zu reflektieren.
    Und ich reflektiere hiermit, dass ich gern hinter einem „Anführer“ gehe, der mich anführt den Weg zu gehen, der für mich und andere der Beste ist.

    Mir ist ganz flau im Magen, wenn ich das lese, was ich da aufgeschrieben habe, weil es natürlich vollkommen unpoplär ist und ich damit die „doofe“ Masse verteidige. Aber es werden eben keine Intellektuellen millionenfach geboren, sondern meistens hilflose Wesen, die Orientierung suchen.
    Und diese Orientierung suche ich noch immer, wenn ich täglich hier auf diesem Blog lese.
    Mir hilft das, was ein erfahrener „älterer“ Herr hier aufschreibt, meine Verwirrung in Bahnen zu lenken.
    Und ich habe keine Idee, wie das anders gehen könnte als sich an „Vorbilder“ und „Vorgeher“ zu halten.

    Herzensgruß in die Runde

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Paulette,

      du bist halt so, dass du gerne folgst. Ich bin halt so, dass ich ums Verrecken nicht folgen will und auch nicht will, dass jemand hinter mir her ist, um mir zu folgen.

      Immanuel Kant sagt: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ Hätte von mir stammen können.

      Überforderung: Vor dir steht ein hungriger Löwe, bereit, dich zu seinem Mittagessen zu machen. Deine Aufgabe ist es, dem Löwen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wenn ich dich richtig verstehe, sagst du jedoch dann zum Löwen: Also bitte, was soll diese Überforderung!

      Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht ein. Ich mus los.
      Herzlichst
      Nitya

      Gefällt mir

      • Paulette schreibt:

        lieber Nitya,

        du schriebst als du in Eile warst:

        „Überforderung: Vor dir steht ein hungriger Löwe, bereit, dich zu seinem Mittagessen zu machen. Deine Aufgabe ist es, dem Löwen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wenn ich dich richtig verstehe, sagst du jedoch dann zum Löwen: Also bitte, was soll diese Überforderung!“

        Es reagiert beim Beispiel Löwe der Überlebensinstinkt, da hat man ja keine Wahl. Manche Tiere rennen weg, manche fallen in Schockstarre.
        Ich gehöre zu den letzteren. Mancher Löwe hat mich daher als Beute wieder abgewählt, er wollte rennen und seine Mahlzeit erstmal jagen.

        Du beziehst dich außerdem auf ein Zitat:

        „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

        Was macht das für einen Sinn? Der vermeintlich eigene Verstand ist doch gefüttert mit allen vorangegangen Vordenkern. Alles, was „du“ je gedacht hast wirfst du in die Waagschale und denkst dann eine Mündigkeit zu erzeugen?
        Worauf stützt sich diese Mündigkeit denn?
        Ich habe Mut meinen Verstand zu benutzen indem ich sage, es gibt nichts eigenes, es gibt nichts Neues. Ich habe nur drei Möglichkeiten im Leben:
        Entweder ich schwimme mit dem Fluss
        oder ich schwimme gegen den Fluss
        oder ich steige aus, aus dem Fluss und schau mir das Spiel von draußen an.

        Jede der drei Varianten wurde bereits von einem Anderen gespielt. Ich kann in keinem Fall der/die Erste sein. Warum dann also so einen Stress machen, sich abkämpfen und sich einreden, dass man nicht den Anderen folgt sondern eigene Wege geht?

        Wen füttert man mit dieser Idee des „Eigenen“?

        Wenn es also darum ginge eine Gesellschaft abzuschaffen, weil man glaubt lauter mündige Bürger zu haben – da sag ich nur, was für ein Chaos.

        Ich habe mal ein paar Jahre in einem Frauenhaus gearbeitet, da gab es Basisdemokratie – das war der Horror. Alle haben zu allem eine Meinung auch dazu wovon sie keine Ahnung haben, z.B. Finanzpläne oder Kostenrechnung. Stundenlange Debatten ohne Ergebnis und am Ende muss doch der, der die Ahnung hat, den Job machen.

        Inzwischen haben sie dort den Mist wieder abgeschafft und eine Cheffin eingesetzt, die sich mit der Materie auskennt und mit Sozialarbeitern nicht über den stochastischen Prozess debattieren muss. Dieser Cheffin ohne wenn und aber zu folgen halte ich für den Moment, wo ich meinen Verstand einsetzen muss und nicht indem ich es „selber“ und besser wissen möchte. Dieses „ich weiß es selbst am Besten“ ist m.e. die Überforderung, die ins Verderben führt.

        ganz lieben Gruß auch dir nocheinmal

        Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        Liebe Paulette,

        mag sein, dass sogar ein hungriger Löwe bei deinem Anblick wegrennt, mag sein dass dir deine Schockstarre das Leben rettet, was ich sagen wollte ist: Das Leben kümmert sich einen Dreck darum, ob du dich überfordert fühlst oder nicht.

        Dass du mit dem Kant-Zitat nichts anfangen kannst, wundert mich nicht, wenn ich lese, wie begeistert du dich führen lässt von Leuten, die es angeblich besser wissen. Was soll ich dazu sagen? Ich muss natürlich sofort an Heinrich Mann’s wundervolle Beschreibung des Untertans denken.

        Und natürlich an unseren allseits geliebten Führer Adolf Hitler. Was soll ich wirklich dazu sagen. Ich bin einfach platt, wenn ich lese, was deine Präferenzen sind. Ob das nun der Verstand ist oder die Erfahrung oder was auch immer – warum sollte für dich irgendein anderer Mensch besser wissen, was für dich gut ist, als du selbst? Aber weiß ich, ob das eine besser als das andere ist? Vielleicht lieg ich völlig daneben mit meiner Sichtweise und meinen Vorlieben? Aber es ist nun mal so, ich mag keine Bescheidwisser, die mir sagen wollen, was richtig und was falsch ist. Und darüber zu diskutieren, fällt mir nicht im Traum ein.

        Was kann ich also sagen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Du lebst so und ich leb anders. Ich sag dir nicht, wie du zu leben hast und was richtig oder falsch ist. Ich kann immer nur für mich sprechen.

        Herzlichen Gruß
        Nitya

        Gefällt mir

    • fredo0 schreibt:

      mal so …zu kerstin … es ist ja das elementare Bedürfniss eines Körpers ( ! ) mit all seinem Denken, Fühlen und Befinden , eine Sicherheit für sich und die ihn umgebende Welt zu ersehnen . Struktur , Regeln , Verlässlichkeiten , aber auch Zugehörigkeiten und auch deren Gegenteil , also Ablehnung und Ausgrenzung , sind da dessen Ausdruck .
      es ist … letztlich … stets der Ur-wunsch des Kindes , was irgendwann beginnt , sich als getrennt zu erleben .
      Und auch jedes Ersehnen von Vor-Bild und Vor-Geher ist genau diesem Bedürfniss geschuldet.

      Es ist ja dann ( manchmal bei mancheinem ) das gerade verblüffende , das in dem was man (fälschlicherweise) höchstes Wissen nennt , die bis dahin meist insgeheim ängstlich vermutete völlige Un-gesichertheit dann zur (verblüffenden) Gewissheit wird …

      Das einzige was da Gewissheit wird , ist also , daß es niemals so etwas wie Sicherheit für dieses Körper-Objekt geben wird … ja überhaupt geben kann …
      es taucht da ( in diesem „Aha“ ) nur eine Gewissheit auf … Nämlich die der elementaren Un-gesichertheit …
      damit erst … wird das Kind in uns allen erwachsen ( erwacht ) …
      es erwacht in (s)ein unabwendbares Chaos hinein …
      in ein un-gesichertes reines Bespieltwerden ohne Netz und doppelten Boden …

      Ein Spruch der mir immer gut gefallen hat :
      „Die erschreckende Nachricht : du wirst fallen !
      die schlechte Nachricht dazu : der Fall hört niemals auf !
      die gute Nachricht dazu : es gibt keinen Boden !“

      Und doch ist da im Körper auch dieses automatische soziale Bedürfnis ( „Bedürfnis“ als Ausdruck einer entsprechenden Programmierung des Organismus ) , an „Sicherheit“ mitzuwirken .
      Genau das , was den Organismus „Opa Fredo“ , wenn seine kleine Mascha „Opa tomm“ sagt , dann völlig automatisch nach Gefahren für seinen Enkel-Nachwuchs Ausschau halten lässt . … wie gesagt … völlig automatisch !
      Das ist für mich der Schlüsselbegriff … ganz von allein ( ! ) … funktionieren die biologischen Systeme der HomoSapiense dann (bestens) in Richtung „Sicherheit“ … es bedarf dann schlicht keines (zusätzlichen) Bemühens oder Vermeidens … die Programmierung wird den Job „Sicherheit“ ganz sicher bestmöglichst erledigen …

      Doch genau dann wird es „haarig“ , wenn dieses Vertrauen ins automatische Job-erledigen der Programmierung halt fehlt , und der Mensch dann „ichig“ versucht , „wollend“ doch och irgendwie Sicherheit zu schaffen , und er damit oft genug die ansich bestens funktionierenden „automatischen“ Mechanismen eher behindert und er damit sogar noch sein latent fehlendes Vertrauen ins „Automatische“ weiter schwächt .

      P.S. auch die Sehnsucht nach einem funktionierenden Gewissen ist diesem Bedürfniss nach Sicherheit und Bestätigung des „eigenen“ geschuldet.
      Der ins Chaos „Fallende“ wird ja nur völlig gewissen-los handeln (können) .
      Ausschließlich bewegt/motiviert/eventuell auch mal geblockt von den halt auftretenden Rücken- Seiten-und Gegenwinden dieses Falls ins Bodenlose … doch stets vertrauend … und dann genau dieses Vertrauen als die bestens funktionierende Verbindung zum Geschehen bestätigt sehend
      Ob gewissenhaft oder nicht ist dann schlicht unerheblich …

      Diese Winde haben einfach immer recht …😀

      Gefällt mir

  3. Marianne schreibt:

    Ein „Moralist“ ist für mich einer, der nach seinen eigenen Wertmaßstäben nicht aufhören kann, die „Guten“ ins Kröpfchen und die „Schlechten“ ins Töpfchen zu tun. Das ist etwas anderes, als eine „unterscheidende Weisheit“ (Buddhismus) oder eine „Unterscheidung der Geister“ (Christentum) zu praktizieren.
    Wo liegt der Unterschied?
    Für mich im Wissen um die Tatsache, dass die Kriterien, nach denen ich auswähle und kategorisiere, selbst-konstruiert sind: Die zwei (oder mehr) Schwarz-Weiß-Kategorien (Graustufen), die hinten heraus kommen, habe ich selbst vorher eingeführt.

    Dann kann man „Unterscheiden“ doch gleich bleiben lassen, sagen manche … Es sei besser, nicht zu werten und zu unterscheiden, als dies zu tun. Schon wieder ein Moralismus!😦

    Alles Wissen aber beruht auf Erfahrung, und diese kann nur dann zur Erkenntnis der Wahrheit führen, wenn das Individuum sich ausschließlich auf die Autorität der eigenen Vernunft und des eigenen Gewissens verlässt.

    Das betrachte ich mehr oder weniger genau so: Es gibt für mich so etwas wie ein eigenes Gewissen, das auf meinen Lebenserfahrungen beruht und … seit es um die Verbundenheit aller mit allen weiß, auch das Wohl aller in seine Erkenntnisprozesse mit einbezieht. Zu einer allgemeinen Richtschnur würde ich das niemals erheben wollen.

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,

      dem kann ich nur zustimmen.

      Was die Erfahrungen betrifft, sind sie ja die erinnerte Summe der Geschehnisse + meine Wertungungen dazu. Wenn mir also die Relativität aller meiner Erfahrungen bewusst ist, ist ja alles prima.

      Herzlichen Gruß
      Nitya

      Gefällt mir

  4. Andreas schreibt:

    In unserer Generation werden Staaten geschliffen (Lissabon Vertrag, Ausverkauf Griechenlands, TTIP, usw usw.). Und gerade durch den momentanen Prozess der Entmachtung der Staaten entfernen wir uns vom Ideal einer Herrschaftsfreiheit und ganz allgemein von den Errungenschaften der Aufklärung … Der Stärkere gewinnt: der Geldadel …

    Gefällt mir

  5. Paulette schreibt:

    liebe Marianne,

    du schreibst:

    „Es gibt für mich so etwas wie ein eigenes Gewissen, das auf meinen Lebenserfahrungen beruht …“

    Ich glaube nicht, dass ein „eigenes“ Gewissen existiert. Weil es kaum pure Lebenserfahrungen gibt.
    Jede sogenannte Lebenserfahrung unterliegt einer Deutung.
    Wenn z.B. in einer Stadt wie Berlin mein kleiner Enkel auf dem Spielplatz eine Schippe Sand über den Kopf eines südländischen Kindes schüttet, dann könnten die Eltern dieses Kindes dem „Geschädigten“ sagen, das ist typisch für die Deutschen, dass sie ihren Kindern beibringen den ausländischen Kindern feindlich zu begegnen. Wenn das ein zweijähriges Kind jeden Tag im Buddelkasten hört, wieviel Möglichkeit hat es denn dann noch ein „eigenes“ Gewissen hervorzubringen? Und wenn es dann beginnt zu reflektieren, dass viele Kinder ein solches Verhalten an den Tag legen aber eben nicht alle, dann kann sich der Mensch seine Lebenserfahrung nicht mehr allein deuten, sondern beginnt z.B. auf die Psychologie oder Pädagogik zu schauen.
    Die Aussage, das ist nun mal so, manche Kinder schütten Sand über den Kopf eines anderen, aber manche Kinder machen dies nicht.
    Das ist doch für den menschenlichen Verstand nicht befriedigend. Man möchte doch wissen, weshalb die Dinge so sind, wie sie sind:
    Und außerdem führt die Deutung, das ist nun mal so, nicht zu einer Gewissensbildung.

    lieben Gruß dir

    Gefällt mir

    • Marianne schreibt:

      Jede sogenannte Lebenserfahrung unterliegt einer Deutung.

      Liebe Paulette,

      (fast) jedes Wort des Satzes, den du von mir zitierst hast, hat in meinem Lebens- und Erfahrungskontext eine ganz eigene (subjektive) Be-Deutung, so auch das Wort „Gewissen“. Da stimme ich dir zu!
      Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht wirklich, wo wir in unseren Ansichten auseinander driften …

      Ich bin nicht durch ein totalitäres Staatssystem in gleichen Maße geprägt worden, wie du. Mein Vater hatte keinerlei Respekt vor Autoritäten und hat uns das so beigebracht: Wenn dich ein Lehrer ärgert, dann stelle ihn dir einfach in Unterhosen vor. Auf dem Hintergrund des stolzen Widerstands gegen die Nazis, den er von seinem Vater gelehrt bekam, nahm er hier eher eine arrogante Haltung ein. Ich hab‘ das auch manchmal drauf😉
      Hingegen verhielt er sich Schwächeren gegenüber beschützend und notfalls auch verteidigend … Ich habe mich auf diesem Hintergrund mit zuschlagenden Kindern im Sandkasten eher angelegt und ihnen einfach die Schaufel weg genommen.
      Meine Tochter hat sich auf dem Hintergrund ihrer Eltern-Prägungen in der dritten Klasse mal ein blaues Auge geholt, weil sie sich mit Ober-Schläger des Pausenhofs verbal auseinandersetzen wollte.
      Das alles hat aber mit dem „Gewissen“, aus dem ich heute Entscheidungen treffe, wenig zu tun. Wenn ich es befrage, dann spüre ich nach innen und gehe mit dem Er-Lebensprozess, der sich dort entfaltet. Klar ist das subjektiv – und … es ist für mich die beste „Richtschnur“, die ich habe.

      Mit herzlichem Gruß
      Marianne

      Gefällt mir

  6. Paulette schreibt:

    liebe Marianne,
    danke für deine ausführliche Antwort.

    Du schreibst:

    „Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht wirklich, wo wir in unseren Ansichten auseinander driften … “

    tun wir nicht. Ich stimme deinen Beiträgen inhaltlich immer zu. Mir ging es um das Wort „Gewissen“.
    Wenn ich nun lese, wie du es deutest, nämlich als:
    „Das alles hat aber mit dem “Gewissen”, aus dem ich heute Entscheidungen treffe, wenig zu tun. Wenn ich es befrage, dann spüre ich nach innen und gehe mit dem Er-Lebensprozess, der sich dort entfaltet.“
    bin ich beeindruckt. Ich wusste gar nicht, dass soetwas möglich ist.
    Für mich ist, wenn ich mich nach innen wende entweder die Erinnerung an gedeutete Erlebnisse vorhanden aus denen ich dann ein „Gewissen“ ableite (!) oder es gibt gar kein Gewissen in meinem Geist.
    Ich finde in mir immer nur die zwei Wahrheiten. Entweder aus der Vorstellung, die sich in meinem Geist – Verstand befindet oder ohne Vorstellung im „nichts“ in der reinen Erfahrung von Sein-Liebe.

    So meinte ich das.

    Herzengruß

    Gefällt mir

    • Marianne schreibt:

      Für mich ist, wenn ich mich nach innen wende entweder die Erinnerung an gedeutete Erlebnisse vorhanden aus denen ich dann ein “Gewissen” ableite (!) oder es gibt gar kein Gewissen in meinem Geist.

      Liebe Paulette,

      das halte ich für eine persönliche (vielleicht charaktertypische?) Eigenart von dir …

      Was bei mir „innendrin“ (vor 25 Jahren) abgegangen ist, als ich mein autonomes „Gewissen“ entdeckt habe, habe ich damals so beschrieben:

      Ordnung

      Dasjenige tun, was gerade stimmt
      Nicht an dem festhalten, was mir gestern richtig erschien
      die Grenzen fließen lassen
      und … immer wieder hingehen, hinschauen, spüren wo sie sind
      und entdecken, sie sind weich, biegsam flexibel
      dabei merke ich es hält, es trägt, ich versinke nicht im Chaos
      und möchte jubeln, jauchzen, mein Glück in alle Welt schreien
      aber die anderen schütteln nur den Kopf, finden alles schrecklich unordentlich und verstehen nicht, wie man damit leben kann
      sie möchten verstehen, was das für eine Ordnung sein soll, aber ich kann es ihnen nicht sagen
      denn es ist meine ureigenste Ordnung, keine allgemeinverbindliche Moral, kein Dogma.
      Etwas, das in mir entsteht, wenn ich loslasse, zulasse, lebe.
      Und … trägt, trägt, trägt.

      Mit herzlichem Gruß
      Marianne

      Gefällt mir

      • Paulette schreibt:

        liebe Marianne,

        das klingt ja alles wundervoll.
        Ich habe nun eine Weile überlegt was ich dazu sagen soll, weil ich diese Art von Gewissen nicht kenne. Für mich gibt es eben nur das gesellschaftlich oder humanistisch konforme Gewissen oder gar keins. Zum Glück hat „Gott“ mich mal wieder gelenkt und so fand ich eine Antwort in Wiki:
        „Ohne eine ethische Orientierung bleibt das Gewissen „leer“; „ohne Verantwortung ist das Gewissen blind“.“
        Da ist die Antwort auf meine Wahrnehmung. Ich sehe mich nicht in der Verantwortung. Daher folge ich lieber einem Voranschreiter, der dann meint eine Verantwortung zu haben.
        Das ist nicht mein Spiel. Ich sehe mich nur als Spielfigur.

        Ganz lieben Gruß nochmals

        Gefällt mir

      • Marianne schreibt:

        Liebe Paulette,

        Beziehungs-, Gesellschafts- und sonstige „Spiele“ nach eigenen (anarchistischen) Regeln zu spielen, finde ich unterhaltsam.
        Zur „Spielfigur“ anderer lass‘ ich mich nicht machen.
        Und … dass das „Spiel des Lebens“ seiner eigenen Dynamik folgt, ist sowieso klar …

        ♥lich
        Marianne

        Gefällt mir

  7. Paulette schreibt:

    Und hier noch einen Nachtrag, gerade in meine Hände gefallen:

    „Weisheit kommt nicht aus dem Hirn, sondern sie wird wahrgenommen“
    😀 ……wohl kaum mit dem Verstand…… 😀

    Gefällt mir

  8. Paulette schreibt:

    Hallo lieber Nitya,

    Du schreibst:

    “ Ich muss natürlich sofort an Heinrich Mann’s wundervolle Beschreibung des Untertans denken.
    Und natürlich an unseren allseits geliebten Führer Adolf Hitler. Was soll ich wirklich dazu sagen.“

    Ja, natürlich habe ich mir gedacht, dass das so interpretiert werden kann. Daher habe ich ja auch so lange überlegt ob ich mich zu dem Thema äußern soll.

    Ist schief gegangen, was solls.

    Dir einen schönen Tag von Herzen

    Gefällt mir

    • fredo0 schreibt:

      mir gefällt der hinweis von marianne …
      zu bemerken , dass man (nur) spielfigur ist ,
      bedeutet keinesfalls , sich zur spielfigur anderer machen zu lassen …

      in meinem fall ist dieses „nicht machen lassen“
      geradezu eine hauptdekoration der figur fredoo .

      Gefällt mir

    • fredo0 schreibt:

      nur ein hinweis …
      an vor-bild und vor-geher zu glauben , ist per se keinesfalls falsch …

      es bedarf nur einer kleinen verschiebung , und dies fühlt sich womöglich ganz anders an .
      wenn sich das von dir wahrgenommene quasi von selbst „verabsolutiert“ , es also nicht mehr als einzelereignis mit getrennten personen , sondern als leben-total „bemerkt“ werden kann , verschwimmen die unterschiede zwischen dir und vorbild , zwischen deinem gehen und dem eines vor-gehers .
      da verbleibt dann nur noch DAS leben , das sich halt gerade „gehend“ ab-bildet .

      ich bemerke da bei mir eine garnicht so andere haltung … mir sind die gesamten ereigniss „meines“ lebens hinweisende vor-bilder … ich benutze da jedoch gerne den begriff „omen“ … denn das leben wird für mich in aufmerksamer betrachtung zu einem umfassenden omen.
      Es ist letztlich in jedem moment nix anderes wie andauernde offenbarung.
      Und offenbarung benutzt durchaus auch vor-bildende figuren und voran-gehende figuren.
      Doch ist da kein zu wertender unterschied zwischen vorangehendem und nachfolgenden, denn das leben nutzt beide gleichwertig , um sich auszudrücken.
      Und dieser „ausdruck“ ist durchaus als ein omenhaftes vor-bild zu sehen .

      es bleibt das gleiche ereigniss , wird jedoch aus anderer perspektive wahrgenommen .
      da ist dann der vor-geher und das vor-bild nur das TOTALE Leben … was könnte daran falsch sein ?

      Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Liebe Paulette,

      ich würde niemals in Abrede stellen, dass ich von den Menschen, die vor mir den Globus bevölkerten, jede Menge gelernt habe. Das fängt ja schon bei der Muttersprache an. Trotzdem wollte ich schon als Kind alles selber machen und am liebsten habe ich autodidaktisch gelernt. Ich habe natürlich auch von meinen Zeitgenossen gelernt, z.B. von einem Malermeister, wie man Schleiflacktafeln herstellt oder in einer Schlosserei, wie man schweißt oder von einem dreizehnjährigen Jungen, wie ein Forum funktioniert.

      Wenn du dein Beispiel mit der nicht funktionierenden Basisdemokratie bringst, kann ich nur sagen: Ja, hierarchische Systeme wie z.B. das Militär funktionieren kurzfristig effektiver. Befehl und Gehorsam und keine Diskussion. Da gibt es einfach weniger Reibung. Trotzdem hätte ich mich völlig anders verhalten beim Beispiel Frauenhaus. Wenn die Basisdemokratie nicht können, dann sollen sie es gefälligst lernen. Das, was du da propagierst, würde dir tatsächlich jeder SS-Mann bestätigen. „Führer befiehl, wir folgen.“ Als ich aufwuchs wimmelten die alten Nazis noch überall rum. Ich hab das alles noch hautnah mitgekriegt und ich vermute, in der DDR war das keinen Deut anders, nur sehr viel länger, weil es bei ihnen keine größere 68er-Bewegung gegeben hat. Du bist da echt auf eine Tretmine bei mir getappt. Man sagt ja den Pfarrerskindern nach, dass sie es faustdick hinter den Ohren hätten. Nun mein Vater war u.a. ein alter Komisskop und Polizeipräsident. Da musste ich einfach ein Anarchist werden. Wen kann es wundern.

      Die Managerschulen haben längst erkannt, dass ein kypernetisches Managementmodell langfristig wesentlich effektiver arbeitet als das Hartzburger Modell. Also in diesem Punkt scheinen wir uns schwerlich einigen zu können.

      Gefällt mir

  9. Paulette schreibt:

    lieber Nitya,

    du sagst: „Also in diesem Punkt scheinen wir uns schwerlich einigen zu können.“

    Das müssen wir auch gar nicht. Ich habe jetzt eine ganze Weile in den Aufzeichnungen von Rilke gesucht, den ich verehre und dem ich folgen möchte mit diesen Text von dem ich hoffe, dass du verstehst, dass ich mich als „gefallener Würfel“ betrachte.

    Nochmals einen sehr herzlichen Gruß

    Rainer Maria Rilke aus Erzählungen

    „Man ist […] wie der Würfel im Becher: Eine unbekannte Spielerhand schüttelt ihn zwar, und man stürzt aus ihm und bedeutet draußen, im Auffallen, viel oder wenig. Aber man wird, nachdem der Wurf vorüber ist, in den Becher zurückgeholt, und dort, innen, im Becher, wie man auch zu liegen kommt, bedeutet man alle seine Zahlen, alle seine Flächen. Und es kommt, im Innern des Bechers, kein Glück in Betracht und kein Missgeschick, sondern das bloße Dasein, das Würfel-Sein, das Sechs-Flächen-Haben, sechs Chancen, immer wieder alle –, und die eigentümliche Sicherheit, sich selber nicht auswerfen zu können; der Stolz, zu wissen, dass es eines göttlichen Wagnisses bedürfe, damit einer aus der Tiefe dieses Bechers auf den Tisch der Welt geworfen werde, ins Spiel des Schicksals. Dies ist der reine Sinne von Tausend und Einer Nacht und dies die Spannung derer, die diesen Erzählungen zugehören: dass der Lastträger, der Bettler, der Kameltreiber –, irgendeiner, der nun einen kleinen Wurf ergeben hat, zurückgenommen wird in den Spielbecher, um noch einmal riskiert zu sein. Und dass es die Welt ist, in die man fällt, unter Sterne, zu Mädchen, Kindern, Hunden und Abfällen, dass es nichts Unklares gibt in den Verhältnissen, in die man geraten kann; zwar zu Großes oder zu Böses, zu Listiges oder einfach Verhängnisvolles …, aber man hat es entweder mit anderen Würfeln zu tun oder mit den Würfen, mit den Geistern, die die Becher schütteln und ein Ihriges wagen dabei. Es ist ein lauteres Spiel, unabsehlich und immer neu aufgenommen, über einen hinaus, aber doch so, dass keiner in keinem Augenblick wertlos sei oder schlecht oder schmählich; denn wer kann dafür, dass er so oder so aus dem Becher fällt?“

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Ich bin ein Würfel in unbekannter Spielerhand.
      Ich bin kein Würfel in unbekannter Spielerhand.
      Ich bin sowohl ein Würfel in unbekannter Spielerhand wie ich es nicht bin.
      Weder bin ich ein Würfel in unbekannter Spielerhand noch bin ich es nicht.

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s