Egon Bahr: Der Friede ist für mich der oberste Wert.

BDer Friede ist für mich der oberste Wert.
Freiheit, Demokratie, Menschenrechte
kommen erst hinterher,
sind nur zu verstärken oder zu behaupten
unter der Voraussetzung,
dass es keinen Krieg gibt.

Egon Bahr

Über die Wertigkeit von Liberté, Egalité, Fraternité wurde und wird immer wieder heftig diskutiert. Freiheit, Demokratie, Menschenrechte sind Ableitungen davon, und auch hier ließe sich wieder trefflich über die Wertigkeit streiten. Egon Bahr wischt sie alle mit einer Handbewegung vom Tisch: Solange aufeinander geschossen wird, können wir all die wohlklingenden Idealzustände in der Pfeife rauchen. Egon Bahr weiß, wovon er spricht. Er hat den II. Weltkrieg noch miterlebt und war hinterher erschrocken darüber, wie wenig erschrocken er im Krieg darüber war, dass er als sog. Soldat andere Menschen umgebracht hatte. Ein Soldat darf ja das tun, wofür sog. Zivilisten den Rest ihres Lebens hinter Gitter wandern. „Alle Soldaten sind Mörder.“ sagte Tucholsky, und ich kann ihm nur zustimmen, wenn es nicht um reine Selbstverteidigung geht.

Ich habe ja als kleiner Knirps nicht allzu viel vom Krieg mitbekommen, das allerdings schon: Als unser Bunker getroffen wurde und eine bunkerbrechende Bombe durch die Decke kam und ein Flammeninferno verursachte, war da niemand, zu dem ich hätte sagen können, er soll doch bitte mit dem Scheiß aufhören. Krieg bedeutet das Ende jeglicher zwischenmenschlicher Kommunikation und die ist absolute Voraussetzung für die nachhaltige Verwirklichung all dieser feinen Phänomene wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Ich bin also ganz bei Egon Bahr, wenn er den Frieden an die erste Stelle seiner Forderungen stellt. Ich würde vielleicht einen anderen Begriff wählen: Gewaltfreiheit. Noch besser: Verzicht auf gewalttätige Beherrschung anderer Menschen bzw. Anarchie. Wie wir gesehen haben, war in der menschlichen Geschichte Frieden immer nur eine vorübergehende Kriegspause von längerer oder kürzerer Dauer. Von wirklichem Frieden konnte nie die Rede sein, weil die egomanischen Menschen zu wirklichem Frieden nie fähig waren. Ego bedeutet nun mal: Ich gegen den Rest der Welt. Wenn ein Organ in unserem Körper mit so einer Haltung existieren würde, kann jeder sofort verstehen, was das für dieses Organ und den ganzen Körper für Folgen hätte.

Wenn alle politischen Vereinbarungen keinen dauerhaften Frieden herbeiführen können, ist es notwendig, wirklich an die Wurzel zu gehen. Symptombekämpfung wurde lange genug betrieben und hat die Menschheit nur an den Rand der endgültigen Selbstvernichtung gebracht. An der Wurzel all dieser Fehlentwicklung befindet sich das menschliche Ego, also die Vorstellung von einem getrennten Ich. Meine Leber ist klar als Leber erkennbar und unterscheidet sich von allen anderen Organen, ist aber in jedem Augenblick verbunden mit dem Ganzen des Körpers und agiert stets zum Wohle des Ganzen ohne dabei irgendwelche Eigeninteressen gegenüber dem Rest des Körpers zu verfolgen.

Allzulange schon werden Erkenntnissysteme, die dies unter die Menschen bringen wollen, als Religionen bezeichnet und damit gleichgestellt etwa mit den abrahamitischen Glaubensystemen. Im Bundestag werden dem Klapperstorch keinerlei Rechte eingeräumt, dem Glauben an den Kerl mit dem langen Bart im Himmel jedoch schon. Ich erinnere an diese unsägliche Beschneidungsdebatte, die wir über uns ergehen lassen mussten. Das ist finsterster Aberglaube. Und wie wir sehen können, war die Folge die gewalttätige Beherrschung anderer Menschen, in diesem Fall von Neugeborenen bzw. unmündigen Knaben. Deklariert wurde diese Körperverletzung als Recht auf freie Religionsausübung (der Eltern!). Ich nenne das einen Kriegszustand. Buddhas Anatta-Lehre, die ja auch schon in den hinduistischen Veden wiederzufinden ist, darf nicht länger auf eine Ebene mit diesen kriminellen sog. Religionen gestellt werden. Wir haben keine Zeit mehr für diese geistige Verblödung. Es muss klar werden, dass die Frage nach der Existenz eine Egos die politischste Frage überhaupt ist, von deren Beantwortung unser aller Existenz abhängt. Buddha und andere wollen nicht, dass ihre Einsichten geglaubt werden, sondern dass sie geprüft werden. Wahre Erkenntnis kann nur jeder für sich ganz allein gewinnen. Und genau das macht die Sache wiederum so schwierig. Die abrahamitischen Religionen konnten und können ihren Wahnsinn den „Ungläubigen“ noch mit Feuer und Schwert aufzwingen. Nondualistische Erkenntnisse lassen sich so nicht vermitteln. Nondualistisch klingt schon wieder so hochtrabend – meine Eichhörnchen verstehen mehr davon als die meisten Menschen.K

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Egon Bahr: Der Friede ist für mich der oberste Wert.

  1. Paulette schreibt:

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s