Alan Watts: wie aus dem Narren ein Weiser wird


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Zwei als eines: Hier stellt sich nicht die Frage, wer der Bewegende ist und wer der Bewegte, denn der Mensch lebt sein Leben durch dieselbe Kraft, durch die das Leben den Menschen lebt. Deswegen ist die Annahme, die eine Antwort auf Gebundensein zu sein scheint, tatsächlich ein Schlüssel zur Freiheit, denn wenn du dich so annimmst, wie du jetzt bist, wirst du frei, das zu sein, was du jetzt bist. Und deswegen wird aus dem Narren ein Weiser, wenn er sich die Freiheit gibt, ein Narr zu sein. Wir sind nämlich immer frei, das zu sein, was wir jetzt sind, und nur unser falscher Stolz hält uns davon ab, das zu erkennen. Daher ist die Annahme sowohl Aktivität wie Passivität in einem; als Passivität nimmt es uns an, unsere Wünsche wie auch Ängste als Bewegung des Lebens, der Natur und des Unbewussten; als Aktivität gibt es uns die Freiheit, wir selbst zu sein, und lässt uns unsere Wünsche und Ängste. Daraufhin werden das Ego und das Unbewusste, Mensch und Natur, man selbst und das Leben als zwei Tänzer gesehen, die sich in so großer Harmonie bewegen, dass man nicht sagen kann, wer agiert und wer reagiert, wer der aktive Partner ist und wer der passive. Es ist möglich, dieses Gefühl der Ganzheit nicht nur in seltenen Momenten der Einsicht zu haben, sondern im alltäglichen Leben, und es ist da, sobald wir erkennen, dass all unsere Aktivitäten in demselben Maße Aktivitäten der Natur und des Universums sind wie der Lauf der Sterne, das Fließen des Wassers, das Rollen des Donners und das Blasen des Windes.

Aus: Alan Watts, „Die sanfte Befreiung“

TTGestern sagte Karl Renz: „Es ist eine vollkommene Erfahrung von dem, was du “Freiheit” nennen kannst, wobei du keine Vorstellung davon hast, was Freiheit ist und was keine Freiheit ist. Es geht einfach darum, DAS zu sein, was unter keinen Umständen durch die Sinne berührt werden kann oder durch etwas, was du vom objektiven Leben wahrnimmst.“ Heute spricht Alan Watts davon, dass die Annahme, die eine Antwort auf Gebundensein zu sein scheint, tatsächlich ein Schlüssel zur Freiheit ist. Wenn du dich so annimmst, wie du jetzt bist, wirst du frei, das zu sein, was du jetzt bist. Und deswegen wird aus dem Narren ein Weiser, wenn er sich die Freiheit gibt, ein Narr zu sein.

HKleine Übungsaufgabe: Traust du dich, als Hase auf der Straße spazieren zu gehen? Das ist eine leichte Aufgabe, aber sie bringt dich in Kontakt mit dem Stolz, von dem Alan Watts sagt: „Wir sind nämlich immer frei, das zu sein, was wir jetzt sind, und nur unser falscher Stolz hält uns davon ab, das zu erkennen.“ Dabei ist die Hasenübung, wie gesagt, eine vergleichsweise leichte Übung, wesentlich härter ist es schon, völlig ungeschminkt einfach das zu sein, was du jetzt bist. Aber bevor du jetzt anfängst, dich ganz mies zu fühlen, weil du schon bei der Vorstellung dich ganz offen zu zeigen, Angst kriegst, sage ich mal tröstend: Du zeigst dich immer als der, der du bist. Du kannst dich gar nicht anders zeigen. Wenn du Angst hast, dich zu zeigen, dann zeigst du dich als jemand, der Angst hat, sich zu zeigen. Und ergänzend dazu: Wenn du dich als das zeigst, was du bist, ist es immer auch das Leben, das dich so zeigt, wie du bist.

Wenn du siehst, dass du dich immer zeigst und es gleichzeitig das Leben ist, das dich zeigt, kann das Leben vielleicht als zwei Tänzer gesehen werden, „die sich in so großer Harmonie bewegen, dass man nicht sagen kann, wer agiert und wer reagiert, wer der aktive Partner ist und wer der passive.“

Dann wird es vermutlich leichter zu verstehen sein, wie aus dem Narren ein Weiser wird, wenn der sich die Freiheit gibt, ein Narr zu sein.

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3 Antworten zu Alan Watts: wie aus dem Narren ein Weiser wird

  1. Nitya schreibt:

    Stellt euch schon mal drauf ein, was da u.a. auf uns zukommen wird:

    Der neue „Paketauslieferer“ von Google.

    Boston Dynamics ist jedoch vor allem für seine Entwicklung von Militär-Robotern bekannt.

    Vielleicht die Polizei der Zukunft?

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  2. Ingeborg schreibt:

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