Dattatreya: das höchste, ewige Selbst


A
Er erreicht das höchste, ewige Selbst,
unabhängig davon, ob er sich selbst vollkommen beherrscht
oder nicht;
egal, ob er sich von der Welt der Sinne zurückgezogen hat
oder nicht;
ob er der Welt entsagt hat
oder nicht.

aus: Avadhuta Gita [2,37]

Es ist keine Nicht-Erfahrung, sondern die Erfahrung, dass du nicht bist, was der Erfahrende ist und nicht das, was erfahren werden kann. Es ist die absolute Erfahrung, vollkommen unabhängig von allem zu sein, was du erfahren kannst, sogar vollkommen unabhängig vom Erfahrenden.

Es ist eine vollkommene Erfahrung von dem, was du „Freiheit“ nennen kannst, wobei du keine Vorstellung davon hast, was Freiheit ist und was keine Freiheit ist. Es geht einfach darum, DAS zu sein, was unter keinen Umständen durch die Sinne berührt werden kann oder durch etwas, was du vom objektiven Leben wahrnimmst.

Du bist also DAS, was niemals einem Sinn nach ist. Alle Sinne sind da, aber du bist niemals in einem Sinn – warst es niemals und wirst es niemals sein. Und für DAS, was niemals irgendeinem Sinn nach war, was nie geboren wurde und niemals sterben kann, stirbt die Idee von „Tod“ – in dem Augenblick. Das ist alles, Du erkennst, dass DAS, was du bist, nie nicht ist.

aus: Karl Renz,“Erstes und Letztes“

E

Wie verrückt, einen Maßstab für so etwas wie Erleuchtung konstruieren zu wollen und seine armen Mitmenschen damit zu belästigen. DAS, was du bist, ist nie nicht und du wirst es bis in alle Ewigkeit nicht erreichen können, weil du es schon immer warst, bist und sein wirst. Die Aufzeichnungen von P’ei-hsiu der Lehren des Huang-po beginnen mit den Worten:

Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar.

Was also um Gottes willen sollen all deine Anstrengungen bewirken außer deinen Verstand in den Wahnsinn zu treiben? Du bist schon immer, was du so eifrig suchst. Und je mehr du es suchst, desto weiter scheinst du dich von dem Ziel deiner Suche zu entfernen. Die frohe Botschaft ist, dass du dich, so sehr du dich auch anstrengst, dadurch tatsächlich keinen Millimeter von dem entfernen kannst, was du bist. Du erzeugst möglicherweise lediglich eine Menge Leid dadurch, was jedoch das, was du bist, in keiner Weise berühren kann. Karl Renz: „Es geht einfach darum, DAS zu sein, was unter keinen Umständen durch die Sinne berührt werden kann oder durch etwas, was du vom objektiven Leben wahrnimmst.“ Es geht natürlich nicht darum, es geht um überhaupt nichts. Wenn du schon immer DAS bist, was unter keinen Umständen durch die Sinne berührt werden kann oder durch etwas, was du vom objektiven Leben wahrnimmst, um was könnte es denn dann überhaupt noch gehen?

Ich stell mir gerade einen Film vor, „High Noon“ von mir aus. Town Marshal Will Kane will sich Frank Miller und seiner Bande in den Weg stellen. Mitten auf dem Weg bleibt er stehen und stellt sich die Frage: „Worum geht’s denn eigentlich?“ Und da er gerade „Erstes und Letztes“ von Karl Renz gelesen hat, denkt er: „Es geht einfach darum, DAS zu sein, was unter keinen Umständen durch die Sinne berührt werden kann oder durch etwas, was du vom objektiven Leben wahrnimmst.“ Will Kanes Schultern straffen sich im Bewusstsein DAS zu sein, das durch nichts berührt werden kann, und er geht frohgemut den Banditen entgegen und knallt sie der Reihe nach ab. Sind ja alles nur Erscheinungen. Was soll’s also?

Ist es nicht schrecklich? Ich kann eigentlich nur noch rumalbern und Blödsinn erzählen. Ich hoffe nur, dass das niemand ernst nimmt. Na ja, wenn doch, ist auch nicht schlimm.

M

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Dattatreya: das höchste, ewige Selbst

  1. fredo0 schreibt:

    es ist schrecklich … und manchmal so merkwürdig traurig …
    und doch … ist es ebenso wundervoll … voll der wunder der sprachlosigkeit …

    hatte dieses „wu“ , dieses sich einst ereignende plötzliche rückstandslos aufgesaugt werden in „wasauchimmer“ eine ursache ? eine vorbereitung ? ein vorspiel ?

    aus dem heraus was ich jetzt mal „wasauchimmer“ nenne , und was weder ort noch zeit ist ,
    kann es kein „vorher“ und kein „nachher“ geben … ok … da ist einfach nur DA … und das ist unbefragbarer , unveranlasster , unbegrenzter Friede … ein in sich selbst ruhendes ABSOLUT

    doch dann geschah ( im geschensfluss ) etwas was ich heute mal „wieder-ausgespuckt-werden“ nenne .
    und dies „erzeugt“ in seinem geschichtenfluss sehr wohl ein „vorher“ und auch ein „nachher“ .
    doch es versagt dauerhaft , es sei erwähnt , an einem dazwischen … an der erfassung/benennung des „wasauchimmer“ .
    in diesem „davor“ und „danach“ erscheint ( als hilfs-vorstellung ) eine ursache für das unbegreifbare „DAzwischen“ … es ist der kollaps des verstehen-wollens/könnens …
    eine situation völligen zusammenbruchs des „die welt und ich“ erhaltenden konzeptflusses … konzepte = bilder , die mit dem atemfluss den augenblick quasi ver-sinn-bild-lichen …
    also bild und sinn vorgeben … eine interpretation rein sensorisch und abstrakt …
    bricht dies zusammen , kollabiert es , reduziert der organismus auf sehr rudimentäre existenz … und … es scheint so zu sein … dass dies gelegenheit bietet …
    gelegenheit die versperrte tore öffnet … tore die verborgen haben … man kann sagen , auch schutz geboten haben … schutz vor dem „saugenden ABSOLUT“ …

    wie gesagt , nur wieder eine geschichte im davor-danach …
    doch eine geschichte , die mir diese ungeheure quantität der bemühungen vieler berichter der menschheit , der berichter von DA , und das bereits seit jahrtausenden , als einziges halbwegs plausibel erklärt .

    doch ist wohl der verborgene trick dieser „berichte“ nicht ein vom zuhörer erwünschtes verstehendes heranführen, sondern vielmehr ein ihm noch anfangs verborgenes verführendes „dem kollaps entgegen“ …
    und ist da dann irgendwann eine ahnung über diese perfide gemeinheit derer davorne , ist es eh zu spät … „you are still in the tigers mouth“ meinte ja einst einer von denen davorne , wahrscheinlich süffisant grinsend …😀

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s